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Notrufsäulen, wie diese in Unterschleißheim, sollen bald auch in Oberschleißheim stehen.

Sie sollen je mit einem Defibrillator ausgestattet sein

Gemeinde stellt Notrufsäulen auf - Suche nach Standorten mit „Gefahrenpotenzial“

  • vonAndreas Sachse
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Die Gemeinde Oberschleißheim will drei  Notrufsäulen mit Defibrillatoren aufstellen. Nun sucht sie nach geeigneten Standorten mit „gewissem Gefahrenpotenzial“. 

Oberschleißheim – Nach zwölf Minuten spätestens muss ein Rettungswagen in Bayern zur Stelle sein. Oft genug reicht das nicht. Gerade bei Herzstillstand zählt jede Sekunde. An geeigneten Standorten in Oberschleißheim will die Gemeinde daher Notrufsäulen und Defibrillatoren zur Verfügung stellen.

Der Gemeinderat verständigte sich darauf, im Ort zunächst drei Notrufsäulen aufzustellen. Im Gespräch sind der Bahnhofsvorplatz, Sportstätten, Hallenbad, Bürgerplatz und die Flugwerft. Die wenigen, bisher im Innern von öffentlichen Gebäuden angebotenen Defibrillatoren sollen für jedermann erreichbar im Außenbereich angebracht werden.

„Besser klotzen, als kleckern.“

Dabei soll es nicht bleiben: Nach dem Vorbild Unterschleißheims, wo inzwischen 18 Notrufsäulen mit integrierten Defibrillatoren in der Stadt verteilt sind, will Oberschleißheim Standorte mit einem „gewissen Gefährdungspotential“ auszustatten. Dazu zählt Gemeinderat Peter Benthues (CSU) auch den Festplatz und Spielplätze: „Besser klotzen, als kleckern. Auf dass es nicht irgendwann heißt: Pech gehabt, am Bahnhofsvorplatz hättest Du wohl überlebt.“

Vor vier Jahren begann man in Unterschleißheim, Notrufsäulen und Defibrillatoren flächendeckend zu verteilen. Als zentraler Bestandteil der damaligen Kampagne „beherzt helfen – DEFI-nitiv“ bot die Stadt Schulungen an. Denn die Scheu vor den Geräten ist groß.

Anwendung ist kinderleicht: „Die Geräte sind idiotensicher“

Ängste und Unkenntnis sind all zu oft der Grund für verwehrte Hilfe. Die Angst, durch Reanimation Fehler zu begehen, womöglich zur Rechenschaft gezogen zu werden, mag so manches Leben gekostet haben. Dabei retten Defibrillatoren Leben. Die Anwendung ist kinderleicht. „Die Geräte sind idiotensicher“, sagte Fritz Gerrit-Kropp (Grüne) – und speziell bei Kammerflimmern unabdingbar. Kaum dass die ersten „Defis“ im Sommer 2015 in Unterschleißheim aufgebaut waren, bewahrte ein Passant einen 38-Jährigen im Sportpark vor dem Tode.

Der plötzliche Herztod zählt zu den häufigsten Todesarten im Deutschland. Bis zu 100 000 Menschen sterben daran pro Jahr. Bei Atem- oder Herzkreislaufstillstand ist der Rettungsdienst oft zu spät. Binnen fünf Minuten nach dem Herzstillstand braucht es eine Herzdruckmassage. Mit jeder Minute ohne Behandlung sinkt die Überlebenschance laut Statistik um zehn Prozent.

Gemeinde investiert rund 50.000 Euro

Notrufsäulen kosten um die 10.000 Euro, Defibrillatoren rund 2000 Euro. Bis zu 50.000 Euro will Oberschleißheim auf Vorschlag der CSU in drei Notrufsäulen und eine Handvoll Defis investieren.

Konkrete Standorte schlug das Rathaus nicht vor. Was im Gemeinderat nicht gut ankam. Schon im Spätsommer war das Thema ergebnislos vertagt worden. „Jetzt führen wir die Diskussion erneut ohne brauchbare Vorgabe und müssen demnächst ein weiteres Mal ran“, schimpfte Sebastian Riedelbauch (SPD) und forderte den Bürgermeister auf, pünktlich zur Haushaltsdebatte eine Vorlage mit geeigneten Standorten vorzubereiten. Parallel befassen sich die Fraktionen mit der Lebensrettern.

Lesen Sie auch: Schluss mit Sozialer Stadt: Oberschleißheim beendet Kooperation - Das steckt dahinter

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