Beherzt, zupackend und leutselig. So behalten die Oberschleißheimer Christian Kuchlbauer im Gedächtnis.
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Beherzt, zupackend und leutselig. So behalten die Oberschleißheimer Christian Kuchlbauer im Gedächtnis.

NACHRUF - Altbürgermeister mit 60 Jahren an Krebs gestorben

Oberschleißheim trauert um Christian Kuchlbauer

  • Marc Schreib
    VonMarc Schreib
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Vereine und Weggefährten nehmen Abschied vom viel zu früh verstorbenen Altbürgermeister Christian Kuchlbauer aus Oberschleißheim. Er verlor den Kampf gegen einen Gehirntumor.

Oberschleißheim – Die letzten Monate seines Lebens konnte Christian Kuchlbauer zu Hause in seinem Elternhaus in Oberschleißheim bei seiner Familie verbringen. Seine Frau Anita pflegte den Schwerkranken bis zu seinem Tod. Er starb viel zu früh mit 60 Jahren an einem Gehirntumor. Für Oberschleißheim ein schlimmer Verlust. Er hinterlässt neben seiner Ehefrau zwei Töchter aus erster Ehe.

Hans Hirschfeld von den Freien Wählern hat Altbürgermeister Christian Kuchlbauer zeitlebens als einen lebensfrohen, lustigen und liebenswerten Menschen wahrgenommen, der auf die Menschen zugeht. Das Schicksal des Freundes berührt ihn tief: „Wir wussten, dass er schwer krank ist und uns bald verlassen muss.“

Gut vernetzt in den Vereinen

Dass Christian Kuchlbauer in vielen Vereinen, etwa beim Skiclub und im TSV, über Jahrzehnte mitwirkte und dadurch gut vernetzt war, hat ihm nach den Worten von Hans Hirschfeld geholfen, sich gegen drei Mitbewerber durchzusetzen und die Bürgermeisterwahl 2014 zu gewinnen. In der Stichwahl behauptete er sich gegen Florian Spirkl. Ein weiteres Kriterium war ebenfalls nicht von Nachteil: Er war ein geborener Oberschleißheimer, und jeder kannte ihn.

Konstellation im Gemeinderat nicht einfach

Aber das Bürgermeisteramt ist laut seinen politischen Weggefährten für ihn nicht leicht gewesen. Die Wahl wurde zwar gewonnen, aber eine Mehrheit besaßen die Freien Wähler im Gemeinderat nicht. In dieser Konstellation bewies Kuchlbauer Feingefühl und diplomatisches Geschick. Es mussten Brücken gebaut werden, und die Aufgabe, Mehrheiten zu bekommen, erfüllte Kuchlbauer, so gut es ging. Deshalb kam in der relativ kurzen Amtszeit viel „zum Wohl der Bürger“ zustande, wie Hans Hirschfeld findet. Eines lag dem Altbürgermeister besonders am Herzen: Die Menschen im Ort einzubinden bei Bürgerversammlungen. Auch gesellschaftlich habe sich viel abgespielt am Bürgerplatz. Als politisch größter Erfolg unter seiner Ägide könne das erfolgreiche Bürgerbegehren zur Beseitigung des beschrankten Bahnübergangs gelten. Die Umsetzung steht noch aus. Baulich sind der neue Hort, der Schulumbau zentral. Kurzum: „Die sechs Jahre unter Bürgermeister Kuchlbauer waren ein Segen für unsere Gemeinde“, so Hirschfeld.

Quereinsteiger ohne Zwang zum Kalkül

Ein weiterer politischer Weggefährte, Otto Bußjäger aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn, findet folgenden Worte für den verstorbenen Oberschleißheimer: „Als Bürgermeister war Christian zur richtigen Zeit genau der richtige Mann.“ Als Quereinsteiger habe für ihn nicht das politische Kalkül, sondern das Erreichen des Ziels im Mittelpunkt gestanden. Das „Jahrhundertwerk“ Bürgerplatz, der Ausbau des Universitätsstandortes, die Neuordnung von Wohn- und Gewerbegebieten und nicht zuletzt der Einsatz zur Verbesserung der Verkehrssituation gehe auf das Konto Kuchlbauers.

Zum Nachfolger ein gutes Verhältnis

Nach der verlorenen Wahl 2020 haderte der Kommunalpolitiker nicht mit dem für ihn ungünstigen Ausgang. Er verstand sich erklärtermaßen gut mit seinem Nachfolger, Markus Böck von der CSU. Von einem guten Verhältnis spricht auch Böck selbst: „Klar waren wir im Wahlkampf Gegner, aber nichtsdestotrotz sind wir persönlich gut miteinander ausgekommen.“ Egal ob vor oder nach der Amtsübergabe. Für sein Engagement im Ort und für die Menschen habe man ihm im vergangenen Jahr den Ehrentitel Altbürgermeister verliehen. „Wir waren froh, dass wir ihm die Auszeichnung in der schweren Zeit der Pandemie im kleinen Kreis übergeben konnten.“ Als großes Erbe Kuchlbauers sieht Böck die Förderung des Tourismus in Oberschleißheim, was maßgeblich durch den Vorgänger angetrieben wurde. „Es war ein großes Verdienst, dass wir als Gemeinde im Tourismusverein mitwirken.“ Aber auch die von ihm initiierten Feierabendmärkte werden fortgeführt.

Narrhalla trauert um treuen Begleiter

Tief betroffen äußert sich die Narrhalla in Oberschleißheim. Christian Kuchlbauer habe trotz seiner vielen Verpflichtungen immer Zeit gefunden, den Faschingsverein zu begleiten. Speziell aber habe es ihm eine große Freude bereitet, die Prinzenpaare zu Jahresbeginn im Bürgerhaus zu inthronisieren und ihnen einen schönen Fasching zu wünschen. Er habe sich immer wieder für den Verein eingesetzt: „In diesem Moment sind wir in Gedanken bei seiner Familie“, schreibt die Narrhalla.

Abseits ihres Lebensmittelpunktes Oberschleißheim zog es die Kuchlbauers in die Ferne. Das Reisen mit dem Wohnwagen nach Österreich beispielsweise, woher seine Frau stammt, gehörte mit zum jährlichen Ereignis. Dort gab es auch noch eine Hütte in den Bergen, bei der die Kuchlbauers wussten, „wo der Schlüssel liegt“.

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