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Der akkurat gestutzte Rasen gehöre zum Gesamtbild der Schlossanlage, sagt der Betriebsleiter. Die klimaneutralen Mähroboter waren dafür wie gemacht.

Die Entscheidung sorgt für Unmut

Mähroboter im Schlosspark: Darum wurden die fleißigen Helfer gefeuert

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Für einen akkurat gestutzten Rasen haben drei Mähroboter im Schlosspark in Oberschleißheim gesorgt. Jetzt wurden sie „gefeuert“. Das ist der Grund.

Oberschleißheim – Ein Vierteljahr lang waren sie in aller Munde. Drei fleißige Mähroboter hielten die Rasenflächen im Schlosspark in Oberschleißheim kurz. Die wunderlichen, kaum einen Meter langen, 50 Zentimeter breiten, „Automower“ drehten, so scheint´s, ziellos ihre Runden. Tatsächlich sorgten zufällige Bewegungsmuster für einen gleichmäßiges Schnittbild. „Das Chaos Prinzip“, erläutert Hofgarten-Betriebsleiter Alexander Bauer (51). „Die fahren kreuz und quer über den Rasen, kreuzen somit jede Fläche einmal pro Woche.“ Doch damit ist jetzt Schluss.

Naturschützer beendeten den Testlauf der klimafreundlichen Automower im Schlosspark. Bauer sorgt sich um das rechte Maß: „Jahrzehntelang durfte im Land kein Blümchen blühen. Heute gib‘t’s einen Aufschrei, wenn gartenhistorisch bedeutsamer Rasen gemäht wird.“

Schloss Schleißheim: „Tolle Mitarbeiter - Tag und Nacht unermüdlich an der Arbeit“

Doch von vorne: Ein Unternehmen stellte der Schlossverwaltung drei der bis zu 5000 Euro teuren Mähroboter für einen Testlauf zur Verfügung. Betriebsleiter Bauer bescheinigt „beste Erfahrungen“. Besucher bestaunten die wunderlichen Geräte. Kinder und Hunde hatten ihre Freude. Alle zwei Stunden suchten und fanden die elektrisch betriebenen Mähroboter den Weg in ihre Aufladestation. Dann ging´s zurück an die Arbeit. „Tolle Mitarbeiter“, trauert Bauer den quietschbunten Mini-Rasenmähern nach: „Tag und Nacht unermüdlich an der Arbeit.“

Nun musste er sie feuern. Und irgendwie hätte er es sich denken können. Der Abbruch des Versuchslaufs traf ihn trotzdem richtig hart. Aus dem Umfeld von Initiativen zum Artenschutz sei lautstark der Verdacht geäußert worden, Automower würden sich ihren Weg ohne Rücksicht auf Verluste frei mähen. Bauer: „Es hieß, die Geräte häckseln kleine Igel.“

Schloss Schleißheim: Verantwortliche können Entscheidung nicht verstehen

Das war das Aus für Automower. Der Verdacht, die putzigen Tierchen würden geschreddert, genügte, um den Testlauf zu beenden. Den Betriebsleiter ärgert das. Bauer hatte von einem Gesetzentwurf gehört, wonach automatische Rasenmäher auf öffentlichen Flächen tatsächlich untersagt werden sollen. Frühzeitig habe er sich an das Unternehmen gewandt: Man möge schleunigst eine Strategie entwickeln. Nichts geschah. Vergangene Woche war Schluss.

Dabei hätte das nach Bauers Überzeugung so nicht laufen müssen. „Das sind keine billigen Baumarktgeräte.“ Sobald der Automower ein Hindernis ortet, schlägt er einen neuen Kurs an. Die Karosserie, der Rahmen, schließt hermetisch bis zum Boden ab. „Da ist nicht mal eine Biene zu Schaden gekommen.“ Laut Bauer verrichten die Mähroboter ihren Dienst weitaus Boden-schonender, als die herkömmlichen, klobigen Rasenmäher. „Mit denen kann es eher mal passieren, dass Du einen Igel übersiehst.“

Schloss Schleißheim: Mähroboter sind auch noch klimaneutral

Bauer hat Verständnis für die Sorgen der Artenschützer. „Daheim lasse ich meine Wiese blühen, erfreu´ mich am Duft und am Gesumme.“ Auch im Schlosspark würden Wiesen, wenn möglich, dem fliegenden Völkchen überlassen. Das funktioniert aber nicht bei denkmalgeschützten Ensembles aus Rasen, akkurat gestutzten Blumen, Wasserspiel und dem Anblick des Schlosses. „Da muss ich den Rasen kurz halten“, sagt Bauer. „Das erwarten allein die Besucher.“

Mit ihrer Kritik hätten Artenschützer weder Bauers Hofgarten-Mannschaft noch der Umwelt und schon gar nicht dem Rasen einen Gefallen getan. Was die Geräte dem Betriebsleiter an Zeit ersparten, sei durch nichts aufzuwiegen. Automower rollen zudem klimaneutral statt mit Diesel, und auf dem kurz gehaltenen Rasen sei der Salbei prächtig gedeiht.

Abgesehen von dem Aus für eine vielversprechende Technologie, bereitet Bauer das seelische Befinden seiner Landsleute „Bauch-Grimmen“: „Wie gesagt, vor ein paar Jahren hätte man kein Blümchen wild blühen lassen dürfen. Inzwischen muss aus jedem Rasen der reinste Blumendschungel werden“, resümiert der Hofgarten-Betriebsleiter: „Was nur ist aus der goldenen Mitte geworden?“

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