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Deutlicher Zuwachs ist auf dem Hubschrauber-Landeplatz in Oberschleißheim geplant. Zu den Helikoptern der Bundespolizei soll sich die Staffel der bayerischen Bereitschaftspolizei gesellen.  

  Verlegung der Landespolizei-Staffel nach Oberschleißheim

Polizei-Hubschrauber: Wichtiger Tag für Entscheidung

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Jetzt dürfen die Oberschleißheimer öffentlich protestieren:Am Mittwoch findet der Erörterungstermin zur Verlegung der Polizei-Hubschrauber-Staffel statt. Viele Bürger wollen ihrem Ärger Luft machen.

Oberschleißheim – Die Stimmung ist „miserabel“, sagt Gabriele Kämpf, 67. Sie und viele weitere Oberschleißheimer schwanken zwischen Resignation und letzter Hoffnung. Sie glauben nicht mehr recht daran, die Verlegung der Hubschrauber-Staffel der bayerischen Bereitschaftspolizei vom Flughafen in ihren Ort verhindern zu können. Doch sie klammern sich an jeden Strohhalm.

Ein entscheidender Tag im Kampf gegen die Helikopter ist der morgige Mittwoch. Dann treffen sich Vertreter des Freistaats, seiner Behörden, von Ministerien, der Polizei, Naturschützer und viele empörte Bürger zum Erörterungstermin ab 9.30 Uhr im Bürgerzentrum Oberschleißheim. Zehn Stunden hat die Regierung von Oberbayern für diesen Verwaltungsakt anberaumt. Kein Wunder: Die Liste der Stellungnahmen und Einwände ist lang, der Protest gegen „Mordsgestank“ und weiteren Lärm groß. Auch Peter Schwärzell, Mitglied in einer von zwei Oberschleißheimer Initiativen, die sich gegen die Verlegung wehren, wird morgen im Bürgerzentrum vorbeischauen. „Oberschleißheim ist eh schon sehr laut“, sagt er. Drei Autobahnen (A9, A 92, A 99), Flüge der Bundespolizei-Helikopter und Züge, die „mitten durch den Ort“ fahren. Den Oberschleißheimern reicht’s. „Man muss Grenzen setzen. Man kann uns nicht weiter belasten“, betont Kämpf, die mit Emilie Stöhr als Initiatorin der zweiten Initiative 584 Unterschriften sammelte. „Bis hierhin und nicht weiter. Wir sind nicht die Müllkippe Münchens“, echauffiert sie sich. Sie hat den „Glauben an die Politik verloren“ und ist „schon langsam auf der Flucht“. Heißt: Sollten die Hubschrauber kommen, denkt sie über einen Wegzug aus Oberschleißheim nach.

Große Hoffnungen gibt es für die Gegner nicht. Der Landtag hat der Verlegung der Staffel längst zugestimmt. Dass Bürger und Gemeinde ihren Protest überhaupt offiziell erheben können, ermöglicht das Planfeststellungsverfahren, das die Gemeinde Oberschleißheim erst vor Gericht erzwingen musste.

Auch die Vorgehensweise ärgert Gabriele Kämpf. Denn der Erörterungstermin ist nicht-öffentlich. Nur all diejenigen, die Einwände erhoben haben, sowie Bürger aus Oberschleißheim, Garching und der Landeshauptstadt dürfen zuhören. Sie müssen sich bei Einlasskontrollen ausweisen. „Wovor hat die Politik denn Angst? Vor uns Bürgern?“ Kämpf findet es „unglaublich, dass wir uns ausweisen müssen“. Doch die 67-Jährige wird sich der Kontrolle zähneknirschend beugen. Sie will hören, was besprochen wird. Ebenso wie Peter Schwärzell.

Er will nicht nur hören, was Vertreter des Verkehrsministeriums und der Hubschrauber-Staffel zu sagen haben. Sie stellen das Projekt nochmals vor. „Ich will denen schon meine Meinung sagen“, betont er. Nachdem Kommunen, Behörden und Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahmen abgegeben haben, sind die Bürger dran. „Alle Privatpersonen – Einwender und Betroffene – erhalten die Gelegenheit, ihre Einwendungen vorzubringen“, erläutert Martin Nell, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern.

Das Ziel des Termins ist es, „die zu treffende Entscheidung vorzubereiten und alle dafür erheblichen Tatsachen und Gesichtspunkte zu klären“, sagt er. Also das Für und Wider von der Verlegung abzuwägen. Der Freistaat will mit der Zusammenlegung Synergien schaffen. Wann eine Entscheidung fällt, „hängt maßgeblich von den Erkenntnissen aus dem Erörterungstermin ab“, betont der Pressesprecher.

So gering die Hoffnung ist, die Helikopter abzuwenden. Die breite Ablehnung „motiviert mich, weitzumachen“, sagt Schwärzell. Aufgeben kommt nicht in Frage. Auch nicht für Gabriele Kämpf. „Ich heiße Kämpf und kämpfe bis zum Schluss.“

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