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Verlassenes Kleinod: Seit zehn Jahren kämpft der Verein „Verrückter alter Bahnhof Oberschleißheim“ für eine öffentliche Nutzung des leerstehenden Gebäudes. 

Verein in Oberschleißheim enttäuscht

Privatmann schnappt sich verrückten, alten Bahnhof

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Die Bahn verkauft den verrückten alten Bahnhof in Oberschleißheim an einen Privatmann. Damit hängt das Konzept für eine Bürgerbegegnungsstätte dort am seidenen Faden.

Oberschleißheim – Der alte Bahnhof in Oberschleißheim ist so gut wie verkauft. Hinter dem höchsten Gebot steht eine namentlich nicht bekannte Privatperson. Unklar ist, ob das von der Gemeinde ausgearbeitete Konzept zur Rettung des historischen Gebäudes als Bürgerbegegnungsstätte nun aufrecht erhalten werden kann.

Wie die Deutsche Bahn, DB Immobilien Region Süd, gestern mitteilte, ist dem künftigen Eigentümer das Konzept für eine öffentliche Nutzung des Bahnhofs durchaus bekannt. Der zum Erhalt des „verrückten alten Bahnhofs Oberschleißheim“ im Oktober 2014 gegründete Verein „Vabosh“ würde das sanierte Gebäude gern als Bürgerbegegnungsstätte mit kulturellem Angebot, Gastronomie und Veranstaltungsräumen nutzen. Nach Bahn-Informationen will der neue Eigentümer Geld in die Hand nehmen, um den alten Bahnhof zu sanieren. Ein Sprecher der DB geht davon aus, dass der neue Eigentümer demnächst in der Gemeinde, womöglich bei Vabosh selbst, vorstellig wird. Denn tatsächlich sind die Möglichkeiten für den neuen Besitzer, über das Gebäude und den schmalen Grundstücksstreifen freihändig zu verfügen, limitiert.

Kaufpreis ein Geheimnis

Der nach wie vor Bahn-Zwecken gewidmete alte Bahnhof darf nicht einfach abgerissen werden. Das Grundstück hat keine Zufahrt. Der Wasseranschluss läuft über das benachbarte Post-Grundstück. Die Planungshoheit liegt laut Vabosh-Vorsitzendem Andreas Hofmann beim Eisenbahn-Bundesamt. Über die Höhe des Kaufpreises schweigt sich die Bahn aus. Das Gebot der Gemeinde über 10 000 Euro war aus dem Umfeld von Vabosh-Unterstützern aufgestockt worden. Vabosh selbst standen 75 000 Euro zur Verfügung.

Wie die Gemeinde war der Verein erst eine Woche vor dem Stichtag der Ausschreibung am 1. August dieses Jahres von der Bahn über den Verkauf informiert worden. Vabosh und das Rathaus sahen sich schon damals über den Tisch gezogen. In der kurzen Zeit sei es unmöglich gewesen, die von Vabosh-Mitgliedern angebotene finanzielle Unterstützung zu akquirieren, erinnert Vorsitzender Hofmann: „Mit mehr Zeit hätten wir eine Vorgesellschaft oder eine GmbH gegründet, um diese später in eine Genossenschaft zu überführen.“

Seit zehn Jahren Kampf

Grundsätzlich ist Vabosh nicht glücklich über die Art und Weise, wie der Bahnhof unter den Hammer kam. „Seit zehn Jahren bemühen wir uns um das historische Kleinod“, sagt Hofmann. Doch zehn Jahre lang habe es von Seiten der Bahn so gut wie keine Kommunikation gegeben. „Die ganze Zeit hängen wir in der Luft, und dann haben wir eine Woche. Das ist nicht redlich.“ Vabosh-Vize Walter Klar, der seine Träume von einer Modelleisenbahn-Ausstellung im Bahnhof flöten gehen sieht, wird noch deutlicher: „Als immerhin halbstaatliche Einrichtung lässt die Bahn Bürgersinn und gesellschaftliche Verantwortung missen.“

Sprecher Hofmann hingegen will das Konzept einer Bürgerbegegnungsstätte noch nicht aufgeben. Seine Kritik richte sich gegen die Bahn, nicht gegen den neuen Eigentümer, betont er. Er sei zu Gesprächen bereit.

Bei einer vagen Hoffnung will man es im Verein aber nicht belassen. Gestern rief Vabosh Landtagskandidaten mehrerer Parteien auf, sich im öffentlichen Interesse dafür einzusetzen, dass der Gemeinde der alte Bahnhof zugeschlagen wird. Das Rathaus steht hinter dem Vabosh-Konzept. Hofmann hofft: „Es wäre doch möglich, dass die Kandidaten so kurz vor der Wahl noch punkten wollen.“

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