Appell des Oberschleißheimer Bürgermeisters

Rettet die Olympia-Regattastrecke

  • vonAndreas Sachse
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  • Günter Hiel
    Günter Hiel
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Für zehn Millionen Euro soll die Olympia-Regattaanlage zumindest teilsaniert werden, hat die Stadt München beschlossen. Der Gemeinde Oberschleißheim ist diese Minimal-Lösung viel zu wenig. Bürgermeister Markus Böck (CSU) verlangt in einem Brief an die Landeshauptstadt und den Freistaat entschieden mehr.

Oberschleißheim – Dass die Ruderregattastrecke Oberschleißheim nun doch nicht in dem Umfange wie geplant – und aus Sicht der Gemeinde notwendig – saniert werden soll, sondern langfristig sogar als Anlage für den Leistungssport aufgegeben werden soll, besorgt die Gemeinde Oberschleißheim sehr. Die Anlage befindet sich etwa zur Hälfte, einschließlich des Hauptbereichs und der Stege, auf Oberschleißheimer Gemeindegebiet. Daher wendet sich die Gemeinde nun angesichts der jüngsten Entscheidungen der Landeshauptstadt in einem offenen Brief sowohl an die Landeshauptstadt als Eigentümerin der Strecke als auch an den Freistaat Bayern, das Staatsministerium für Inneres, Sport und Integratio) als Aufgabenträger für Leistungssport, um hier eine koordinierte Lösung zum Erhalt der Strecke auf den Weg zu bringen.

Historische Olympia-Anlage darf nicht aufgegeben werden

Bürgermeister Markus Böck erklärt dazu: „Wir sind der Auffassung, dass diese Entscheidung für eine Sanierung ,im klein(st)en Umfang’ unbedingt noch einmal, auch auf höherer Ebene, durchdacht werden muss.“ Die Landeshauptstadt München und der Freistaat müssten sich unbedingt noch einmal zusammensetzen und eine gemeinsame, koordinierte Lösung für die Regattastrecke suchen. „Es kann doch nicht sein, dass diese historisch und landschaftlich einzigartige wertvolle Olympia-Regattastrecke nach 50 Jahren einfach aufgegeben wird! Dass dort nie mehr Regatten stattfinden!“ Bürgermeister Böck mag sich das gar nicht ausmalen.

Gemeinde baut Unterstützerkreis auf

Es sei sicher nicht einfach, bei den verschiedenen Zuständigkeiten und der Komplexität der Aufgabe eine Lösung zu finden, aber es sei machbar, und es müsse angegangen werden, erklärt Böck in einer Pressemitteilung. „Wir als Gemeinde sehen uns da in der Verantwortung gegenüber unseren Sportvereinen. Es sind zwölf Vereine, die die Anlage nutzen und brauchen, sowie gegenüber Tourismus, Gastronomie und Hotellerie in der ganzen Region, das Thema bei den zuständigen Stellen anzusprechen. Wir wollen hier auch einen größeren Unterstützerkreis in der Region zur Rettung der Ruderregatta aufbauen.“ Die Gemeinde Oberschleißheim wäre auch bereit, sich bei der Koordinierung mit einzubringen.

Stadt München will nur Minimallösung

Die Stadt München hat die Sanierung der Regattaanlage immer wieder aufgeschoben. In Rede stehende Investitionen wurden Stück für Stück von 61 auf zuletzt 17 und dann sogar nur noch zehn Millionen Euro zusammengestrichen. Dabei hatten auch die Oberschleißheimer schon Ideen entwickelt. Im Februar 2017 präsentierte das Ehepaar Katz im Oberschleißheimer Bauausschuss den Entwurf eines in die Tribüne der Anlage integrierten Hotels. Christine und Casimir Katz sind Bauingenieure. Sie trat zudem als Vorsitzende der Rudergesellschaft München auf. Er sitzt für die FDP im Gemeinderat. Der futuristische Entwurf der Architektin und früheren Gemeinderätin Anke Schuster (SPD) fand Gefallen bei den Fraktionen. Das Ehepaar Katz hatte erklärt, einen Investor an der Hand zu haben. Bis zu sieben Millionen Euro hätte dieser in das Projekt stecken wollen. „Daraus wird jetzt ja wohl nichts“, sagt Katz angesichts der Minimal-Pläne der Stadt.

Wegen Denkmalschutz: Saniert werden muss im Bestand

Immer wieder war in den zurückliegenden Jahren über eine angemessene Nutzung der Ruderregattaanlage philosophiert worden. Surfcenter, Wasserski, Schullandheim, Hotel oder hochwertiges Boarding-Haus. Mit 40 Millionen Euro wurde 2018 kalkuliert. Im Jahr darauf kam man auf 61 Millionen Euro – ohne dass damit schon das Ende der Fahnenstange erreicht sein musste. „Die Hoffnung war groß, dass unser Vorschlag nicht tot ist“, erinnert Katz. Dann kam Corona, und die ungewohnte Großzügigkeit der Landeshauptstadt war Geschichte. 17 Millionen Euro blieben übrig. Zunächst zumindest.

Außer Corona kam der Stadt vor zwei Jahren das Landesamt für Denkmalschutz in die Quere. Seit Oktober geschützt, wäre es der Stadt München nicht möglich, die marode und mit 9500 Sitzplätzen für künftige Wettbewerbe viel zu große Tribüne ganz oder in Teilen abzureißen. „Wir müssen im Bestand sanieren“ heißt es aus dem Sportreferat.

Olympia 1972 holten die Ruderer hier Gold. Knapp 50 Jahre später bröselt die Anlage vor sich hin. Dennoch scharen sich acht Vereine mit mehr als 3000 Mitgliedern um die Regattaanlage. Ganz abgesehen von den ungezählten Sommerfrischlern und Amateursportlern. Dass es erst eines prestigeträchtigen Events wie der European Championships bedarf, die 2022 auf dem Terminplan stehen, um die Stadt München an ihre Verantwortung zu erinnern, gefällt Casimir Katz ganz und gar nicht. Junge Leute haben ihren Spaß beim Stand up Paddling. Der Rundlauf wird von Joggern und Triathleten genutzt. Familien picknicken auf den Wiesen.

Olympisches Erbe

Die Stadt reicht die Verantwortung gern weiter. Sportbürgermeisterin Verena Dietl erinnert Bund und Freistaat an „unser olympisches Erbe.“ Der für Sport zuständige Staatsminister Joachim Herrmann (CSU) hatte Katz seinerzeit wissen lassen, durch etwaige Zuschüsse in Oberschleißheim keinen Präzedenzfall schaffen zu wollen. So bleibt es bei 10 Millionen Euro aus München. Ein Teil des Geldes fließt in temporäre, anschließend rückzubauende Maßnahmen für die Championships 2022. Eine Tribüne für 3000 Zuschauer etwa. Studios für TV-Teams und dergleichen mehr. Für neun Millionen Euro will München bis 2022 unter anderem die dringend sanierungsbedürftigen Stege barrierefrei ausbauen. Priorität genießt der umlaufende Weg, den Inlineskater, Radler, Jogger nutzen. Außerdem sollen es TV-Teams während der Championships bequem haben. Bootshallen, Photovoltaikanlagen, Toiletten und das Jurygebäude werden ebenfalls erneuert.

In die Regattaanlage hingegen wird nach Ansicht von Casimir Katz zu wenig investiert. So bleibt für die Schleißheimer die Hoffnung, dass der aktuelle Vorstoß von Bürgermeister Markus Böck etwas bewegt.

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Bröckelt vor sich hin: die Tribüne der Regattaanlage. 

Rubriklistenbild: © Dieter Michalek

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