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Wie im Hitchcock-Krimi „Die Vögel“: Ein Schwarm Krähen überfliegt die Schafherde der Hoylers auf einem Feld im Oberschleißheimer Ortsteil Hochmutting.

Schäfer in Angst vor der Killer-Krähe

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Familie Hoyler aus Hochmutting fürchtet um das Leben ihrer Lämmchen. Saatkrähen könnten ihr Feind sein.

Oberschleißheim – Saatkrähen sollen die Lämmer der Familie Hoyler in Hochmutting bei Oberschleißheim bedrohen. Neu geborene Tiere würden von den Vögeln regelrecht attackiert. Naturschützer und Behörden gehen von einem Einzelfall aus. Der Vorgang soll untersucht werden.

Es sind fürchterliche Fotos, die Helga Hoyler (78) auf dem Tisch im Wohnzimmer des Familien-Anwesens ausgebreitet hat. Lämmer mit ausgepickten Augen, die offenbar noch leben. Frisch geborene Tiere, denen die Gedärme aus dem After hängen. Fürchterliche Bilder, die Helga Hoyler nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Zwei, die Schafe lieben: Helga Hoyler und ihr Sohn Thomas sorgen sich um ihre  Tiere.

Schon vor Jahren hat sie diese Fotos gemacht. Von einem Einzelfall will die 78-Jährige daher nichts wissen. „Seit langer Zeit führen wir einen Kampf gegen die Krähen.“ Und heuer sind sie wieder da. Schlimmer als je zuvor.

„Wenn ein Schaf lammt, spekulieren die Vögel auf die Nachgeburt“, erzählt die Schafhalterin. Lamm und Muttertier würden daher sofort in die Scheune gebracht. Denn manchmal wollen die Krähen mehr. „Bei Zwillingsgeburten schafft es das Schaf oft nicht, beide Lämmer zu verteidigen.“ Selbst in die Scheune sind die Vögel eingedrungen. Durch die Lüftung. Rabenvögel, zu denen Saatkrähen gehören, sind intelligent.

Davon weiß Helga Hoyler ein Lied zu singen. „Über unsere Carbidkanone lachen die nur.“ Der Lärm der durch die Chemikalie verursachten Explosion verliert ähnlich schnell seine Wirkung wie die Attrappe einer Eule, eines natürlichen Feinds der Vögel oder das Gepoltere leerer Blechdosen. Es gibt sogar Geschichten darüber, dass Krähen sich zusammenrotten, um die extra angeschaffte Katze vom Hof zu jagen.

Saatkrähen sind durch das Gesetz geschützt. Der Sinn der Maßnahme entzieht sich den Hoylers: „Früher war das ein Paradies bei uns, nicht nur für die Schafe.“ Die 78-Jährige erinnert an Fasane, an Rebhühner, Hasen, an Kiebitze. Vor allem Bodenbrüter hätten gegen Krähen keine Chance. „Was soll das bloß für ein Naturschutz sein?“

Hoylers zählen nicht zu den Leuten, die vornweg marschieren, wenn irgendwo der Abschuss eines als Schädling verunglimpften Tieres gefordert wird. Und von der Kampagne gegen den Wolf hält Helga Hoyler schon lange nichts. „Was soll das Geschrei wegen der paar Tiere.“ Alle zwei Jahre bittet die Familie zum Schäferfest, einer Veranstaltung für Leute, die ökologisch produzieren. Sohn Thomas wurde heuer mit dem „Grünen Engel“ für langjähriges, nachhaltiges Engagement im Umweltbereich ausgezeichnet. In diesem Bewusstsein und mit den fürchterlichen Fotos in der Hand wandte Helga Hoyler sich vor 15 Jahren erstmals an die Behörden. Außer der Empfehlung, Fleisch auszulegen, um die Krähen abzulenken, brachte sie, nach eigner Aussage, nichts Verwertbares mit heim.

Für den Abschuss der Vögel bedarf es einer selten erteilten Sondergenehmigung, wie der Leitende Regierungsdirektor, Roland Weid, bestätigt. Dem Chef des Sachgebiets „Natur“ in der Mittleren Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern sind die Hoylers als umweltbewusste Schafhalter ein Begriff. Die Arbeit der Familie werde von der Behörde geschätzt. Dass sich ihre Lage in Hochmutting so dramatisch darstelle, sei ihm nicht bekannt gewesen.

Auch ihm missfällt, dass Kiebitz, Fasan und Hase aus den Landschaften verschwinden. Als Fachmann aber weiß er, dass Hasen ein weit drängenderes Problem als die Saatkrähen haben: Von der Leine gelassene Hunde hetzen Meister Lampe vielfach zu Tode. Bodenbrüter, wie Kiebitz und Fasan, leiden an der industriellen Landwirtschaft: „Keine Deckung, keine Nahrung.“

Dass Krähen Lämmer angreifen, davon habe er bislang nichts gehört, sagt Weid. Kolkraben – ja! „Die sind viel größer, das kann passieren.“ Wo sich die Fälle häufen, da müsse man handeln. Aber Saatkrähen? Weid will den Vorgang untersuchen.

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