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Schildbürgerstreich: Wer kennt den berüchtigten Ort Oberschließheim?

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Von: Andreas Sachse

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Da traut man seinen Augen kaum: Oberschließheim gehört nur kurze Zeit zum Kreis München.
Da traut man seinen Augen kaum: Oberschließheim gehört nur kurze Zeit zum Kreis München. Foto: an © an

Oberschleißheim macht wieder von sich reden. Nachdem im Mai auf einem Hinweisschild zu lesen war, dass die Arbeiten an der Mittenheimer Brücke bis 2028 andauern würden, lud ein Ortsschild dieser Tage zu einem Besuch nach „Oberschließheim“ ein.

Oberschleißheim – Bürgermeister Markus Böck (CSU) ist recht bald auf das orthographische Malheur aufmerksam geworden sind: „Tage und Wochen mussten wir am südlichen Ortseingang ohne Ortsschild auskommen“, textete er Ende vergangener Woche bei Facebook: „Und dann das…“ Schildbürgerstreich sei dafür wohl der richtige Ausdruck, konstatierte Böck. Die Straßenmeisterei sei informiert. Nun gilt es erneut zu warten. Tage und Wochen?

Jetzt ein leerer Rahmen anstelle des Ortsschildes

Hinter der Geschwindigkeitsbegrenzung auf Höhe von Lidl und Aldi reckt sich derweil der leere Rahmen für das Ortsschild in die Höhe. Der Blick hindurch fällt auf den blauen Himmel dahinter. Der korrekt buchstabierte Vorgänger war seinerzeit wohl von Spitzbuben entwendet worden. In die Gegenrichtung am Ausgang der Gemeinde zumindest soll das mit einem roten Balken durchgestrichene Oberschleißheim-Schild zumindest noch an Ort und Stelle stehen. Was die Bürger in der Sammlung aus Schelmen-Streichen erleben, zählt wie Till Eulenspiegel zum deutschen Kulturgut. Um Schilder geht es dabei aber nicht. Der Ort, in dem die Leute leben, heißt schlichtweg Schilda. Umgangssprachlich stehen Schildbürgerstreiche für aberwitzige und irreführende Auswüchse der Bürokratie. Das passt auf „Oberschließheim“, wie auf die Verlängerung der Arbeiten an der Mittenheimer Brücke um fünf Jahre bis August 2028. Auf dem Titelblatt der ältesten bekannten Ausgabe der Schildbürgerstreiche aus Straßburg von 1597 steht in altem Deutsch geschrieben: „Die Buchstaben so zu viel sindt. Nimb auß, wirff hinweg sie geschwindt. Und was dir bleibt, setz rechtzusammen: So hastu deß Authors Namen.“

In ein paar Wochen kommt das richtige Schild

In diesem Fall den Namen der Gemeinde. Böcks Reaktion auf den kleinen Fauxpas der Straßenmeisterei jedenfalls dürfte ihm einiges an Sympathie eingetragen haben. Ein Bürgermeister, der wadlbeißerisch auf Fehler der eigenen Leute aufmerksam macht, das muss nicht sein. Niemand mag einen knorrigen Besserwisser im Rathaus sitzen haben. Sich um das Erscheinungsbild der Gemeinde zu sorgen, wäre in diesem Fall doch unangebracht. Und schließlich: Wer in München, Gilching oder Starnberg hat schon mal von Oberschließheim gehört? Das ist doch mal etwas Neues. In zwei, drei Wochen soll ein Ortseingangsschild mit dann korrigierter Schreibweise stehen.

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