Schleißheim blockiert LMU-Pläne

  • vonAndreas Sachse
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Die LMU möchte in Oberschleißheim Ställe für Kühe und Hühner bauen. Doch das Areal hat die Gemeinde für Gewerbeansiedlungen im Blick. Der Bauausschuss hat das Uni-Vorhaben daher nun blockiert.

Oberschleißheim – Auf einer der wenigen potenziellen Gewerbeflächen in Oberschleißheim will das Lehr- und Versuchsgut der Ludwig Maximilians-Universität (LMU) Ställe für Kühe und Hühner errichten. Dem Vorhaben schob der Bauausschuss zumindest einen ideellen Riegel vor – er verweigerte dem Antrag sein Einvernehmen.

Ob das Veto der Gemeinderäte bestand hat, scheint eher ungewiss. Laut Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW), der inzwischen aus dem Amt ausgeschieden ist, steht der Widerspruch auf tönernen Füßen. Die Gemeinde hat noch keine rechtsgültigen Pläne für ein Gewerbegebiet eingereicht. Die LMU-Pläne hingegen genießen den Status eines privilegierten Vorhabens, sind planungsrechtlich unbedenklich. Die Entscheidung fällt das Landratsamt.

Gewerbeflächen sind rar in Oberschleißheim

Die Krux: Gewerbeflächen sind rar in Oberschleißheim. Abgesehen von dem dereinst für BMW reservierten Gebiet an der Grenze zu Unterschleißheim, stehen der Gemeinde bloß zwei ausreichend große, also wenigstens 15 Hektar umfassende, Flächen zur Verfügung: Besagter Grund auf dem Gelände an der St. Hubertusstraße 12, südlich der Dachauer Straße, nahe Ertl-Siedlung sowie im Süden des geplanten Campus´ der Tierärztlichen Fakultät auf westlich der Sonnenstraße. Weitere Gewerbestandorte kommen aufgrund der Mindestgröße von 15 Hektar nicht in Frage. Erst ab dem Umfang lohnen sich die für Gewerbe notwendigen Investitionen in Infrastruktur, wie Kitas, Supermärkte, Restaurants und Wohnraum.

Im Hinblick auf mögliche Erweiterungspläne der LMU hatte man sich in Schleißheim darauf verständigt, dringend benötigtes Gewerbe im Westen des Campus auf Höhe St. Hubertusstraße anzusiedeln. Die Flächen im Süden an der Sonnenstraße blieben der LMU vorbehalten. Das Gros der Gemeinderäte treibt nun offenbar die Sorge um, Oberschleißheim könnte den womöglich letzten Raum für Gewerbe verlieren. Nicht nur, dass die Universität wohl irgendwann Flächen im Süden für die Tierärztliche Fakultät beanspruchen wird. Jetzt greift sie nach dem Grund an der Dachauer Straße, den sich die Gemeinde eigentlich für ein Gewerbegebiet ausgesucht hatte.

„Das Gebiet ist groß genug“

Oberschleißheims Bauamtsleiterin Christiane Kmoch jedoch ist zuversichtlich, die Anliegen der Gemeinde und der LMU unter einen Hut zu bekommen. „Das Gebiet an der Dachauer Straße ist groß genug“, sagte sie. Bei insgesamt gut 15 Hektar sollte der Platz für beide Parteien reichen.

Die Gemeinde braucht dringend neues Gewerbe. Anstehende Aufgaben wie die Sanierung der Mittenheimer Brücke und des Hallenbads, Investitionen in Schulen und Kitas sind mit dem gegenwärtig arg limitierten Haushalt nicht zu stemmen. Oberschleißheim zählt landkreisweit zu den drei Kommunen mit dem prozentual geringsten Gewerbesteueraufkommen am Haushalt.

Nachdem die Pläne mit BMW gescheitert sind, strebt die Gemeinde in einem künftigen „Gewerbe- und Technologiepark“ einen Branchen-Mix aus leichter Produktion, Forschung und Entwicklung an. Man hofft auf erfolgreiche Start-Ups. Umwelt-Aspekte stehen im Vordergrund. Der Park soll von Schnellbussen erschlossen werden. Car-Sharing-Angebote sollen den motorisierten Verkehr reduzieren.

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