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Das Näh-Bündnis: (v.l.) Deniz Dadli (Planet O), Stefan Stoll (Jugendbegegnungsstätte am Tower) und Brigitte Scholle (VdK Oberschleißheim) haben die Aktion initiiert.

Schleißheim näht: Vereine fertigen Schutzmasken

  • vonAndreas Sachse
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Ein Zusammenschluss aus mehreren Vereinen und Institutionen näht in Schleißheim fleißig Schutzmasken. Die gehen an Alten- und Pflegeheime. Doch es gibt immer wieder Engpässe.

Oberschleißheim – Das Coronavirsu schweißt Oberschleißheim zusammen. Wohlfahrtsverbände, die Jugendfreizeitstätte Planet O, die Feuerwehr und zahllose Einwohner nutzen die durch Ausgangsbeschränkungen erzwungene „Freizeit“, um anderweitig zu helfen. In Wohn- und Arbeitszimmern der Gemeinde nähen sie begehrte Atemschutzmasken. Ein Aktion, die nach der verhängten Maskenpflicht umso wichtiger wird.

Rund um das „Planet O“ hat sich in den zurückliegenden vier Wochen eine Initiative formiert. Mit dem Sozialverband VdK wollte man den Corona-bedingt auferzwungenen Stillstand nutzen, um den Virus zu bekämpfen. Mittlerweile ist die Feuerwehr an Bord, der Leiter der Jugendbegegnungsstätte am Tower, Stefan Stoll, und die Arbeiterwohlfahrt.

„Wo Sie auch hinschauen, überall Engpässe“

Zuerst war die Idee, „älteren oder bedürftigen Mitbürgern in dieser schweren Zeit“ zu helfen, erklärt Planet O-Leiter Deniz Dadli. Dann der öffentliche Aufruf, Material zu spenden, ergänzt VdK-Chefin Brigitte Scholle: „Wo Sie auch hinschauen, überall Engpässe.“ Ob Gummiband, Tuche und Stoffe oder ein Stück simplen Drahts. Wenn überhaupt vorrätig, explodieren die Preise. „Der Meter Gummiband ist mehr als 100 Prozent teurer.“ Dadli schüttelt den Kopf. „Also wandten wir uns an die Öffentlichkeit.“

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Die Reaktion der Mitmenschen lässt VdK-Sprecherin Scholle noch immer fassungslos dreinschauen: „Die Leute brachten uns Stoffe, Bettlaken – alles was wir brauchten.“ Planet O-Mitarbeiter begannen die Initiative zu organisieren. „Der eine konnte nähen, ein anderer besaß eine Nähmaschine.“ Seitdem ist Scholle, als würde „halb Oberschleißheim Schutzmasken nähen“.

Für jeden was dabei: Die selbst genähten Masten haben verschiedene Motive.

In etwa zeitgleich trachtete die Schleißheimer Feuerwehr nach sinnvoller Beschäftigung. Kommandant Wolfgang Schnell war ebenfalls daran gelegen, dem Mangel an Schutzmasken abzuhelfen. „Wir hörten, wie Staatsminister Hubert Aiwanger ganze Rollen Vlies in den Landkreisen verteilte.“ Feuerwehr-Frauen spendeten Baumwollstoffe. Seitdem nähen zehn bis 15 Feuerwehr-Leute jeden Samstag in der Wache Schutzmasken. „Jeder weiß, was er zu tun hat.“ Die Familien sind eingespannt.

Etwa 350 Masken wurden bisher an den Alten- und Pflegeverein, Landesfeuerwehrverband, Bauhof und Hit-Markt verteilt. Inzwischen liefert die Feuerwehr direkt ans Planet O. Die Jugendfreizeitstätte habe sich als Verteiler etabliert. „Es macht Sinn, die Masken zentral zu vergeben.“

Schleißheim rückt zusammen

Draußen im Heiner Janik-Haus, der Jugendbegegnungsstätte am Tower, schneidet der Leiter der Einrichtung, Stefan Stoll, Stoffe für Schutzmasken zu. Wie das Planet O ist die Jugendbegegnungsstätte Teil des Kreisjugendrings. Die Arbeiterwohlfahrt ist ebenfalls mit von der Partie. Laut Brigitte Scholle steuert der Wohlfahrtsverband Desinfektionsmittel bei.

Deniz Dadli meint beobachtet zu haben, wie die Menschen in der Krise „eine ganz neue Art von Wertschätzung entwickelten“. Derlei Erkenntnisse bereiten dem Planet O-Leiter Freude: „In solchen Zeiten ist es wichtig, zusammen zu rücken.“

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