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Publikumsmagnet: Die historischen Gespanne zogen Jahr für Jahr viele Besucher in den Schlosspark.

Organisator äußert sich

Beliebter Veranstaltung im Schlosspark droht das Aus: Das sind die Hintergründe

  • vonAndreas Sachse
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Die Reiter- und Kutschengala im Schlosspark Schleißheim fällt heuer aus. Wie es in den nächsten Jahren weitergeht, ist unklar. Der Veranstaltung droht das Aus. Das steckt dahinter.

Oberschleißheim – Die „Historische Reiter- und Kutschengala“, die normalerweise an diesem Sonntag stattgefunden hätte, fällt heuer aus. Nach elf Jahren barocken Spektakels im Schleißheimer Schlosspark geht dem Veranstalter offenbar das Geld aus. Der für die Kutschen-Parade verantwortliche Günter Ortner fällt zudem gesundheitlich aus.

Regelmäßige Teilnehmer wie die „Barocke Gruppe“ der „Freunde von Schleißheim“ standen bereits in den Startlöchern. Der morgige Sonntag hätte im Schlosspark Kurfürst Max Emanuel und der Epoche des ausgehenden Mittelalters gehören sollen: Schmucke Gardeoffiziere, gepuderte Kürassiere und edle Damen mit turmhoch aufgesteckten Perücken, lanzenbewehrte Ulanen. Sie alle werden dem Publikum, das mit den Jahren immer größere Entfernungen in Kauf nahm, um Zeuge der barocken Show mit Kutschen-Parade, Gondelregatta und Seeschlachten auf dem Mittelkanal, mit Dressurreiten, Feuerwerk, Pulverdampf, berittenen Jagden und Kanonendonner zu sein.

Reiter- und Kutschengala: „Schwierigkeiten mit dem Geld“

Auf seiner Homepage bedauert der Veranstalter, der „Bayerische Reit- und Fahrverband“, das diesjährige Malheur, bittet das Publikum zur 12. Gala am ersten Septembersonntag kommenden Jahres: „Wir freuen uns auf eine Neuauflage 2020.“

Tatsächlich scheint die „Historische Reiter- und Kutschengala“ auf Dauer gefährdet. Dieter Rügemer (79), im Verbandsvorstand für Pferdesport zuständig, hält sich zunächst zurück, als er über „gewisse Schwierigkeiten mit Geld“ spricht. Rügemer, der demnächst 80 wird und die Gala vom ersten Tag an organisiert, scheint mit seinem Latein am Ende. „Die Sponsoren sind mehr als zugeknöpft“, lässt er den Münchner Merkur schließlich wissen.

Reiter- und Kutschengala: Der Organisator hört nach elf Jahren aus

Ob die Gala 2020 nachgeholt wird, steht in den Sternen. „Bei Defiziten gerate ich unter Beschuss“, sagte Rügemer: „Es wird immer schwerer, Sponsoren zu finden.“ Das sich abzeichnende Defizit sei vom Verband nicht auszugleichen. Derlei Unwägbarkeiten will sich Rügemer nicht mehr aussetzen. „Ich höre definitiv auf.“

Hinzu kommt, dass auch bei Rügemer, den man auf der Gala noch im Vorjahr nie und nimmer auf 70 geschätzt hätte, das Alter seinen Tribut fordert. Gerade kuriert er einen Herzinfarkt aus. Nachdem schon der für die Kutschen-Parade unverzichtbare Günter Ortner wegen einer Operation für wenigstens dieses Jahr ausfällt, verliert der Veranstalter in Rügemer eine weitere unersetzbare Persönlichkeit.

Reiter- und Kutschengala: Anspruchsvolles Anforderungsprofil für Nachfolger

Der 79-Jährige hofft auf einen Nachfolger: „Einen Jüngeren mit starken Nerven und viel Kraft.“ Sonderlich zuversichtlich klingt er nicht. Sein Nachfolger müsste aus der Branche sein. „Du musst Connections haben, um interessante Leute für ein gutes Programm zu gewinnen.“ Ein wenig sollte man auch vom Fach verstehen. Von Menschen, Kutschen und von Pferden. So bleibt für die Suche nach einem Nachfolger eigentlich nur der Verband. Da tue sich bisher aber nichts.

Rügemers Entschluss aber steht. Auf einen weiteren Herzinfarkt kann er schon seiner Frau wegen verzichten. Ingeborg reitet selbst für ihr Leben gern. Von daher bringt sie mehr Verständnis auf, als manch andere in ihrer Lage. „Sie setzt mir trotzdem die Pistole auf die Brust.“

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Rügemer bedauert zutiefst, dass die „Reiter- und Kutschengala“ in Oberschleißheim offenkundig in der Krise steckt. „Wir haben das alles für den Pferdesport getan, fürs Publikum.“ Der Eintritt war stets frei. „Ums Geld ging es uns nicht“, betont Organisator Rügemer. Jahr um Jahr habe die Gala mehr Publikum in den Schlosspark gelockt. „Für die Leute tut es mir richtig leid.“

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