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Unscheinbar: Das Tierkrematorium am Bruckmannring hat inzwischen auf. Seit 2014 liefen die Planungen.

In aller Totenstille

Umstrittenes Tierkrematorium eröffnet - und keiner scheint‘s bemerkt zu haben

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Die Pläne waren umstritten, nun hat das Tierkrematorium in Oberschleißheim eröffnet. Und trotz Bedenken scheint es niemand so wirklich gemerkt zu haben.

Oberschleißheim – Die Vorgeschichte war von lauten Nebengeräuschen begleitet, der Auftakt umso leiser: In aller Stille hat das in Oberschleißheim umstrittene Tierkrematorium Ende April am Bruckmannring eröffnet. Erst im Vormonat war den Betreibern die immissionsschutzrechtliche Betriebserlaubnis und die veterinärrechtliche Zulassung gewährt worden.

Von der ersten Minute an, seit 2014, stand die Regierung von Oberbayern hinter dem Anliegen einer Tierbestatterin aus Miesbach, in Oberschleißheim ein Tierkrematorium für Klein- und Haustiere zu betreiben. Kritiker spekulierten darüber, dass der bevorstehende Umzug der tiermedizinischen Fakultät der LMU nach Oberschleißheim und die Nähe des Lehr- und Versuchsguts die tatsächliche Motivation der Betreiber waren. Die Bedenken aus der Gemeinde verhallten. Der Bezirk und genehmigte den Betrieb der Anlage im Norden Oberschleißheims.

Tierkrematorium in Oberschleißheim: Behörden-Marathon nahm kein Ende

Ein neuer Verbrennungsofen und das nötige Genehmigungsverfahren verzögerten die Inbetriebnahme jedoch. Im Sommer 2016 beklagte der Geschäftsführer der „Tierkrematorium im Münchner Norden-Oberschleißheim GmbH“, Klaus Göck, einen Marathonlauf durch die Behörden. Landesumweltamt bis Wasserwirtschaft, Lärm-, Brand- oder Naturschutz – mehr als ein Dutzend Abteilungen in unterschiedlichen Ämtern seien involviert. „Wer nur entfernt mit uns zu tun hat, will beteiligt sein“, seufzte Göck: „Da könnten Sie wahnsinnig werden.“ 

 Der Oberschleißheimer Gemeinderat hatte sich erbittert gegen das im April 2014 beantragte Tierkrematorium gewehrt. Außer schlechtem Karma einer Verbrennungsanlage für niedliche Mietzekatzen warnten die Oberschleißheimer vor übel riechenden, gesundheitsschädlichen Dämpfen. Anlieger des Tierkrematoriums fürchteten um ihre Grundstücke, prophezeiten Wertverlust. Unterschriftenlisten machten die Runde. Von einer „Tierbeseitigungsanlage“ war die Rede. Gemeinderat Peter Benthues (CSU) dachte über ein Bürgerbegehren nach. 

Dieser Tage meldete Göck Vollzug: „Wie Sie sehen, haben wir nicht aufgegeben.“ Mit hohem Einsatz sei das wichtige Ziel endlich geschafft, teilte er auf Anfrage mit. Göck ließ es sich nicht nehmen, in ein, zwei Sätzen auf den in dieser Härte offenbar kaum erwarteten Widerstand aus der Gemeinde einzugehen: Der geregelte Betrieb sei im April aufgenommen worden. „Wahrscheinlich hat kein Oberschleißheimer etwas davon gemerkt. Umso besser“, sagt Göck. Abschließend stellt sich für ihn dann doch die Frage, „ob das überhaupt jemanden interessiert hätte“.

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