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Vertrauensperson: Wolf-Dietrich Großer war für die Liberalen ein wichtiger Gesprächspartner und vielen ein Vorbild.

Nachruf

Trauer um FDP-Urgestein Wolf-Dietrich Großer

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Oberschleißheim - Er stand mit Freien Demokraten in ganz Deutschland in Kontakt, war mit Hildegard Hamm-Brücher, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Gerhart Baum oder Burkhard Hirsch befreundet. Nicht nur die FDP trauert um Wolf-Dietrich Großer.

Wolf-Dietrich Großer, Jahrgang 1927, nahm bis zuletzt regen Anteil am politischen Geschehen. Er kommunizierte viel mit Telefon, Handy, per E-Mail, aber am liebsten persönlich. Einmal pro Woche fuhr er mit dem Auto von Großhadern, wo er seit 2010 im Wohnstift Augustinum lebte, in seine alte Heimat Oberschleißheim, wo er noch Schatzmeister des FDP-Ortsverbands war.

Ein Mann von fester Überzeugung

Aber vor allem im Landkreis hat er mit seiner unerschütterlichen Überzeugung für sozialliberale Positionen den jüngeren Kollegen den Rücken gestärkt, auch in Zeiten, in denen die FDP an Bedeutung verloren hatte. „Die FDP war nie eine Volkspartei“, sagte er einmal im Interview mit dem Münchner Merkur, „liberale Gedanken und Erfahrungen sind aber immer wertvoll.“ Sein politisches Gedankenfundament fand Großer in den Freiburger Thesen, an denen er 1971 mitarbeitete und die die Liberalen als Richtschnur verabschiedeten.

„Er war ein unglaubliches Vorbild für den Nachwuchs“, sagt Tobias Thalhammer aus Neubiberg, der selbst eine Wahlperiode im bayerischen Landtag liberale Umweltpolitik vertrat. „Er war ein aufmerksamer Zuhörer und eine Vertrauensperson, bei der man sich Rat holen konnte.“ Mehrmals erlebte Thalhammer, wie Großer sich einmischte, wenn in einer Diskussion, ob in einem Ortsverband oder bei einem Parteitag, ein wichtiger Aspekt verkannt wurde. „Er schaltete sich wie aus dem Nichts ein und lenkte die Debatte in eine völlig andere Richtung. Er konnte hart argumentieren, war aber dabei unglaublich charmant und nie verletzend.“

Unglaubliches Vorbild

Wie er selbst, standen viele FDP-Politiker in engem Kontakt zu Großer, besuchten ihn regelmäßig in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung im achten Stock des Wohnstifts, von dem er wie aus einem Adlerhorst über die Dächer Münchens blickte. Dort servierte er seinen Besuchern Kaffee und Kekse und verstand sich gut mit seinem Nachbarn, dem Münchner Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und dessen Frau Liselotte.

Großer wuchs als Sohn eines Försters in Oberschlesien auf. Um eine Einberufung bei der Waffen-SS zu umgehen, meldete er sich mit 17 Jahren freiwillig bei der Kriegsmarine und war als Offizieranwärter drei Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Nach einer Gärtnerlehre studierte er Gartenbau in Weihenstephan und war elf Jahre Vorstand der Schlösserverwaltung in Schloss Schleißheim.

Unterschriften für Volksentscheid

In Oberschleißheim begann sein politisches Engagement mit einem Protest: Weil seine Kinder in die weit entfernte evangelische Grundschule gehen sollten, sammelte Großer Unterschriften und diskutierte das Thema, bei dem ihn auch Hildegard Hamm-Brücher unterstützte, bis hin zum Volksentscheid, der die konfessionsgemischten Klassen in Bayern durchsetzte.

Als die FDP 1966 aus dem Landtag flog und die NPD einzog, war das für Wolf-Dietrich Großer der Auslöser. Er wollte mehr tun als wählen, er engagierte sich und trat mit 39 Jahren als dreifacher Vater in den Oberschleißheimer FDP-Ortsverband ein, wurde Gemeinderat und Zweiter Bürgermeister. Schließlich kandidierte er für den Landtag und hatte von 1974 bis 1982 ein Landtagsmandat. Nach zwei Perioden scheiterte eine weitere Kandidatur. Großer arbeitete daraufhin als Oberamtsrat im Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen. 1990 zog er nochmals für eine Legislaturperiode in den Landtag ein. Er setzte sich dafür ein, dass der Geigelstein nicht als Skigebiet erschlossen wurde und dass die Schutzwälder rund um München nicht von Stromtrassen durchschnitten wurden, für diese Ziele leistete Großer Sisyphosarbeit bei der Suche nach Mehrheiten im Parlament.

1963 nach Oberschleißheim gezogen

1963 war er mit seiner Frau Hannelore nach Oberschleißheim gezogen und lebte dort bis 2010 in einem Reihenhaus. Als seine Frau erkrankte, widmete er sich ganz ihrer Pflege bis zu ihrem Tod 2007. „Er wollte ihr die Unterstützung zurückgeben, die sie ihm so lange gegeben hatte“, erzählt Kreisrat Jörg Scholle aus Gräfelfing, „er war ein absolut zuverlässiger Mensch“.

Mitte Oktober würdigte die FDP München-Land ihren Ehrenvorsitzenden für 50 Jahre FDP-Mitgliedschaft. Das war Wolf-Dietrich Großers letzter öffentlicher Auftritt, bei dem er erstmals von Krankheit gezeichnet im Rollstuhl saß.

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