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Noch vierspurig: Die A 92 in Höhe Riedmoos in Richtung Unterschleißheim. 

Paradox

Trotz Ausbau auf sechs Spuren: weniger Lärm von der A92

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Es ist schon ein wenig absurd: Die A92 wird von vier auf sechs Spuren ausgebaut, aber für die Anwohner wird es leiser. Besserer Lärmschutz soll es richten.

Unterschleißheim –  Dass die A 92 von vier auf sechs Spuren verbreitert wird, eröffnet die Chance auf besseren Lärmschutz im Vergleich zur jetzigen Situation. Vom 16. Juni bis 16. Juli wird die zweite Tektur des Planfeststellungsverfahrens ausgelegt. Coronabedingt können die Bürger im Internet Einsicht nehmen, vereinzelt können sich Bürger auch einen Termin in den Rathäusern Unter- und Oberschleißheim für die Einsicht vor Ort gegeben lassen.

Anwohner leiden unter dem Lärm

Die Menschen leiden unter dem Lärm des immer größeren Verkehrsaufkommens. Die Lärmschutzwände haben sich abgesenkt und wirken längst nicht mehr ausreichend. Seit 2015 läuft das Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der A 92, der paradoxerweise Linderung bringen wird. Die Autobahndirektion hat zugesagt, einen lärmmindernden Asphalt von München bis Eching-Ost aufzutragen und neue Lärmschutzwände zu bauen. In der Stadt Unterschleißheim werden diese Schutzwände an der Siedlung „Am Weiher“ wohl bis zu neun Meter hoch, entlang des Gewerbegebiets wird die Höhe sechs Meter, am Inhauser Moos sieben und in Riedmoos 9,50 Meter erreichen. Das wird eine Verbesserung bringen.

Verschiedene Auffassungen zu Riedmoos

Strittig ist aber noch, wie mit Riedmoos verfahren wird. Die Lärmgrenzwerte, die für ein Wohngebiet gelten, werden in Riedmoos überschritten, während die Grenzwert für ein Mischgebiet eingehalten werden. Die Stadt und ihr Rechtsanwalt kritisieren jedoch, dass die Autobahndirektion die Siedlung in Riedmoos planungsrechtlich als Dorfgebiet mit Mischnutzung einstuft, was zu geringerem Lärmschutz verpflichtet.

Stadt hat Riedmoos längst zum Wohngebiet deklariert

Dabei hat die Stadt den Ortsteil im Bebauungsplan inzwischen zum Wohngebiet deklariert. Mit dieser Änderung war die Stadt der Aufforderung des Landratsamtes nachgekommen, das einforderte, der Bebauungsplan sollte die tatsächliche Nutzung widerspiegeln. Diese Änderung hatte die Stadt vollzogen, als das Planfeststellungsverfahren schon angelaufen war, deswegen behandelt die Autobahndirektion die Siedlung weiterhin als Mischgebiet.

Voller Lärmschutz nur für ein Haus im Inhauser Moos

Der Regierung von Oberbayern liegen nun zwei Auffassungen vor: Die Stadt hat Riedmoos zum Wohngebiet erklärt, aber die Autobahndirektion geht weiter davon aus, dass der Ortsteil noch ein Dorf- oder Mischgebiet ist, wo höhere Lärmgrenzwerte gelten. Jetzt liegt es bei der Regierung von Oberbayern diese Positionen zu beurteilen. Sobald die Regierung, die das Verfahren auf Antrag der Autobahndirektion durchführt, einen Planfeststellungsbeschluss gefasst hat, wird man sehen, ob die Autobahndirektion in Riedmoos eventuell doch für stark betroffene Häuser den hundertprozentigen Lärmschutz gewährleisten muss. Bisher will die Autobahndirektion den Eigentümern von vier Gebäuden in Riedmoos und acht Häusern in Hollern Nord 75 Prozent der Kosten für Lärmschutzfenster, Lüfter und Dämmung von Rollladenkästen oder Wänden erstatten.

Pendlerparkplatz für Fahrgemeinschaften

Den vollen Lärmschutz gewährt die Autobahndirektion an einem einzigen Haus. Es liegt im Inhauser Moos an der Moosachstraße, wo sich B 13 und A 92 kreuzen und ist am stärksten betroffen. Im Zuge des Autobahnumbaus wird auch ein Pendlerparkplatz für Pkw entstehen. Damit schließt Unterschleißheim eine Lücke, denn solch einen Treffpunkt für Fahrgemeinschaften gibt es zwischen München und Dachau bisher nicht. Damit ein breiter Fuß- und Radweg auf den Brücken entstehen kann, die am Furtweg und an der Birkhahnstraße über die A 92 führen, will sich die Stadt an den Baukosten beteiligen. Der Bauausschuss hatte im Oktober zugestimmt, dass die Stadt den Anteil der Baukosten zahlt, die bei einer Verbreiterung der Brücken von 2,50 auf vier Meter anfallen. Nun wird Bürgermeister Christoph Böck (SPD) einen Vertrag mit der Autobahndirektion aushandeln.

Auslegung der Pläne

Die Pläne zur zweiten Tektur werden vom 16. Juni bis 16. Juliim Internet veröffentlicht, was coronabedingt die Auslegung ersetzt. Wer nicht über einen Internetzugang verfügt, kann bei der Stadt Unterschleißheim einen Termin vereinbaren (Tel. 089/ 31009-0 oder per Mail an termin@ush.bayern.de )und sich – unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen – die Pläne vor Ort im Rathausfoyer ansehen und auch Fotos machen.

Die öffentliche Auslegung der Planunterlagen im Planfeststellungsverfahren „A 92 Sechsstreifiger Ausbau“ findet auch in Oberschleißheim im Rathaus statt. Für eine Einsichtnahme online unter www.oberschleissheim.de oder telefonisch – 089/31 56 13-0 – einen Termin vereinbaren. Die Pläne sind auch online einsehbar.

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