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Die Bundespolizei-Hubschrauber sind in Oberschleißheim stationiert. Die Landespolizei soll auch dorthin ziehen.

Umzug der Hubschrauberstaffel nach Oberschleißheim

Große Zweifel am Lärmgutachten

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Die Gemeinde hegt Hoffnungen: Beim Erörterungstermin zur Verlegung der Polizeihubschrauberstaffel nach Oberschleißheim hat ihr Anwalt das Lärmgutachten zerlegt. Muss ein neues Gutachten erstellt werden, ist das ein weiterer Teilerfolg.

Oberschleißheim – Nur etwa 30 Bürger kamen gestern zur ganztägigen Anhörung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens ins Bürgerhaus Oberschleißheim. Doch im Vorfeld wurden 314 Einwendungen und 587 Unterschriften gegen den geplanten Umzug der Hubschrauber eingereicht. „Es sind nicht nur ein bis zwei dagegen“, eröffnete Verhandlungsleiter Ulrich Ehinger von der Regierung von Oberbayern den Termin, „sondern viele“.

Die Hubschrauberstaffel der Landespolizei ist bisher am Flughafen München stationiert. Der geplante Umzug mit mehreren Helikoptern nach Oberschleißheim auf das Gelände der Bundespolizei, die bereits 16 Helikopter nutzt, verärgert die Oberschleißheimer, die jetzt schon unter der Lärmbelastung stöhnen (wir berichteten). Die Ausweitung der Flüge von 2500 auf 6000 pro Jahr lehnt die Gemeinde ab un

d hat vor dem Verwaltungsgericht die Durchführung des Planfeststellungsverfahrens erstritten.

Gestern war es so weit: Die Bürger konnten ihre Kritik darlegen. In einem spannenden Frage-Antwort-Spiel deckte Rechtsanwalt Michael Hofmann, der die Gemeinde Oberschleißheim vertritt, mehrere Diskrepanzen im Lärmgutachten auf, die die Gegenseite nicht ausräumen konnte.

Roland Kerscher vom bayerischen Innenministerium sagte zuvor, dass die Verlegung Synergieeffekte bringe und Kosten spare. Joachim Walzik, Leiter der bayerischen Hubschrauberstaffel, erklärte, dass die Suche nach Vermissten und die Fahndung nach Straftätern die Hauptaufgabe der Staffel sei. „80 bis 100 Leute finden wir pro Jahr.“ Die Staffel ist zudem mit dem modernen Helikopter EC 135 P3 ausgestattet, dem „leisesten“ Modell dieser Hubschrauber-Klasse.

TÜV-Experte setzt Anteil der Nachtflüge zu gering an

„Wir zweifeln nicht die Arbeit der Polizei an, dafür sind wir dankbar“, schickte Bürgermeister Kuchlbauer voraus. „Aber die Bürger sind schon jetzt durch den Lärm der Bundespolizei erheblich belästigt.“ Bei Übungen der Bundespolizei, vor allem im stehenden Flug und wenn die Motoren warmlaufen, erreichen die Schallwellen die Wohngebiete und den Schlosspark. „Die Fenster zittern, die Mauern vibrieren“, sagt Gabriele Kämpf, die nahe des Flugplatzes wohnt. Dazu kommen die Nachtflüge.

Hier offenbarte Rechtsanwalt Hofmann einen erheblichen Mangel des vom TÜV erstellten Lärmgutachtens: Das Gutachten legt einen Anteil der Nachtflüge von 15 Prozent zugrunde. Diese Angabe deckt sich jedoch nicht mit den Einsatzzahlen der Vorjahre: Bisher flogen die Hubschrauber der Landespolizei gut 20 Prozent der Einsätze nachts. „Das entspricht sechs Flügen pro Nacht“, sagte Hofmann und folgerte: „Der Nachtfluganteil ist im Gutachten zu knapp angesetzt worden.“ Die Nachtruhe sei ein wichtiger Aspekt beim Gesundheitsschutz.

Ein weiterer Angriffspunkt sind die Flugrouten: Ein Experte zeigte im Auftrag des Anwalts auf, dass die Schneisen, die zwischen Oberschleißheim, Feldmoching und Hasenbergl festgelegt sind, schon bisher nicht eingehalten werden.

Hubschrauberstaffel-Leiter Walzik entgegnete: „Wir halten uns daran. In 15 Jahren habe ich keine Beschwerde aus Hallbergmoos auf den Schreibtisch bekommen, weil wir nicht über Hallbergmoos fliegen.“

Ein weiterer Punkt: Bisher bestreiten die Piloten der Landespolizei ihre Übungs- und Ausbildungsflüge nicht am Flughafen München, sondern andernorts. Weil derartige Übungsflüge in der Statistik, die dem Lärmgutachten zugrunde liegt, fehlen, forderte Hofmann, dass Übungsflüge am Standort Oberschleißheim verboten werden. „Oder aber sie werden in die Lärmprognose eingerechnet.“

Ein bitteres Auflachen war im Saal zu hören, als der Anwalt ein Fachgutachten zitierte, in dem für den Standort Oberschleißheim geworben wurde, weil an anderen Standorten wie Oberpfaffenhofen mit Bürgerprotesten zu rechnen sei. „Da kommt man sich als Gemeinde Oberschleißheim verhohnepipelt vor“, sagte Hofmann.

Bürgermeister Kuchlbauer zog das Fazit: „Erst sollte kein Planfeststellungsverfahren gemacht werden, jetzt stimmen die Eingabedaten nicht. Da fragt man sich schon: Ist das übersehen worden, oder will man die Gemeinde vor vollendete Tatsachen stellen, die wir im Nachhinein akzeptieren sollen?“

Die Regierung von Oberbayern wird nun im nächsten Schritt alle Eingaben prüfen und im Laufe dieses Jahres eine Entscheidung treffen: „Tatsache ist“, sagte Verhandlungsleiter Ehinger: „Wir gehen mit einem konkreten Prüfauftrag aus dem Termin.“

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