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Entscheidungen zu treffen, fällt vielen Fahrschülern heutzutage schwer, sagt Fahrlehrer Thomas Vielhuber.

Fahrlehrer berichten

„Gestresst und überbehütet“: Darum vermasseln immer mehr Jugendliche die Führerscheinprüfung

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Immer mehr Fahranfänger rasseln in Bayern durch die Führerscheinprüfung. Auch im Landkreis machen die Fahrlehrer diese Erfahrung und erklären, woran das liegen könnte. 

Landkreis – Fahrlehrer Thomas Vielhuber (50) von der gleichnamigen Fahrschule aus Oberschleißheim glaubt, dass den Jugendlichen die Motivation fehle: „Heute will keiner mehr ein eigenes Auto haben, die werden ja überall hingefahren.“ Das Eltern-Taxi fänden viele Heranwachsende praktischer, sagt er.

Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg zeigen: Im vergangenen Jahr flogen 25,4 Prozent durch die erste praktische Prüfung, an der Theorie-Prüfung scheiterten 35,9 Prozent – diese Quote stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent. Insgesamt gab es 5,6 Prozent mehr theoretische und 1,9 mehr praktische Prüfungen.

Doch woran liegt das? Durchzufallen sei für die meisten heute nicht so schlimm, sagt Vielhuber, er ist seit 23 Jahren in seinem Job: „Den Führerschein sponsern ja meistens eh Mama und Papa oder die Großeltern.“ Außerdem seien die heutigen Fahranfänger „einfach überbehütet“ aufgewachsen: „Da rufen die Eltern an, wenn ihre Kinder eine Fahrstunde machen sollen.“ Deshalb tun sich die Prüflinge im Auto auch schwer, Entscheidungen vor der Ampel oder an der Kreuzung zu treffen und rasseln durch die Prüfung: „Heute halten die jungen Leute den nervlichen Stress nicht mehr so aus“, aber: „Das ist kein Vorwurf an sie“ – eher an die Eltern.

Es reicht nicht mehr, stumpf die Fragen auswendig zu lernen

Für Eltern ist der Führerschein des Schützlings meist eine teure Sache, sagt Fahrschullehrerin Petra Schilling-Fankhänel (38) von der Fahrschule Eberl aus Unterschleißheim: Zwischen 2000 und 2500 Euro blättern die meisten hin. Pro praktischer Prüfung berechnet Schilling-Fankhänel rund 300 Euro und pro Theorieprüfung sind es rund 110 Euro. Und letztere werde immer schwieriger: „Da reicht es heute nicht mehr, die Fragen stumpf auswendig zu lernen.“ Denn in der Prüfung am Computerbildschirm gebe es auch Fragen zur Vorfahrt und die werden spontan vom Computer-Programm simuliert.

Zudem hätten die Jugendlichen heute mehr Stress, vor allem am Gymnasium: „Die haben so viel Druck und sind bis mindestens 17 Uhr mit Unterricht und Hausaufgaben eingespannt“ – viel Zeit fürs Theoriebüffeln bleibe da nicht.

Immer mehr Verkehr auf den Straßen

Bei der Praxisprüfung hätten vor allem viele ausländische Fahrschüler Probleme, sie wollen ihren Führerschein nur umschreiben, aber können noch nicht perfekt Deutsch: „Die haben dann Angst, dass sie den Prüfer falsch verstehen, werden nervös“ und fallen durch. Außerdem steigt das Verkehrsaufkommen überall auf den Straßen: „Als ich 2003 hier angefangen habe, war gefühlt die Hälfte los“, sagt Schilling-Fankhänel. Und mehr Verkehr bedeute eben auch mehr Fehlerquellen. Ein weiterer Stressfaktor: Heute seien andere Verkehrsteilnehmer gehetzt und setzen die Prüflinge unter Druck, sagt Schilling-Fankhänel: „Wenn der Fahrschüler nicht in 20 Sekunden aus der Parklücke draußen ist, dann wird gleich gehupt.“

Fahrschullehrer Udo Wagner (55) von der „Follow Me Fahrschule“ in Unterhaching, ist seit fast 30 Jahren in seinem Job und sagt: „Für die Theorieprüfung wird manchmal einfach zu wenig gelernt.“ Man müsse weiter nach den Gründen forschen, sagt Wagner, denn: „Als Fahrschullehrer macht es ja auch mehr Spaß, einem Fahrschüler zu gratulieren, als ihn trösten zu müssen.“

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