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Sechs, die sich was einfallen haben lassen: Die Internet-Initiative „Fürn Spezl“ kommt im Landkreis-Norden gut an. Geld verdienen wollen die Initiatoren damit nicht (von oben nach unten: Oscar Franz, Julia Höll, Jasmin Preißer, Matteo Wohlrapp, Tobias Wothge, Jannik Obenhoff. 

In der Coronakrise

Unterschleißheimer „Spezlwirtschaft“: Hilfe für kleine Unternehmen in der Krise

  • vonAndreas Sachse
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Mit einer erfrischend unkomplizierten Initiative bieten sechs junge Unterschleißheimer dem Corona-Virus die Stirn. „Fürn Spezl“ hilft kriselnden Betrieben über die Runden zu kommen.

Unterschleißheim – Ende März als spontane Hilfe für einen befreundeten Mittelständler konzipiert, wird „Fürn Spezl“ mittlerweile von 25 Unternehmen genutzt. Über die gleichnamige Website können krisengeschädigte Betriebe Produkte und Dienstleistungen online bewerben oder auch Geschenkgutscheine verkaufen. Das Angebot richtet sich an Kleinst- und mittelständische Unternehmen, an Restaurants, Handwerksbetriebe und Geschäfte aus der Region.

Der Sprecher der Initiatoren, Oscar Franz (20), erinnert an die Anfänge des Projekts vor kaum drei Wochen, als die ehemaligen Schüler des Carl Orff-Gymnasiums von der Not eines guten Freundes erfuhren. Seit 70 Jahren unterhält dessen Familie einen Betrieb für Lederwaren. Nun drohte das Aus. „So erfuhren wir aus erster Hand, was Corona für Schaden anrichtet.“ Die Freunde aus dem Abi-Jahrgang 2018 überlegten nicht lange, wollten helfen. „Fürn Spezl“ war geboren.

In den sozialen Netzwerken sorgt die Idee für Furore

Die Idee kam auf Anhieb an. In den sozialen Netzwerken rumorte es. „Die Resonanz war unerwartet groß“, sagt Franz, der in Bayreuth Philosophie und Volkswirtschaft studiert. Die sechs Freunde – fünf Studenten und ein Fotograf im Alter zwischen 19 und 20 Jahren – beschlossen, die Website für notleidende Betriebe aus der Region zu öffnen. „Es war uns wichtig, in der Krise ein Zeichen zu setzen.“ Die Initiative zündete. Ob Einzelhandel, Gastronom, Sportgeschäfte, Mode, Gärtnereien oder Buchhändler. Als würden Ertrinkende nach dem letzten Rettungsanker greifen. Kleinst- und Mittelständler aller Couleur wollten mit an Bord. Für Oscar Franz ein deutlicher Hinweis auf die Bürden, die das Coronavirus dem Mittelstand auferlegt. Kaum ein Betrieb verfügt über genügend Rücklagen, um Krisen dieser Art auszusitzen. 

Ein Netzwerk für den Münchner Norden

Der Initiative „Fürn Spezl“ gehören bisher ausschließlich Firmen aus Oberschleißheim und Unterschleißheim an. Regionale Verbundenheit soll die Betriebe zu einem Netzwerk verbinden, einer „funktionierenden Community“, so Franz, getragen von dem Bewusstsein der Menschen in der Region, „ortsansässige Betriebe und Geschäfte zu unterstützen.“ 25 Unternehmen mischen bisher mit. „Mit doppelt so vielen stehen wir in Kontakt.“ Täglich kommen mehr hinzu. Franz berichtet von Gesprächen mit der Stadt Unterschleißheim und dem Landratsamt. Besonders dem Landrat würde es gefallen, das Angebot weiten Teilen des Landkreises München zugänglich zu machen. Franz bestätigt Kontakte zu Firmen in Ismaning und Haimhausen. Noch größer soll „Fürn Spezl“ aber nicht werden. „Wir wollen eine lokale Initiative im Norden bleiben.“ Die Initiatoren fürchten, sonst irgendwann den Draht zu ihrer Initiative zu verlieren.

„Fürn Spezl“ ist gratis und soll es weiterhin bleiben. Fragen nach einer kommerziellen Nutzung der Website stellt Franz ein klares Nein gegenüber. Die sechs Schleißheimer, vier junge Männer und zwei Frauen, verschwenden anscheinend keinen Gedanken daran, mit der Website Geld zu verdienen, ihre Initiative als Startup zu versilbern. „So weit voraus denken wir noch nicht.“

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