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Nichts als ein Haufen Schutt ist geblieben vom Bahnwärterhäuschen im Oberschleißheimer Ortsteil Mittenheim.

Ein Stück Ortsgeschichte ist zerstört

Das alte Bahnwärterhäuschen in Mittenheim gibt es nicht mehr. Es ist ein Raub der Flammen geworden. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Der materielle Schaden ist nicht groß. Der ideelle dafür umso mehr.

Oberschleißheim– Kaum etwas ist geblieben von dem Häuschen im Oberschleißheimer Ortsteil Mittenheim, direkt an den Bahngleisen. Die Grundmauern stehen zum Teil noch, darüber türmt sich, was ein Bagger nach dem Brand zusammengeschoben hat. Die Feuerwehren aus Oberschleißheim, Badersfeld und Riedmoos waren in dieser Nacht im Oktober im Einsatz gewesen, konnte das Feuer zwar rasch löschen, musste aber auch feststellen, dass das Häuschen nun einsturzgefährdet war. Der Abriss folgte – nicht zuletzt, um die Gleise wieder freizubekommen. Verletzt wurde niemand, das mehr als 60 Quadratmeter große Gebäude stand leer.

Heute, einige Wochen später, ermittelt die Polizei noch immer. Die Fahnder vermuten, jemand könnte mutwillig Feuer gelegt haben. Zeugen geben nach Aussage des zuständigen Ermittlers an, am Tattag jemanden in der Nähe des Bahnwärterhäuschens gesehen zu haben. Wer das gewesen sein könnte, ist allerdings unklar. Einen Tatverdächtigen hat die Polizei bisher nicht gefunden..

Viel wert war das Häuschen vermutlich nicht mehr. Auch wenn sich ein Privatmann in den vergangenen Jahren um das Gebäude gekümmert, Einiges saniert und den Garten gerodet hatte, um es als Wochenendhaus zu nutzen. Dabei hatte er, wie er anonym in einem Forum im Netz schrieb, darauf geachtet, Altes zu erhalten. So hatte er die alten Türen und Fenster originalgetreu restauriert. Seine Arbeit ist nun also umsonst gewesen, der finanzielle Verlust aber mag sich in Grenzen halten.

Was schmerzt ist, dass ein „Stück lebendiger Oberschleißheimer Eisenbahngeschichte verloren gegangen ist“, wie der Oberschleißheimer Historiker Andreas Hofmann in einer Pressemeldung schreibt. Hofmann engagiert sich zudem als Vorsitzender des Vereins „Verrückter Alter Bahnhof in Oberschleißheim“ und fühlt sich – nach eigener Aussage – der Eisenbahnertradition verpflichtet, stammt er doch aus einer Eisenbahnerfamilie.

Hofmann weiß, dass der vermutlich im 19. Jahrhundert eröffnete Streckenposten bereits in der Nachkriegszeit aufgegeben worden war. Der für einen Wirtschaftsweg erforderliche Übergang musste über eine Sprechanlage beim nächstgelegenen Stellwerk angemeldet werden, das dann die Schranken aus der Ferne öffnete. Oberschleißheimer Kinder nutzten dies oft für Lausbuben-Streiche. pk/bw

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