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Politik will gelernt sein

Die vier Landtags-Neulinge aus dem Landkreis München: Plötzlich Berufspolitiker

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Vier neue Abgeordnete aus dem Landkreis München sitzen künftig im Maximilianeum. Wie ändert sich das Leben der Landtags-Novizen? Wir haben nachgefragt.

Landkreis– Plötzlich wird die Politik zum Beruf: Vier neue Abgeordnete aus dem Landkreis München sitzen künftig im Maximilianeum. Wie ändert sich das Leben der Landtags-Novizen? Wir haben nachgefragt bei Helmut Markwort (FDP) sowie dem Grünen-Trio Claudia Köhler, Markus Büchler und Benjamin Adjei.

Gang ins Ungewisse

Benjamin Adjei, Taufkirchen (Grüne)

„Es ist ein Gang ins Ungewisse“, sagt Benjamin Adjei(28) aus Taufkirchen, der völlig überraschend das Direktmandat in München-Moosach gewann. Er bedauert, seine Festanstellung an Informatiker aufgeben zu müssen, „denn ich bin jeden Tag fröhlich zur Arbeit gegangen“. Nun hofft er, sich bei den Grünen ums Thema Digitalisierung kümmern zu dürfen. Ob das klappt? Am heutigen Donnerstag gibt’s ein Kennenlerntreffen, „und nächste Woche, bei der Fraktionsklausur, geht’s ans Eingemachte“. Bei der Wahl seiner Mitarbeiter will der 28-Jährige sich Zeit lassen, „es muss von der Arbeitsweise her zueinander passen“. Zeit nehmen möchte er sich, so oft es geht, noch für sein Hobby: Fußball. Nicht mehr in der B-Klasse bei SF Föching, „aber es gibt auch ein Landtags-Team, ich bin schon angesprochen worden“.

Erst mal sortieren

Claudia Köhler, Unterhaching (Grüne)

Nicht alles umkrempeln will Claudia Köhler (51) aus Unterhaching. „Okay, meine Männer wisse, dass sich viel ändern wird“, hat sie Ehemann Christian (54) und den drei Söhnen (16, 20 und 22) ausgerichtet. Ihr Engagement in der kirchlichen Kindergartenverwaltung wird sie „ein wenig herunterfahren, nach 30 Jahren darf ich das“, im Musikzug der Feuerwehr spielt sie weiterhin mit. Aber sonst? „Ich muss mich erstmal selber sortieren“, sagt die Unterhachingerin. „Da habe ich aber keine Sorge – ich bin eine gute Netzwerkerin.“ Eins steht für sie fest: Fraktionschefin im Gemeinderat will sie bleiben, „allein schon, um nichts betriebsblind zu werden“. Denn: „Bindeglied zur Kommunalpolitik zu sein, mit diesem Anspruch habe ich ja geworben. Ich bin so eine Verwurzelte“, sagt die 51-Jährige, die sich von einer Freundin, die Politiker coacht, im Wahlkampf hat fit machen lassen: „Ruth Busl hat das Beste aus mir herausgekehrt.“

Viel Grün ins Büro

Markus Büchler, Oberschleißheim (Grüne)

Auf die Radlstrecke ins Maximilianeum freut sich Markus Büchler (45) aus Oberschleißheim schon. Das ist künftig der Büroweg für den Landtagsabgeordneten und oberbayerischen Bezirksvorsitzenden der Grünen. Durch die Hochmuttinger und Fröttmaninger Heide an die Isar und zum Landtag. „Fast komplett verkehrsfrei.“ Ein Traum. „Man muss halt schauen, dass man nicht total verschwitzt zum Termin kommt.“ Ein E-Bike wäre eine Option. Bewerbungen für Mitarbeiter seines Abgeordnetenbüros hat Büchler schon, legt sich aber erst fest, wenn er weiß, für welche Themen er zuständig sein wird. Verkehrs- und Wohnungspolitik schweben ihm vor. Und ein Büro mit vielen Zimmerpflanzen. „Ich mag es, wenn es ein wenig grün ausschaut und nicht so nüchtern und staubtrocken.“ Seine „Slius GmbH“ in Oberschleißheim, die Webseiten erstellt, wird es unverändert weiter geben. Büchler setzt auf sein fünfköpfiges Team. „Die werden jetzt anpacken. Das kriegen die gut hin. Und ein Auge werde ich schon noch drauf haben.“ Schließlich sind Abgeordnete nur auf Zeit gewählt.

Zweigleisig arbeiten

Helmut Markwort, München (FDP)

Seit gestern ist auch Helmut Markwort ins Politikgeschäft eingestiegen. „20 000 Wähler sind ein Auftrag“, sagt der 81-Jährige. Die FDP-Fraktion hat sich gestern zur ersten Sitzung getroffen. „Zehn Männer und leider nur eine Frau. Wir haben uns kennengelernt und erfahren, dass es Platznot gibt im Maximilianeum.“ Zwei Mitarbeiter wird Markwort einstellen. Sie zu finden, sei kein Problem. „Ich habe so viele Leute, die mir helfen wollen.“ Seine journalistische Arbeit beim „Focus“ will er nicht aufgeben. „Bis Ende des Jahres läuft mein Vertrag. Wie es dann weitergeht, werde ich mit Herbert Burda besprechen.“ Nicht nur der Verleger hat ihm zum Mandat beglückwünscht. „Ganz viele Leute gratulieren mir, die behaupten, mich gewählt zu haben.“ Aus Peking hat ihn der Intendant der Deutschen Welle angerufen, aus Kuala Lumpur der Witwer von Guido Westerwelle. „Jetzt gilt meine Konzentration der Rede, die ich zur Eröffnung halte.“ Den Plenarsaal hat er gestern schon besichtigt.

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