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Viel bling bling, viel Strom: Beim Volksfest wird ein Stromanschluss auf dem Festplatz gebraucht.  

Dauerhafte Anschlüsse fehlen

Volksfestplatz: Ärger um Strom

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„Peinlich“ findet SPD-Rat Lemmen das Betteln bei Nachbarn. Das muss er nun wieder fürs Kinderfest. Denn ein dauerhafter Stromanschluss am Volksfestplatz ist nicht in Sicht. 

Oberschleißheim – Sobald die SPD im Herbst zum Kinderfest lädt, schwärmen die Genossen aus, um in der Nachbarschaft Strom zu erbetteln. Seit Jahren fehlt es dem Festplatz an Steckdosen für 220 Volt. Gemeinderat Peter Lemmen (SPD) hat die Nase voll: „Wenn Sie ständig zu irgendwem in den Keller kriechen müssen... Ich meine, das ist doch peinlich.“

Viel ist nicht los auf dem Volksfestplatz in Oberschleißheim. Im Frühjahr das Volksfest, im Herbst das Kinderfest. Vor allem in den fünf Tagen im Mai, wenn die Oberschleißheimer zum Volksfest strömen, muss Strom fließen. Bis 2011 sorgte die Gemeinde für einen direkten Anschluss ans Ortsnetz. Für kleinere Stände karrte man zwei mobile Stromkästen heran, die allerdings schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hatten. „Die Stromversorgung“, so heißt es aus dem Rathaus, „war am Limit.“ Ging es im Festzelt richtig rund, drohte eine Überlastung. Darum wurde eine Trafostation angeschafft.

Bayernwerke grätschen dazwischen

Doch nach dem Volksfest 2015 brach dieses Konzept zusammen. Die Bayernwerke untersagten die Verwendung der mobilen Stromkästen. Das Festzelt durfte nicht mehr über das Ortsnetz versorgt werden. Strom bezog der Festwirt danach nur aus einer Trafostation am anderen Ende des Festplatzes.

Von da an, erinnert sich Lemmen, ging vieles schief. Die Trafostation lässt keinen direkten Anschluss für Normal- oder Starkstrom zu, heißt es aus dem Rathaus. Ein Elektro-Betrieb wurde beauftragt, die mobilen Stromkästen gemäß den Vorgaben der Bayernwerke auszurüsten. Als Alternative hätte sich die Gemeinde für eine „feste bauliche Lösung“ entscheiden und einen 220-Volt-Anschluss fest installieren lassen können. Dafür aber fehlte das Geld.

Kein Geld, teure Notlösungen

Seit fünf Jahren nun bemüht sich Lemmen um eine Lösung. Bei Nachfragen, wie mit seinem Antrag verfahren wird, sei er vertröstet oder auf fehlende finanzielle Mittel verwiesen worden. Er möge es doch im kommenden Jahr noch mal versuchen. Derweil behalf sich die Gemeinde mit nicht gerade preisgünstigen Zwischenlösungen. Für erst 500, dann 900 Euro pro Anschluss stellte ein Elektro-Betrieb Strom für Fahrgeschäfte und Festzelt zu Verfügung. Da diese Leistungen der Gemeinde mit der Zeit zu teuer wurden, sollte schließlich für 4000 Euro ein Stromumwandler an den Trafo angeschlossen werden. Die erhofften Einsparungen aber blieben aus. Und am Ende würde sich die mit „mehreren tausend Euro“ nicht näher bezifferte „feste bauliche Lösung“ womöglich ebenfalls nicht rechnen, da nach wie vor eine „Vielzahl von Einzelanschlüssen benötigt“ würde.

„In meinen Augen ist das von vornherein falsch gebaut worden, wenn da keine Steckdosen drin sind“, sagte Gemeinderat Lemmen und beantragte, bis Anfang September für 220-Volt-Anschlüsse zu sorgen – zur Not auch mit überplanmäßigen Haushaltsmitteln.

„Von Vornherein falsch gelaufen“

Dabei lohnt sich die Investition im Grunde nur, wenn öfter Mal was los wäre auf dem Volksfestplatz. Vize-Bürgermeisterin Angelika Kühlewein (CSU) fragte sich, was dort künftig wohl geboten werde mit einer besseren Stromversorgung. „Wie viele Feste können wir den Anwohnern zumuten?“

Zweimal schon kapitulierte der Gemeinderat vor dem diffizilen Thema und vertagte den Punkt. Wie auch nun der Ferienausschuss ein drittes Mal. Er will die grundlegenden Zahlen prüfen. Also heißt es wohl wieder betteln bei den Nachbarn, wenn am Samstag, 16. September, das Kinderfest steigt.

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