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Seit Jahrzehnten plagt sich die Gemeinde mit dem Bahnübergang an der B 471. Wartezeiten an der Schranke von gegenwärtig 39 Minuten pro Stunde sollen binnen zehn Jahren zu 53 Minuten werden.

Troglösung

Widerstand gegen Verlegung des Bahnhofs Oberschleißheim 

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Oberschleißheim - Die Begeisterung für den Trog, die geschätzt 150 Millionen Euro teure Tieferlegung der Bahnlinien durch Oberschleißheim, hält sich in Grenzen. Vor allem die Verlegung des Bahnhofs südwärts bis auf Höhe der B 471 bemängeln Unternehmer als unsinnig.

Namhafte Unternehmen haben auf dem jüngsten Treff des Gewerbeverbands Bedenken gegen die Umsetzung der im Gemeinderat vorgestellten Machbarkeitsstudie angemeldet. Als größter Arbeitgeber in Oberschleißheim ahnt die „Schreiner Group“ Nachteile für die Belegschaft. Bald ein Viertel der gut 1000 Beschäftigten nutzt die S-Bahn. Ihr Arbeitsweg würde sich um fast einen Kilometer verlängern. „Wir haben nicht so viel am Standort investiert, dass man uns jetzt den Bahnhof wegzieht“, habe Firmen-Senior Helmut Schreiner sich ihm gegenüber beklagt, sagte Wolf Dieter Waag vom Gewerbeverband. Andere Betriebe sähen es ähnlich. Zur Absicherung des Stimmungsbilds bereitet der Gewerbeverband eine Umfrage unter ortsansässigen Betrieben vor. Die Ergebnisse werde man noch heuer präsentieren.

Finanzierung der 150 Millionen Euro noch offen

Laut Machbarkeitstudie würde der Bahn-Trog vor der Schönleutnerstraße beginnen. Unterhalb des Schleißheimer Kanals erreicht er seine tiefste Stelle. Dort setzen die beiden Bahnsteige an und reichen bis zur Blumenstraße. Auf Höhe des heutigen Bahnhofs würden die Gleise an die Oberfläche gelangen. Der Bahnhof würde rückgebaut.

Vorteile für Uni-Campus

In einer Studie des Freistaats zur Tieferlegung aus dem Jahr 2011 war von einer Bahnhofsverlegung noch keine Rede. Gewinner der Verlegung wären die Universität und die Bahn selbst. Der Campus an der Sonnenstraße würde fußläufig erschlossen. Die Bahn erwartet einen Zugewinn an Kunden. Alle übrigen Akteure – Gewerbe, Arbeitnehmer, Touristen und ein Gutteil der Bevölkerung – zögen den Kürzeren.

Ewiges Warten an der Bahnschranke

Seit Jahrzehnten plagt sich die Gemeinde mit dem Bahnübergang an der B 471. Wartezeiten an der Schranke von gegenwärtig 39 Minuten pro Stunde sollen binnen zehn Jahren zu 53 Minuten werden. Dass der Trog dieses Problem langfristig lösen würde, bezweifelt niemand. Eine Lösung hätte man aber schon vor Jahren haben können,sagt Wolf Dieter Waag und erinnert an den in erster Linie von den Freien Wählern unterstützten Vorschlag einer Straßenunterführung. Der heutige Bürgermeister Kuchlbauer hatte den knapp gescheiterten Bürgerentscheid aus dem Juni 2009 mitinitiiert. Seinerzeit mit 30 bis 40 Millionen Euro taxiert, hätte diese Variante die Hälfte der Kosten für einen Trog verschlungen. Zur Abwendung eines Verkehrsproblems verpflichtet das Eisenbahnkreuzungsgesetz Bahn und Bund auf die jeweils preisgünstigste Variante. „Die hätten reagieren müssen“, ist Waag überzeugt. Statt weitere 10 bis 20 Jahre auf die Umsetzung der Machbarkeitsstudie zu warten, wäre das Problem wahrscheinlich längst gelöst.

Gemeinde müsste bi zu 15 Millionen Euro zahlen

Der Trog wird auf 150 Millionen Euro geschätzt; ohne Investitionen in Infrastruktur, wie die Verlegung der Busstationen. Der Gemeindeanteil liegt laut Kuchlbauer bei 10 bis 15 Millionen Euro. Wie und ob das Projekt überhaupt zu finanzieren ist, steht in den Sternen. 

Lärmschutzwände würden den Ort noch mehr zerschneiden

Waag sieht die wesentlich Probleme durch den Trog nicht einmal gelöst. Meterhohe Lärmschutzwände würden den Ort noch mehr zerschneiden, als die Gleise es tun. „Wegen der Lärmschutzwände können wir auch nicht auf die Hochbrücke Mittenheimer Straße verzichten.“ Bis zu 50 Millionen Euro soll die demnächst fällige Sanierung des Bauwerks kosten. Der Gewerbeverband schlägt vor: Statt den Bahnhof zu verlegen, sollte im Süden der Gemeinde, Höhe Lidl und Aldi, ein weiterer Halt eingerichtet werden. „Von dort wären der Campus und das im Süden geplante Gewerbegebiet gut zu erreichen.“

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