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Bevor es zu einer Entscheidung kommt, ob die Grünstreifen am Stutenanger bebaut werden sollen, wird es jetzt erst einmal eine Ortsteilversammlung mit den betroffenen Anwohnern geben.

Jetzt soll es eine Ortsteilversammlung geben

Wohnungen am Stutenanger: Absage an Investor

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Oberschleißheim - Es ist ein schwerer Schlag für den Investor Jargonnant Partners (JP). Der Oberschleißheimer Bauausschuss erteilte jetzt dem beschlussreifen Plan zur Nachverdichtung am Stutenanger eine Absage. Gemeinderäte fordern eine Ortsteilversammlung. Entnervt verließen Vertreter des neuen Eigentümers der drei Wohnblöcke 6, 8 und 10 den Sitzungssaal.

Mehrheitlich entschied der Ausschuss, der von den Grünen ins Spiel gebrachten Informationsveranstaltung für betroffene Bewohner zuzustimmen. Der Antrag erwischte nicht nur „JP Oberschleißheim“, die in Gräfelfing ansässige Tochter des international tätigen Immobilienfonds, auf dem falschen Fuß. Nur Minuten zuvor hatte Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) JP-Geschäftsleitungsmitglied Thomas Probst zugesichert, den Aufstellungsbeschluss für die Nachverdichtung am Stutenanger an diesem Abend zu entscheiden.

Die Abstimmung endete mit 7:5 Stimmen denkbar knapp. Dass sich neben der SPD auch jeweils ein Fraktionsmitglied von CSU und FW dem Votum anschlossen, war nicht zu erwarten. FW-Sprecher Hans Hirschfeld jedenfalls wirkte nicht glücklich. Zu möglichen Konsequenzen sind Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Selbst einen möglichen Rückzug „JP Oberschleißheims“ von den Nachverdichtungsplänen schließt Hirschfeld nicht aus.

Rund 350 000 Euro soll JP in die Planung bisher investiert haben. Anscheinend hatte sich die Geschäftsleitung zuvor an die Freien Wähler gewandt. „Wir haben das in der Fraktion besprochen“, sagte Hirschfeld. Dass einer von vier Freien im Ausschuss aus der Reihe tanzt, kann Hirschfeld aber kaum Recht sein. „JP Oberschleißheim“ war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Am Stutenanger mag man noch so zufrieden sein mit der wohl Ende des Jahres abgeschlossenen Sanierung der Wohnblöcke. Was die Pläne zur Nachverdichtung betrifft, hat JP die Öffentlichkeit gegen sich aufgebracht. Ohne Angaben von Gründen zog der Investor einen ersten Plan im Juli zurück. Sechs Häuser sollten gebaut werden, je drei pro Zwischenraum. Wie sich herausstellte, hatte JP vor der Juli-Sitzung Kontakt zu jeder Fraktion gesucht. SPD und Grüne nahmen an, CSU und FW lehnten ab. „So ein wichtiges Thema gehört in die Öffentlichkeit“, begründete Peter Benthues (CSU) die Absage seiner Fraktion. „Mit uns nicht“, pflichtete Johann Negele (FW) seinerzeit bei. Dem Rathaus lag zudem eine Unterschriftenliste vor. Anwohner wehrten sich gegen die Nachverdichtung.

Vor zwei Wochen schob JP eine überarbeitete Version ihres Plans nach, die am Montag unter Dach und Fach gebracht werden sollten. Zwei Planer und Geschäftsleitungsmitglied Probst warben für die abgespeckte Variante: vier fünfstöckige Gebäude mit 36, statt 60 Dreizimmerwohnungen. Tiefgarage, aber keine oberirdischen Stellplätze. Die Atmosphäre im Saal schien von vornherein vergiftet. Wiederholt streuten selbst Räte, die dem JP-Vorhaben nicht abgeneigt schienen, Vorwürfe der Gewinnmaximierung in der Art, wie JP baue nicht aus karitativen Gründen; das sei zwar legitim, sollte dennoch nicht unerwähnt bleiben. Helga Keller-Zenth (Grüne) sprach sogar von Erpressung, als Probst die Kosten für die Grünflächen mit ein bis zwei Millionen Euro bezifferte. Dafür müssten aber Einnahmen generiert werden. Das sei illusorisch, wenn der Plan weiter reduziert würde. In der Ortsteilversammlung wird JP überzeugende Antworten parat haben müssen. Antworten auf Fragen zu Wohnqualität und Privatsphäre, wenn die Häuser an der engsten Stelle auf zwölf Meter an die Wohnblöcke heranreichen.

Andreas Sachse

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