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Grund zur Freude gibt es aber auch bei der Feuerwehr: Kommandant Wolfgang Schnell (l.) und der Stellvertretende Kommandant Michael Bayer (r.) ehren (v.l.) Florian Düll, Sascha Dietl und Christian Eigner. Sie sind seit zehn Jahren im Dienst bei Feuerwehr Oberschleißheim. 

Jahreshauptversammlung 

Wohnungsnot gefährdet Feuerwehr

Oberschleißheim - Die Feuerwehren im Landkreis haben ein echtes Problem: Der Nachwuchs wird knapper. Das liegt auch daran, dass Wohnen im Landkreis kaum mehr zu bezahlen ist.

Von Andreas Sachse

Oberschleißheim – Wolfgang Schnell, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Oberschleißheim, fürchtet um die Einsatzfähigkeit der Truppe. Immer mehr Feuerwehrleute finden in Oberschleißheim keine Wohnung. Vor allem der, in jeder Feuerwehr dringend benötigte Nachwuchs scheitert offenbar zusehends am extrem angespannten Wohnungsmark. Viele müssen umziehen und gehen damit der Feuerwehr als aktive Mitglieder verloren.

Bei der Jahreshauptversammlung warnte Schnell, dass gerade junge Aktive sich bei der Wohnungssuche schwer täten. Für die kommenden Jahre erwartet der Kommandant „einen großen Wegzug aus dem Gemeindegebiet“. Das könne so weit gehen, dass vorbeugender und abwehrender Brandschutz nicht mehr zu garantieren sei. Schnell fordert das Rathaus auf, Mitglieder der Feuerwehr bei der Vergabe von Gemeindewohnungen stärker zu berücksichtigen. Es sei Aufgabe der Gemeinde, ihre Feuerwehr zu unterstützen.

Ob Feuerwehrleute künftig mit Kindergärtnerinnen um gemeindeeigenen Wohnraum werden buhlen müssen, lässt Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) offen. Grundsätzlich aber sicherte er der Wehr die unbedingte Unterstützung zu: „Wir stehen weiter hinter Ihnen.“

Die letztjährige Hauptversammlung gut in Erinnerung, als Schnell ihm eine besorgniserregend lange Mängelliste entgegengehalten hatte, unterstrich Kuchlbauer, mit welcher Bravour die FFW im abgelaufenen Jahr Leben und Gut von Oberschleißheimern bewahrt habe. Der Vielzahl neuer Aufgaben wegen sei die Wehr auf „angemessene Ausstattung angewiesen“. Eine Bedingung, die Kuchlbauer durch den 2016 mithilfe eines Ingenieurbüros erarbeiteten Feuerwehrbedarfsplan gewährleistet sieht.

Inwiefern Kuchlbauers Ansicht von der FFW geteilt wird, war die große Frage der Veranstaltung. Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, da Schnell das Rathaus wegen der Mängel in Ausrüstung und am FFW-Gerätehaus harsch kritisiert hat. Inzwischen gibt es den Bedarfsplan, der den Investitionsbedarf für die kommenden fünf Jahre regelt. Der im Dezember aus Altersgründen ausgeschiedene Kreisbrandmeister Hermann Bayer äußerte sich gebremst optimistisch: Nach harten und zähen Verhandlungen habe man zumindest erreicht, was notwendig sei.

Immerhin: Die Einsatzfähigkeit, die damals noch drohte, ist jetzt gewahrt; Der Bedarfsplan bestätigt der Feuerwehr volle Leistungsfähigkeit. Gesetzlich vorgegebene Fristen, wonach die Wehr zehn Minuten nach dem Alarm am Einsatzort eintreffen muss, stellen kein Problem dar.

Als problematisch hingegen empfindet Bayer, wie stark – um seiner Ansicht nach – selbstverständliche Ausrüstungsteile gerungen werden musste. Als Beispiel nannte er das VSA, das bei Unfällen auf der Autobahn unerlässlich sei. Mit diesem Verkehrssicherungsanhänger sperrt die Feuerwehr Fahrspuren. „Sie können Unfallstellen heute einfach nicht mehr mit der Winkekelle absichern“, sagte Bayer. „Feuerwehrleute haben auch ein Anrecht darauf, unbeschadet heimzukommen.“

Zwar verfügt man in Oberschleißheim über ein VSA. In absehbarer Zeit aber muss Ersatz her. Sollte sich dann jemand querstellen, kündigte Bayer an, die Verantwortlichen persönlich zur Unfallstelle zu chauffieren. Ausdrücklich angesprochen sind laut Bayer der Bürgermeister und sein zuständiger Abteilungsleiter. „Und ich meine das nicht polemisch“, schob Bayer nach. „Aber dass das nicht zum Spaßen ist, sollte jedem klar sein.“ Als ganz und gar abwegig kritisierte er Vorschläge aus der Expertengruppe zur Erstellung des Bedarfsplans, sich im Notfall ein VSA von befreundeten Feuerwehren zu borgen. Angeblich stammt die Idee von hauptberuflichen Feuerwehrleuten.

Seinen Auftritt auf der Jahreshauptversammlung betrachtete Bayer als letzte Amtshandlung und als Verpflichtung, seiner „Fürsorgepflicht“ für die Aktiven gerecht zu werden.

Auszeichnungen

Beförderungen: Feuerwehrmann/-frau: Katja Hadamek, Veronika Schnell, Benjamin Pacyga. Oberfeuerwehrmann/-frau: Sascha Dietl, Georgios Giakis, Maximilian Hildebrand, Benjamin Hofmann, Christoph Imseder, Michaela Obermaier, Alexandra Schnell, Florian Schnell, Tamara Tirak. Hauptfeuerwehrmann: Matthias Gommel.

Ehrungen: zehn Jahre Feuerwehrdienst: Sascha Dietl, Florian Düll, Christian Eigner, Benjamin Hofmann.

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