Die Zeiten ändern sich – auch in der Deutschbausiedlung

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Wer durch die Deutschbausiedlung in Oberschleißheim fährt, stellt schnell fest: Die Häuser sehen alle irgendwie ähnlich aus. Das ist gewollt. Wird sich aber vielleicht bald ändern. Was nicht jedem gefällt.

Oberschleißheim – Die Oberschleißheimer Gemeinderäte haben im Ferienausschuss den umstrittenen Anbau an ein Haus in der Zeppelinstraße in Oberschleißheim genehmigt. Damit setzt sich der Ausschuss mehrheitlich gegen Befürchtungen einer Zweiteilung des Grundstücks hinweg. Die Freien Wähler (FW) stimmten dagegen. Sie haben Angst vor einem Präzedenzfall, in dessen Folge der Charakter der weitgehend einheitlich konzipierten Deutschbausiedlung verloren gehen könnte.

Den Bauantrag vom 12. Juni diesen Jahres hätte das Rathaus eigentlich schon vor vier Wochen im Bauausschuss bewilligen wollen. Außer der in Rede stehenden Aufteilung des Grundstücks beklagten Gemeinderäteaber, dass die Grenzen des Bebauungsplans um 93 Quadratmeter überschritten würden. Der Ausschuss vertagte den Punkt daraufhin in den Ferienausschuss. Die FW hatten bereits damals angekündigt, einer Überschreitung des Bauraums in dieser Größenordnung nicht zuzustimmen.

Zwischenzeitlich recherchierte das Rathaus entsprechende Genehmigungen sowohl der Gemeinde selbst als auch der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Münchner Landratsamt, aus Dezember 2015. Offensichtlich hatte die damalige Eigentümerin des Anwesens an der Zeppelinstraße im Jahr 2014 die zur Bebauung zulässige Fläche sogar selbst freiwillig reduzieren lassen. Laut Vize-Bürgermeisterin Angelika Kühlewein (CSU), die Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) im Ferienausschuss vertrat, ging es damals um einen Swimmingpool, den die Dame zu verlieren fürchtete.

Eine Überschreitung um 93 Quadratmeter scheint den Gemeinderäten im Ferienausschuss nun also vertretbar. Der Ausschuss formulierte keinerlei Bedenken mehr. Lediglich die Freien Wähler scherten aus. Wie deren Sprecher Hans Hirschfeld später sagte, verbietet der Bebauungsplan grundsätzlich eine Aufteilung der Grundstücke in der Deutschbausiedlung.

Offiziell soll aus dem Einfamilienhaus ein Doppelhaus werden. Vorgesehen sind Anbauten im Norden und an der Südseite, wobei der Süd-Anbau „vollständig außerhalb der Baugrenze“ liegt. Die Empfehlung, den Antrag mitzutragen, begründet das Rathaus mit dem Hinweis, dass eine Aufteilung aufgrund der eingereichten Planung nicht möglich sei, „da sich Teile des Kellers auf den jeweiligen Nachbarteil erstrecken“. Ohnehin seien Grundstücksteilungen in der Siedlung „kategorisch ausgeschlossen“.

Allerdings scheint diese Regelung von der Wirklichkeit überholt. Vize-Bürgermeisterin Kühlewein verwies auf zwei Anwesen an der Zeppelinstraße sowie auf ein drittes an der Ernst-Udet-Straße, In allen drei Fällen seien die Grundstücke längst aufgeteilt. „Keiner hat damals Einwände erhoben.“ Sie könne daher nicht nachvollziehen, weshalb sich die FW ständig gegen Veränderungen in der Siedlung zur Wehr setzten.

Wie berichtet, war schon in früheren Sitzungen mit einem Anrecht der Bewohner argumentiert worden, ihren Grund aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Garagen müssten größeren Autos angepasst werden. Anwohnern sollte die Möglichkeit eingeräumt werden, Häuschen für die Nachkommen zu bauen, dringend nötigen Wohnraum zu schaffen.

Mit größeren Garagen, Swimmingpools, den kleinen Veränderungen eben, könne man leben, sagte Hirschfeld. „Dadurch wird der Charakter der Siedlung nicht verändert.“ Nur eine Aufteilung der Grundstücke gelte es zu verhindern. Infolge des Beschlusses rechnet die FW mit einer Reihe von Anträgen. „Wer seinen Grund verkauft, will auch den bestmöglichen Ertrag.“ Das bedeute Aufteilung, sagte Hirschfeld, der die Deutschbausiedlung als Kleinod betrachtet: „Und das soll sie auch bleiben.“

Das „angeblich soziale Argument“, Wohnraum zu schaffen, wollen die Freien Wähler in Oberschleißheim ebenfalls nicht unkommentiert lassen: „Der Quadratmeter in der Siedlung ist so teuer“, sagte Hirschfeld, „Normalverdiener können da nicht mithalten.“

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