Über ihrem Leben scheint wieder die Sonne: Zoé (6) kann nach langer Chemotherapie endlich mit ihren Eltern Catarina und Arkadiusz gemeinsam um die Wette strahlen.
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Über ihrem Leben scheint wieder die Sonne: Zoé (6) kann nach langer Chemotherapie endlich mit ihren Eltern Catarina und Arkadiusz gemeinsam um die Wette strahlen.
Zoé auf Monis Farm in Hochbrück, ein Alpaka am Halfter. Neben ihr Brigitte Scholle, Vorsitzende des Oberschleißheimer Vereins „Luzia Sonnenkinder“.
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Zoé auf Monis Farm in Hochbrück, ein Alpaka am Halfter. Neben ihr Brigitte Scholle, Vorsitzende des Oberschleißheimer Vereins „Luzia Sonnenkinder“.
Enger verbunden kann man nicht sein: Catarina und Zoé.
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Enger verbunden kann man nicht sein: Catarina und Zoé.

Chemo-Ritter

Zoé (6) besiegt den Blutkrebs

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Vor zwei Jahren hat Catarina B. aus Hörgertshausen erfahren, dass ihre Tochter Zoé (4) an Leukämie erkrankt ist – der Beginn eines monatelangen Martyriums. Nun freuen sich auch die „Luzia Sonnenkinder“ aus Oberschleißheim, dass es Zoé besser geht. Das verdankt sie ihrer Tapferkeit, der Hartnäckigkeit ihrer Mama – und mikroskopisch kleinen Rittern

Hörgertshausen/Oberschleißheim – Die Ritter müssen gewinnen. Zoé sitzt auf ihrem Bett und ruft „Macht sie platt!“ Im August 2016 ist die damals Vierjährige mit ihrer Mama Catarina B. in der Kinderklinik München-Schwabing. Flüssigkeit tropft aus einem Beutel und fließt über einen Schlauch in den Arm des Mädchens. In der Lösung schwimmen die guten Ritter, die die bösen Zellen in ihrem Körper bekämpfen. So erklärt Catarina B. ihrer Tochter, was bei einer Chemotherapie passiert. Ärzte haben bei Zoé Leukämie diagnostiziert.

Nicht endgültig geheilt

Heute ist Zoé sechs Jahre alt. Sie gilt nicht als geheilt, ist aber soweit gesund, dass sie mit ihrer Mama (43) und Papa Arkadiusz B. (35) wieder daheim in Hörgertshausen wohnt. Vor rund einer Woche hat sie ihre letzte Chemo-Behandlung hinter sich gebracht, sie kann nun Kind sein. Dank Brigitte Scholle (67) aus Oberschleißheim und ihrem Verein „Luzia Sonnenkinder“ hat Zoé „Monis kleine Farm“ besucht, ein Zentrum für tiergestützte Therapien für Kinder in Garching. „Man merkt nicht, dass Zoé so schwer krank war“, sagt Brigitte Scholle.

Die Chemo-Ritter haben gewonnen, doch es war knapp. Hätte sie nicht darauf beharrt, dass Ärzte ihre Tochter untersuchen, hätte der Krebs wohl gesiegt, sagt Catarina B.

Besuch auf Monis Farm in Hochbrück

Im August vor zwei Jahren ist Zoé abgeschlagen, hat Fieber, will nichts essen. Harmlos, sagt der Arzt, doch Catarina B. glaubt, dass mehr dahintersteckt. Sie bleibt hartnäckig, also macht der Mediziner ein großes Blutbild. Die Werte sind katastrophal. Der Arzt schickt sie daraufhin ins Kinderklinikum München-Schwabing, wo sie und ihre Mama vier Wochen bleiben. Nach weiteren Tests dann die Diagnose: Ringelröteln.

Weil die Symptome der Viruskrankheit denen eines grippalen Infekts ähneln, bleibt Ringelröteln oft unerkannt. Einen Ausschlag hat das Mädchen nicht, den bekommen nur manche. Die Erkrankung verläuft meist harmlos, daher schicken die Ärzte sie nach Hause. Zoé soll sich erholen, aber sie wird nicht gesund. Catarina B. sieht, wie es ihrer Tochter immer schlechter geht. Sie erkundigt sich, doch der Arzt nimmt ihre Sorgen nicht ernst. „Von da an habe ich täglich in der Klinik angerufen“, sagt sie. „Ich wusste, da passt was nicht.“

Verdacht bestätigt: Zoé hat Blutkrebs

Am 15. August 2016 hält sie es nicht mehr aus. Zoé ist kreidebleich. Wieder fährt Catarina B. mit ihr in die Klinik, wieder wird ein Blutbild gemacht. Als der Arzt sieht, dass die Werte im Keller sind, verliert er keine Zeit. Er fordert Blutkonserven an und veranlasst eine Knochenmarkpunktion. „Da wusste ich innerlich Bescheid“, sagt die Mama. Ärzte entnehmen mit einer Nadel etwas Knochenmark, um zu testen, ob sie an Leukämie erkrankt ist. Der Befund bestätigt ihren Verdacht: Zoé hat Blutkrebs.

Durch ihre Unnachgiebigkeit rettet Catarina B. wohl das Leben ihrer Tochter. Am nächsten Tag wird Zoé operiert. Catarina B. gibt ihre Stelle als Sekretärin auf. Drei Monate verbringen die zwei auf der kinderonkologischen Station. Sie werden isoliert, denn weil die Medikamente Zoés Immunsystem auf Null herunterfahren, ist sie Erregern schutzlos ausgeliefert. Für die Familie, die damals ein Haus baut, beginnt eine düstere Zeit. Chemotherapie folgt auf Chemotherapie. Zoés lange blonde Haare fallen aus. Das Cortison und andere Arzneimittel zerstören ihre Knochen und verätzen ihre Speiseröhre. Weil in ihrem Magen ein blutiges Geschwür wuchert, benötigt sie zahlreiche Blutkonserven.

Die Kleine hält alles aus, ohne zu jammern

Catarina B. leidet mit ihrem Kind. In der Nacht kommen die Tränen. „Es gab Momente, in denen ich gedacht habe, es geht den Bach runter.“ Wenn sie nicht weint, liest sie Bücher über Leukämie. Hoffnung macht ihr ausgerechnet ihre Tochter. Wenn ein Arzt ihr Knochenmark untersucht, lässt Zoé die Prozedur über sich ergehen ohne zu jammern. „Ich habe mich gefragt, wie sie das schafft“, sagt Catarina B.. Dinge, über die sie sich früher geärgert hat, erscheinen ihr bedeutungslos verglichen mit dem, was ihre Tochter durchmacht.

Wenn ihr Mann sie besucht, erzählt Catarina B. ihm von Zoés Tapferkeit. Er betritt das Zimmer durch eine Schleuse und trägt Mundschutz. Zu groß ist die Ansteckungsgefahr für das Mädchen. Das gilt auch für die Meerschweinchen, Hasen, den Hahn und das Alpaka, mit denen Monika Posmik, die Chefin von „Monis kleiner Farm“ in Garching, ab und zu in der Klinik vorbeischaut. Während andere Kinder die Tiere draußen streicheln, sieht Zoé von ihrem Fenster aus zu. Sie ahnt nicht, dass sie die Tiere zwei Jahre später im Krankenhaus wiedersieht und sogar „Monis kleine Farm“ besuchen darf.

Im September kommt Zoé in die Schule

Nach drei Monaten wird die Isolierung ihres Zimmers aufgehoben. Zoé darf wieder die Fenster öffnen – und schöpft Kraft. Sie besucht andere Patienten der Krebsstation in ihren Zimmern und fragt nach, ob sie ihre Medizin eingenommen haben. Falls nicht, spritzt Zoé sie zum Spaß mit einer Spritze nass. Wenige Tage später verlassen die Zwei die Klinik und Catarina B. mietet nebenan ein Zimmer im Elternwohnheim an. Eine Zwischenlösung, denn das neue Haus in Hörgertshausen ist noch nicht fertig und Zoés Immunsystem geschwächt. Erst als die Bauphase zu Ende ist, ziehen Mama und Tochter zu Papa Arkadiusz.

Das ist ein Jahr her. Inzwischen kringeln sich blonde kinnlange Locken auf Zoés Kopf. Ab September besucht sie die erste Klasse. Es kehrt Normalität ein. Nur zur Kontrolluntersuchung geht das Mädchen noch einmal im Monat, denn die Gefahr ist nicht vorüber. Erst wenn der Krebs fünf Jahre nicht zurückkehrt, gilt Zoé als geheilt. Solange bleiben die Ritter in Habachtstellung.

Luzia Sonnenkinder Oberschleißheim

Die „Luzia-Sonnenkinder“ hat Brigitte Scholle vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Die Organisation vermittelt schwer kranken Kindern Therapeuten und bezahlt die Behandlung. Mehr Informationen bei Brigitte Scholle unter Telefon (089) 315 29 91 und via Mail an brigittescholle@yahoo.de.

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