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Ein Team, ein Auto: Patrick und Daniel Seyfang nennen s ich die „Saufang-Buam“. Unterwegs sind sie mit einem 22 Jahre alten BMW 520i. Sein ehemaliger Besitzer ist 99 Jahre alt und verfolgt die Tour der beiden übers Internet.  Privat

Zwei Oberschleißheimer wagen das Abenteuer ihres Lebens

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Einfach mal raus, einfach mal was ganz anderes machen: Dafür haben sich Patrick und Daniel Seyfang entschieden.

Oberschleißheim – Zwei Brüder aus Oberschleißheim machen sich auf die Reise ihres Lebens. Sie fahren eine Charity-Rallye quer durch den Balkan. In zehn Tagen 4000 Kilometer durch 14 Länder. In einem 22 Jahre alten BMW für Kinder auf Achse ohne vorgegebene Route, dafür mit festgeschriebenem Codex: kein Navi, kein GPS, keine Autobahn. Asm Samstag, 25. August, geht’s los! An dieser Rallye ist so ziemlich gar nichts gewöhnlich. Keine Route, nur die Idee einer Tour von Dresden bis Salzburg, allerdings quer durch Südosteuropa; mit Etappenvorschlägen und zwei Off-Road-Partys als Orientierungshilfen für die Teilnehmer irgendwo in Mazedonien, Albanien, Bosnien-Herzegowina oder Bulgarien. Pflicht auch: Gefahren wird mit Autos, die mindestens 20 Jahre alt sein müssen, die über keinerlei technologischen Schnickschnack verfügen dürfen. Autobahnen sind tabu. Und schließlich, so schreibt der Veranstalter der „ultimativen Old School Autorallye Balkan Express“, der „Superlative Adventure Club“ (SAC) aus Hamburg, den Crews soziales Engagement zur Qualifizierung vor.

Und es scheint als hätten Daniel (30) und Patrick Seyfang (28), die sich die „Saufang-Buam“ nennen, ihr Leben lang auf eine solche Gelegenheit wie diese gewartet. „Es gibt eine Menge Rallyes für Amateure“, erzählt der ältere Seyfang-Bruder Daniel, der in dem Gedanken, sich mit Patrick eine Auszeit zu gönnen, einschlägige Automagazine studiert hat. Den Ausschlag für den Balkan-Express gab der Charity-Aspekt. „Wäre sonst ja ziemlich langweilig; nur mit dem Auto rumfahren und Abgase in die Luft pusten.“

Jedes Team ist aufgerufen, 500 Euro für karitative Zwecke zu sammeln, für Umweltschutz, Krankenhäuser oder Ausbildungsstätten. „Wir haben gleich eine Null drangehängt“, sagt Daniel, der mit dem Bruder für Schulen und ein Internat in Albanien und Bulgarien sammelt. „Für Kinder auf Achse“, ist auf ihrem Auto zu lesen. „Ich seh’ an meinen Söhnen, Emilian (1) und Matteo (3), wie wichtig Geborgenheit für sie ist.“ Eine Woche vor dem Startschuss der Rallye auf dem Dresdner Altmarkt ist das Geld beisammen. Die „Saufang-Buam“ machen weiter. „Bin gespannt, was noch zusammen kommt.“ Am Veranstalter gefällt den Seyfangs die unprätentiöse Art, mit der Challenge umzugehen. Welcher Anbieter gibt schon „zwei abgefahrene Rallye-Partys“ als Eckpunkte einer Tour aus, lässt die Crews auf einzelnen Etappen Rätsel lösen und Aufgaben bewältigen, vergibt Extra-Punkte für flippiges Outfit? „Pimp your Car“, zitiert Daniel aus den Quickfacts zur Rallye: „Erlaubt ist, was der TÜV erlaubt.“

Dabei hat zumindest Daniel, eigentlich Architekt, mit Autos nicht so viel am Hut. „Ich kann ein bisschen rumschrauben, ein paar Dinge reparieren.“ Einiges hat er sich von Helfern abgeschaut, die die „Saufang-Buam“ unterstützen, seit sie auf Facebook von der Rallye erzählen. Der Schrauber in der Familie aber ist Patrick, von Berufs wegen Ingenieur für erneuerbare Energien. „Er ist unser Mechaniker.“ Alles in allem ist die Hoffnung groß, mit dem Auto ohne schwerwiegende Probleme durchzukommen. „Ein grundsolider Wagen.“ Der Zufall verhalf den Brüdern zu dem BMW 520i, Baujahr 1996, ein 22 Jahre alter Youngtimer, der dem Vater der Tagesmutter gehörte, die einen der Söhne von Daniel betreut. Eines Tages sprang der BMW nicht mehr an. „Sie haben ihn uns geschenkt.“ Inzwischen ist das Auto wieder flott, und sein früherer, 99-jähriger Besitzer will um keinen Preis verpassen, wie sein alter BMW sich schlägt. die Rallye wird der Senior im Internet verfolgen.

Für alle Fälle ist da noch das faustgroße, plüschige Maskottchen, von der Fan-Gemeinde „Horst“ getauft. Es soll über Daniel und Patrick Seyfangs Unternehmung wachen, wenn es los geht gegen 170 Teams aus Deutschland, Österreich, Schweiz und den Niederlanden.

Im übernächsten Jahr lädt SAC zum „Atlantic Pacific Ocean Drive“, 15 000 Kilometer von Hamburg bis Wladiwostok. Dann aber wohl ohne die „Saufang-Buam“ aus Oberschleißheim. „So viel Urlaub habe ich auch nicht“, sagt Daniel, der jetzt vor allem anderen an seine Frau denken muss. Für seinen Traum nimmt Katalin (31) ebenfalls einen Gutteil ihres Jahresurlaubs, um daheim auf die Kinder aufzupassen. „Sie hat sich einen ausgiebigen Urlaub mit der ganzen Familie verdient.“

Die Route

führt von Dresden über Wroclaw, dem einstigen Breslau, Richtung Budapest in die Karpaten, an Sofia vorbei nach Tirana, Sarajevo, durch Istrien bis Salzburg. Informationen zu Spenden, Unterstützern, den Veranstalter und tägliche Berichte von der Rallye unter www.superlative-adventure.com/teams/saufang-buam-rallye-team.html.

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