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Natur als Bildungsaufgabe ist eines der Konzepte des Gartenbauvereins Feldkirchen. (v.l.) Thorsten Guhlke, Angelika Guhlke, Lucia Beck, Erika Blaschke, Fritz Blaschke und Dieter Rötzer pflegen den Lehrgarten, gemeinsam mit anderen Mitgliedern.

Daheim im kleinen grünen Reich

Tag der offenen Gartentür

Feldkirchen/Garching - Ein Garten, wie in Großbritannien, oder lieber naturbelassen? Oder doch eher ein Erlebnisgarten? Beim Tag der offenen Gartentür im Landkreis zeigen Gartenbesitzer die Ergebnisse ihrer Arbeit, wahre Juwelen in der Natur.

Ein bisschen tricksen mussten Thorsten Guhlke, der Vorsitzende des Feldkirchner Gartenbauvereins, und Werner van der Weck, der Feldkirchner Bürgermeister, als sie 2011 den neuen Naturteich des Vereins zu dessen 100. Bestehen eröffnen sollten. Zwar hatten sie ein Drehrad, das augenscheinlich ein Wasserohr öffnen sollte, das den Teich befüllt. Das war aber nur eine Attrappe. Tatsächlich musste ein Vereinsmitglied ein Stück entfernt am Schaltkasten stehen und das Wasser in den Teich einlassen. Allerdings öffnete das Mitglied aus Versehen die Toilettenspülung und Guhlke und van der Weck mussten sehr, sehr lange am Rad ohne Funktion drehen, bis der Fehler aus der Ferne korrigiert war.

Natur ist zum Gestalten da, findet Ursula Moustafa-Helmi (82). In ihrem Reihenhausgarten in Garching überlässt sie seit Jahren nichts dem Zufall. Ihr Credo: „Pflanzen müssen immer schön sein, auch wenn sie nicht blühen.“

Eine kleine Anekdote zur letzten großen Erweiterung des Lehrgartens der Feldkirchner Gartler am Fasanweg. Seit 1998 gibt es den Garten, zunächst mit einem eingezäunten Bauerngarten, darin wachsen unter anderem Zwiebeln, Radi und Spinat. Seitdem kamen Apfelbäume dazu, aus denen die Gartler jedes Jahr Saft gewinnen, ein Bienenstock zum Hineinschauen, ein Insektenhotel und, vergangenes Jahr, ein Hochbeet mit Salaten. Vor 1998 hatte der Verein kein festes Vereinsheim, jetzt treffen sich die rund 30 Aktiven der insgesamt 340 Mitglieder in der Blockhütte jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat. Sie haben die Betreuung der Pflanzen untereinander aufgeteilt, wenn größere Bauten anstehen, wird das selbst gemacht, teilweise mit der Hilfe von ortsansässigen Firmen. Und auch Besucher kommen manchmal zum idyllischen Fleckchen, trotz der Lage direkt an der Autobahn. Der Verein hat mit der Gemeinde eine Bank direkt vor einem Zaun am Naturteich aufgestellt in einer kleinen Ausbuchtung am Gehsteig. Ein Holzsteg ragt über das Wasser, von dort lassen sich Fische beobachten, manchmal brütende Enten.

Zeigen wollen die Gartler vor allem, was möglich ist, ohne zu stark in die Natur einzugreifen, erklärt der Vorsitzende Thorsten Guhlke: „Alles darf bleiben, wenn’s nicht zu viel wird. Wir sagen nicht, dass alles weg muss.“ Daher sind Teile des Lehrgartens verwilderter als andere.

Das ist bei Ursula Moustafa-Helmi (82) aus Garching ganz anders. Sie hat ihren Reihenhausgarten am Mühlfeld im britischen Stil angelegt. Egal, wohin der Betrachter blickt, überall zeigen sich farbige Blüten in verschiedensten Perspektiven, alles ist bewusst angelegt, Unkraut hat keine Chance. „Man kann aus einem kleinen Garten so viel machen“, sagt sie, „wenn man es richtig macht.“ Etwa das Lilienbeet, es dominieren die Farben Orange und Rot, doch in der Mitte, ganz ungewöhnlich: eine Agave. Mit ihrem Grün lockert sie das Bild wunderbar auf.

„Pflanzen müssen immer schön sein, auch wenn sie nicht blühen“, findet Moustafa-Helmi. Seit 30 Jahren lebt sie in ihrem Haus in Garching. Allmählich, so findet sie, ist der Garten, wie sie ihn sich vorstellt. Jeden Tag steht die 82-Jährige in ihrem Grün. Zwar baut sie auch Kräuter an, doch: „Gemüse kaufe ich im Supermarkt.“

Natur als Lebensraum: Annika Mulki (42) beherbergt in ihrem Garten in Aschheim nicht nur Zwerghühner, sondern auch ein Bienenvolk und ein freilaufendes Meerschweinchen. Außerdem baut sie Kräuter an. Das Gemüse allerdings kauft sie im Supermarkt.

Annika Mulki (42) aus Aschheim hätte wohl nichts dagegen, wenn bei ihr im Garten neben den Tomaten weiteres Gemüse wachsen würde, ein eigener Bauerngartenbereich ist auch schon umzäunt, im Gewächshaus wäre Platz zum Ziehen der Pflanzen. Heidelbeeren, Himbeeren oder Brombeeren hat sie bereits. Doch bislang scheut die vierfache Mutter die Pflege des Gemüses. Denn in ihrem Naturgarten ist auch so genug zu tun: Insektenhäuser, seit diesem Jahr auch ein Bienenvolk, ein freilaufendes Meerschweinchen sind im Garten zu finden – und auch fünf Zwerghühner. Auf diese Weise gibt es jeden Tag bei Familie Mulki frische Eier: „Spiegelei gibt’s halt bei uns öfter“, sagt Mulki und lacht. Unkraut entfernt sie nicht, sondern nutzt es. „Ich finde es gehört zur Erziehung dazu, dass man sich auskennt, mit dem was wächst“, sagt Annika Mulki.

Inzwischen bietet sie daher Kindergärten Naturführungen durch Felder oder Wiesen an – sind die schon abgemäht, so hat sie die meisten Pflanzen auch in ihrem Garten. Als die Familie vor acht Jahren in das Elternhaus ihres Mannes gezogen war, begann sie einfach zu werkeln. Ganz ohne Plan: „Im Grunde habe ich’s immer für die Familie gemacht und dann hat es sich weiterentwickelt.“ Im Frühling habe sie immer viele Ideen, sagt sie, alle könne sie nicht umsetzen. Was Annika Mulki sagt, gilt sicherlich auch für Ursula Moustafa-Helmi in Garching und Thorsten Guhlke in Feldkirchen: „Ich hab’ mir hier mein kleines Reich geschaffen, weil man es draußen nicht mehr findet. bew

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