Ausgedünnt: 80 Bäume musste Martin Bayer schon fällen. Auf dem Schaden von 50 000 Euro blieb er bisher sitzen. Noch schlimmer: Der Umsatz ist seit Monaten um 40 Prozent geringer als gewöhnlich. Foto: Dieter Michalek

In Ottendichl: Laubholzbockkäfer gefährdet Martin Bayers Baumschule

Haar - Die Baumschule von Martin Bayer (42) aus Ottendichl hat in den vergangenen Monaten stark an Umsatz eingebüßt. Schuld daran ist der Asiatische Laubholzbockkäfer. Bayers Kunden befürchten, sich den Käfer in den eigenen Garten zu holen und meiden die Baumschule, die in der Nähe der Quarantänezone liegt.

Update, März 2018:

Die Baumschule Bayer wird seit 2012 regelmäßig vom Landesamt kontrolliert und gilt seither als befallsfrei. Die Bäume, die damals gefällt werden mussten, waren ebenfalls ohne Befund. Nach der Fällung stellte sich heraus, dass diese Pflanzen gar nicht im Fällradius standen und nicht entfernt hätten werden müssen. Das LfL ersetzte einen Teil des Schadens. Inzwischen gibt es Pflanzenpässe für gefährdete Pflanzen, die einen ALB-Befall ausschließen. Diese bekommen sie beim Kauf der Pflanzen in der Baumschule Bayer

Ursprünglicher Artikel, 22. Oktober 2014b

Herbstzeit ist Gartenzeit. Für die Betreiber von Baumschulen im Landkreis ist der Herbst buchstäblich eine goldene Jahreszeit. Gerade jetzt, im Oktober, machen sie normalerweise den meisten Umsatz. Doch Martin Bayers Baumschule am Rande von Ottendichl, ein Ortsteil der Gemeinde Haar, ist Mitte Oktober verlassen. Von Kunden fehlt jede Spur. „Schauen Sie aus dem Fenster. Niemand kauft sich derzeit einen Baum“, sagt Bayer, während er sorgenvoll von seinem Büro aus auf die rund 4000 Pflanzen blickt, die sich auf dem Gelände des Familienunternehmens befinden.

Der Grund, weshalb die Hobbygärtner im Landkreis Bayers Baumschule gerade meiden wie einen Misthaufen, ist der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB). Der Schädlingskäfer aus China war vor zwei Jahren unter anderem in Feldkirchen und zuletzt in Neubiberg für die Fällung von mehreren tausend Bäumen verantwortlich (wir berichteten).

Ende Februar entdecken Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) an einem Baum in Ottendichl Larven des ALB. Daraufhin hat Bayer auf Anweisung der Freisinger Behörde insgesamt 80 Ahorn- und Rostkastanienbäume sowie Birken, Weiden und Pappeln im Alter zwischen zwölf und 20 Jahren gefällt. Eine reine Präventivmaßnahme. Schließlich zeigt weder einer dieser Bäume auffällige Symptome noch befindet sich die Baumschule innerhalb des ausgewiesenen Quarantänebreiches. „Für die LfL sind wir so etwas wie ein potentieller ALB-Verteiler“, erklärt Bayer die Vorsichtsmaßnahme.

Aus den Fällungen entsteht dem 42-Jährigem ein Schaden von insgesamt 50 000 Euro. Was aber in seinen Augen noch schlimmer ist: Die Kunden hätten Angst, sagt Bayer. „Die überlegen sich gerade lieber zweimal , ob sie einen Baum pflanzen sollen oder nicht.“ Dabei sei die Gefahr, einen vom ALB befallenen Baum zu kaufen, sehr gering. Die LfL kontrolliere nämlich regelmäßig mit Spürhunden die Baumschule in Ottendichl auf den Schädling. „Bei uns ist noch nie ein Befall festgestellt worden“, versichert Bayer.

Dennoch ist der Umsatz, den Bayer mit der Aufzucht und Verkauf von jungen Bäumen erwirtschaftet, seit Ende März um circa 40 Prozent zurückgegangen. „Würden wir nur mit der Baumschule Geld verdienen, dann wäre der Käfer für uns existenzbedrohend“, sagt er. Das Garten- und Landschaftsbauunternehmen, das Bayer neben der Baumschule betreibt, ist der finanzielle Rettungsanker für ihn und seine insgesamt 15 Mitarbeiter.

Die Baumschule in Ottendichl hat es inzwischen zu einer traurigen Berühmtheit geschafft. Sie ist in ganz Europa die einzige Baumschule, die wegen des ALB in der Nähe einer Quarantänezone liegt und deshalb indirekt von der Käferplage betroffen ist. Aufgrund dessen hat bereits eine 25-köpfige Delegation der EU-Kommission die Baumschule besucht und sich bei Bayer nach finanziellen Verlusten erkundigt.

Martin Bayer sitzt in seinem Büro. Vor ihm liegt ein dicker Ordner, in dem er mehrere Zeitungsartikel und Dokumente über den ALB sorgfältig abgeheftet hat. Darin befinden sich auch Kopien von Briefen, die er an die LfL geschrieben hat. Bayer fordert unter anderem Schadensersatz von der Landesanstalt für Landwirtschaft. Aber er wünscht sich auch mehr und vor allem bessere Informationen von der Behörde darüber, welche Bäume er zukünftig auf seiner Baumschule pflanzen darf. Bisher hat Bayer aber noch keine Antwort von der LfL erhalten. „Das Schlimmste ist“, sagt er, „keiner weiß, wie das mit dem Käfer weitergeht.“ rat

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