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Talkrunde mit Ruth Eder

Der böse Bub mit den langen Haaren

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Ottobrunn: Mit Abi Ofarim hatte Ruth Eder beim Kulturstammtisch einen Mann zu Gast, „der alle Höhen und Tiefen des Lebens durchmessen hat“. So begrüßte die Journalistin den Musiker und einstigen Weltstar im „Ayinger Ottobrunn“, der sich heute mit sehr viel Herzblut in einem Verein für Senioren engagiert.

Ofarim, im Oktober 1937 in Tel Aviv im heutigen Israel als Abraham Reichstadt geboren, lächelt und zeigt seine weißen Zähne. Der 78-Jährige trägt eine auffällige Kette, streicht sich immer wieder die Haare zurück, die ihm über die Schulter reichen. „Ich bin so froh, bei Dir zu sein“, sagt er zu Eder. Mit Ottobrunn verbindet Ofarim viel. Als er nach Deutschland kam, lebte er einige Zeit bei der Familie des 2011 verstorbenen Regisseurs Imo Moszkowicz. Er wird ein bisschen sentimental: „Ich fühle mich so, ach ich kann das gar nicht erklären.“ Später zog der Musiker nach München, wo er bis heute lebt.

Mit seiner ersten Frau machte er als Gesangsduo „Esther und Abi Ofarim“ zwischen 1959 und 1969 international Karriere – 59 Goldene Schallplatten hat der Musiker bis heute bekommen. Eder fragt nach dem Besuch bei der Queen 1968. „Ich war so voll und zu, wie es nur geht“, sagt Ofarim und spricht die Drogen an, die er „unerlaubte Medikamente“ nennt und die im Zusammenhang mit „Kartoffelsaft“ (Wodka) noch öfter zur Sprache kommen. Die Königin habe gefragt, ob er beim Militär gewesen sei. Seine Antwort: „Yes. And you?“ Auf dem Höhepunkt der Karriere trennte sich das Musikerduo und Ehepaar. „Ich habe alles auf mich genommen, sagt Ofarim. „Die Münze hat immer zwei Seiten. Aber ich war der böse Bub, der mit den langen Haaren“. Eder fragt, ob er noch Kontakt zu seiner ersten Frau habe. Man sehe sich hin und wieder. „Jeder hat sein eigenes Leben, und das ist auch gut so.“

Zweimal noch hat Ofarim geheiratet, die zweite Ehe, in Las Vegas geschlossen, „wurde nach vier Monaten“ geschieden. Seine Ex-Frau, die dritte, mit der er die Söhne Gil und Tal hat, auch Musiker, sitzt an diesem Abend mit im Publikum – bei seiner Schwester und seiner Lebensgefährtin und Managerin Kirsten Schmidt. Mit Iris Berben („bis heute sind wir sehr gute Freunde“) war er Ende der 1960er Jahre zusammen, mit der Sängerin und Tänzerin Margot Werner, deren Manager und Produzent er war, hatte er in den 1970ern eine Beziehung. Seine wilden Jahre in München, in denen er das Geld, laut Eder „mit vollen Händen ausgegeben“, oder laut Ofarim „durch die Nase gezogen“ habe, enden in der Untersuchungshaft. Die „Pension“ Stadelheim, in der er 1979 vier Wochen wegen Drogenbesitzes und, wie der Musiker betont „angeblicher Steuerhinterziehung“ saß, sei „die beste Schule“ gewesen. Er spricht jetzt Bairisch: „Die bayerische Justiz hat mich gerettet, gell!“ Er bekommt eine Bewährungsstrafe, ändert sein Leben. Ofarim sagt: „Sucht ist eine Krankheit, und ich war süchtig.“ Er habe neben den „unerlaubten Medikamenten“ auch getrunken – zwei Flaschen „Kartoffelsaft“ pro Tag. Heute, seit einiger Zeit rauche er auch nicht mehr, „lebe ich in Frieden. Ich lebe gut und gesund.“

Die Karriere als Solomusiker kam nie mehr so richtig in Gang. 1982 veröffentlichte er das Solo-Album „Much too Much“ sowie seine Erinnerungen in dem Buch „Der Preis der wilden Jahre“. Danach erklärte er seinen Abschied von der Bühne und produzierte Musik für andere Künstler. 2009 erschien jedoch nach 27 Jahren Pause ein sein Album „Too Much of Something“.

Wenn Ofarim Konzerte gibt, dann vor allem für einen guten Zweck: 2014 gründeten der Musiker und seine Lebensgefährtin den Verein „Kinder von gestern“ in der Münchner Schleißheimer Straße. Das „Jugendzentrum für Senioren“ ist ein Projekt gegen Armut und Einsamkeit im Alter. All die Millionen, die er verdient und ausgegeben hat, seien nichts gegen das schöne Gefühl, „anderen Menschen zu helfen“. Die Spenden des Abends, um die beim Kulturstammtisch statt Eintritt gebeten wird, gehen an „Kinder von gestern“. Als Eder fragt, ob Ofarim demnächst das Haus der Senioren in Ottobrunn besuchen wolle, sagt er: „Wenn Ihr mich braucht, dann komm’ ich.“

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