Am Infostand: Die Anwohner trommeln für ihre Sache.
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Am Infostand: Die Anwohner trommeln für ihre Sache.

Nachverdichtung in Ottobrunn

Im Vogelviertel schlagen die Anwohner Alarm

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Das Bürgerforum Vogelviertel hat sich jetzt in einem offenen Brief an Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer gewandt.

Ottobrunn – Die Unterzeichner beklagen, dass eine Beteiligung der betroffenen Bürger und der Agenda-21-Vertreter im Zuge des Nachverdichtungsplanes im Vogelviertel nicht erwünscht gewesen und im Gemeinderat eine Entscheidung zum Nachteil der Anwohner getroffen worden sei. Wie berichtet, sollen in dem Gebiet vier Wohnblocks mit 40 Wohnungen errichtet werden. Im Zuge dessen hatte der Gemeinderat einem neuen Bebauungsplan zugestimmt.

„Eine sukzessive Nachverdichtungspolitik hat das heutige Ottobrunn zur Gemeinde mit der zweithöchsten Wohndichte Deutschlands gemacht, deutlich sichtbar an der von Jahr zu Jahr zunehmenden Verkehrsdichte“, schreiben die Bürger. Sie fühlen ihre Interessen durch die Gemeinderatsentscheidung „mit Verlaub gesagt geradezu mit Füßen getreten“. Die aktuelle Planung als Aufwertung des Viertels zu bezeichnen, wie in der offiziellen Begründung der Gemeinde geschehen, kommt ihrer Ansicht nach „einer Verhöhnung der Anwohner gleich“.

Zuzug nicht zu verkraften

40 weitere Wohnungen, der Zuzug von 160 Personen mit mutmaßlich weiteren 80 Kraftfahrzeugen – all das stellt nach Ansicht der Anwohner ein großes Problem dar. Genauer: „Diese Nachverdichtung ist für sämtliche Bewohner und Anwohner der Siedlung im Vogelviertel eine unerträgliche Belastung mit beträchtlichem Schaden am Eigentum sowie an der künftigen Wohn- und Lebensqualität.“

Dazu zählt laut Unterzeichnern die klimaschädliche Fällung von 70 Bäumen des über 50 Jahre alten Baumbestands. Die Argumentation des Bürgermeisters in der Sitzung, dass die zur Bebauung benötigten Grünflächen von „mäßigem Aufenthaltswert“ und nach einer Abwägung entbehrlich seien, halten sie für paradox. Eine Lösung sehen sie nicht in einer Versiegelung durch maximale Bebauung, sondern im Erhalt der im Auftrag der Wohnungseigentümer fachmännisch gepflegten Grünflächen zum Wohle aller.

Gefährdung des sozialen Friedens?

Stattdessen werde die Gefährdung des sozialen Friedens in Kauf genommen. Das folge zwangsläufig, „wenn Menschen mit Ausblick auf endlose Häuserwände statt auf Natur derart eng aufeinander wohnen sollen“. Ein Abrutschen der Siedlung in Richtung „sozialer Brennpunkt“ wie noch vor Jahren, als diese Siedlung als „Glasscherbenviertel“ verschrien war, scheint für die Unterzeichner geradezu programmiert. In puncto Verkehr prognostizieren sie zugeparkte Nebenstraßen in Richtung Hauptstraße sowie eine Gesundheitsbelastung durch erhöhten Verkehrslärm und mehr Luftverschmutzung.

Bürgerbeteiligung erwünscht

Die Unterzeichner wünschen sich eine Bürgerbeteiligung – mit der Bereitschaft, sich mit den Argumenten fair auseinanderzusetzen. Dazu gehöre auch, den einstigen Vertrag aus dem 1960er Jahren zwischen der Gemeinde und der Baufirma ernst zu nehmen, die eine weitere Bebauung in dem Viertel ausgeschlossen habe. „Das Bürgerforum Vogelviertel fordert im Namen aller Betroffenen, die Entscheidung zu überdenken und im Gemeinderat in einen konstruktiven Austausch der Argumente mit den Bürgern zu treten.“

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