Begehrt: Apotheker Peter Aurnhammer mit einer Lieferung FFP2-Masken. archivFoto: gerald förtsch
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Begehrt: Apotheker Peter Aurnhammer mit einer Lieferung FFP2-Masken.

Warnung vor „Grauware“

Masken-Pflicht: Ansturm auf FFP2-Schutz

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Apotheker im Landkreis entwarnen: Es sind genügend Exemplare vorhanden. Die Masken-Pflicht könnte jedoch problematisch für sozial Bedürftige werden.

Landkreis – Telefone der Apotheken klingeln im Minutentakt, Kunden stehen bis vor die Ladentür in der Schlange: Grund für den Andrang ist die FFP2-Masken-Pflicht. Am Dienstagmittag verkündete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dass von Montag an im Nahverkehr und in Geschäften die Masken zu tragen sind. Seitdem ist der Druck auf die Apotheken im Landkreis gewaltig.

Die Apotheke Dr. Aurnhammer in Ismaning hatte am Dienstagabend noch 10 000 Masken auf Lager. Kurz nach der Pressekonferenz des Ministerpräsidenten habe der Ansturm auf seine Masken begonnen, sagt Chef Peter Aurnhammer.

Aurnhammer, Sprecher der Landkreis-Apotheker, hält die FFP2-Pflicht unter bisher beschlossen Maßnahmen für sinnvoll: „FFP2-Masken schützen viel besser vor einer Ansteckung mit dem Virus als Stoffmasken.“ Vor allem Träger der Spezialmasken würden durch den Filter besser geschützt.

Apotheker warnt vor „Graumarktware aus dem Internet“

Der Ismaninger Apotheker warnt dabei vor „Graumarktware aus dem Internet“. Viele der angebotenen und oft billigeren Masken würden deutsche Vorschriften nicht erfüllen. „Apotheken lassen sich Zertifikate geben“, sagt er.

Die äußere Aufmachung der Masken entspricht oft nicht dem Inhalt

Apotheker Tobias Brandl zu FFP2-Masken

Pharmazeut Tobias Brandl ließ wegen mangelnder Qualität schon Masken-Lieferungen zurückgehen. „Die äußere Aufmachung der Masken entspricht oft nicht dem Inhalt“, sagt der Inhaber der Palmen-Apotheke in Ottobrunn. Seine Spezialmasken würden in Deutschland produziert, der Preis sei dadurch etwas höher. Bei größerer Abnahme verbilligt er sich. Brandl geht davon aus, dass die Preise in vielen Apotheken deutlich steigen werden, das gelte auch für Masken aus dem Internet. 15 000 Stück hat Brandl vorrätig.

FFP2-Maske: Nach acht Stunden Einsatz wegschmeißen

Die Masken aus der Palmen-Apotheke könnten maximal acht Stunden getragen werden. Danach sollten sie im Müll landen. Waschen oder hoch erhitzen: Das führe nicht zu einer längeren Haltbarkeit, sagen beide Apotheker und verweisen auf die Bedienungsanleitung der Masken.

Auf Bürger kommen so in den kommenden Wochen zusätzliche Kosten zu. Ein Rechenbeispiel: Max Mustermann pendelt jeden Arbeitstag eine Stunde mit der S-Bahn zur Arbeit. Natürlich braucht er Lebensmittel. Durchschnittlich 15 Minuten gehen täglich für Einkäufe drauf. Grob addiert braucht Mustermann eine Maske pro Woche, macht 20 Euro im Monat.

Masken-Pflicht: Für einkommensschwache Haushalte könnte die zum Problem werden

Für einkommensschwache Haushalte könnte das zum Problem werden, zumal sind viele Menschen derzeit in Kurzarbeit gemeldet. „Das könnte zwangsweise dazu führen, dass Bürger weniger oft ihre Masken wechseln, um Geld zu sparen“, sagt Tobias Brandl. Trägt man die Spezialmaske länger als empfohlen, können sich Bakterien in der Maske vermehren, warnt Peter Aurnhammer. Zudem werde das Atmen durch Staubansammlung im Filter schwerer. Der Schutz vor einer Coronavirus-Ansteckung lässt außerdem nach, ergänzt Tobias Brandl.

Der AWO Kreisverband München-Land fordert deshalb FFP2-Masken für sozial Bedürftige. „Der Freistaat Bayern überfordert mit dieser Anordnung die Menschen, die von Grundsicherung leben oder nur ein geringes Einkommen oder eine geringe Rente haben“, sagt Stefan Wallner von der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis. Robin Hertschek, Edeka-Filialleiter in Neubiberg, nimmt das Glück seiner hilfsbedürftigen Kunden selbst in die Hand, wie er in einem Video erklärt. Er hat 5000 Masken gekauft, die er Menschen geben will, die „sonst wieder auf der Strecke bleiben“.

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