An der Verlängerung der U5 hält der Landkreis zwar fest, doch die finanzierbar ist das Mammutprojekt nur mit staatlichen Zuschüssen.
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An der Verlängerung der U5 hält der Landkreis zwar fest, doch die finanzierbar ist das Mammutprojekt nur mit staatlichen Zuschüssen.

Nahverkehr

Finanzierung der U5-Verlängerung könnte zum Problem werden: Landkreis sucht Alternativen

  • VonAndreas Sachse
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Der Druck auf das Verkehrsnetz im Landkreis München steigt. Überall im Umland werden Gewerbegebiete vergrößert, neue Wohnsiedlungen entstehen. Der Südosten boomt. Doch vor allem bei der Nahverkehrs-Erschließung hakt es.

Landkreis - In seiner jüngsten Sitzung bekräftigte der Kreistag noch einmal seinen Willen, am Ausbau der U5 ab Neuperlach Süd festzuhalten. Umsteigefrei soll die verlängerte U5 den Ludwig-Bölkow-Campus in Taufkirchen/Ottobrunn und damit die bald größte Fakultät für Luft- und Raumfahrtforschung in Europa anfahren. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwierig. Denn staatliche Zuschüsse bleiben dem Landkreis verwehrt. Und ohne kann der Landkreis dieses Mammutprojekt nicht stemmen. Hintergrund ist das derzeit gültige Verfahren der „Standardisierten Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen im schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr“. Das stellt die zu erwartenden Kosten über den Nutzen einer U5-Verlängerung. „Wir können jetzt nur hoffen, dass der Bund das Projekt finanziert“, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU).

Vier Trassen für Magnetschwebebahn denkbar

Mögliche alternative Nahverkehrsmittel müssen also her. Dazu zählen einmal die Seilbahn und die unlängst von einem Münchner Start-up entwickelte Ottobahn (wir berichteten). Ende kommenden Jahres sollen die ersten Ottobahn-Gondeln auf einer Teststrecke bei Taufkirchen auf Alltagstauglichkeit geprüft werden.

In greifbare Nähe rückt auch die Magnetschwebebahn, das Transportsystem Bögl (TSB). TSB fährt autonom und bietet in seinem Prototyp mit zwei Zugteilen Platz für 250 Personen. Die Technologie ist von einem Oberpfälzer Unternehmen zur Marktreife entwickelt worden. Seit ein paar Tagen unterhält die Firmengruppe Max Bögl eine Teststrecke für Güterverkehr am Stammsitz in Sengenthal. Personenverkehr wird seit September 2019 im chinesischen Chengdu erprobt. Das Eisenbahnbundesamt erteilte dem Transport System Bögl (TSB) vor einem Jahr seinen Segen. Wesentliche Teile des Fahrzeugs und des Fahrwegs gelten damit als zulassungsfähig.

Die Freien Wähler im Kreistag sehen im Bögl-System eine Ergänzung zu U- und S-Bahn. TSB soll Flughafen und Messegelände erschließen und unterversorgte Regionen zwischen zwei S-Bahnästen tangential verbinden.

Oberleitungsbusse zur Überbrückung

Vier mögliche Trassen wären im Landkreis München denkbar: die U5-Verlängerung ab Neuperlach-Süd über Ottobrunn bis Taufkirchen; die U6-Verlängerung ab Garching-Hochbrück bis Unterschleißheim, die Nordosttangente von Unterschleißheim über Garching, Unterföhring, Riem bis Haar und von Dachau bis Moosach (U3) oder Feldmoching (U2).

Wie auch bei der U-Bahn dürften zehn Jahre vergehen, bis die erste Magnetschwebebahn rollt. Als Vorläufer der verlängerten U5 favorisiert Landrat Göbel daher elektrisch angetriebene Oberleitungsbusse. In dichtem Takt sollen O-Busse wie Trambahnen auf eigener Trasse frei von Störungen durch den Autoverkehr die Region bedienen.

Nach Einführung der U5 sollen die Busse in Betrieb bleiben und als O-System ausgebaut den Südosten auch in Ost-Westrichtung erschließen. Der Vorteil: O-Busse könnten bereits nach vier bis fünf Jahre die Fahrt aufnehmen.  an

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