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Symbolbild Drängler
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Aggressiv im linken Seitenspiegel: Ein Drängler auf der Autobahn.

Meinungsbeitrag

Rasen, drängeln, schneiden: Die Straße - ein rechtsfreier Raum

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Auf den Straßen im Landkreis München  gilt viel zu oft nur das Gesetz des Dschungels. Das findet jedenfalls unser Autor. Er sagt: Der Staat kapituliert vor Rasern und Dränglern.

LandkreisDauer-Blinker links und flackernde Bremslichter: So pflügt ein schwarzer BMW durch den dichten Autobahnverkehr. Mit der Lichthupe nötigt er die Fahrer, die so naiv sind, sich ans Tempolimit zu halten, weg von der linken Spur. 500 Meter weiter springt sein Blinker plötzlich auf rechts – der BMW schneidet steil drei Spuren, erwischt gerade noch so die Ausfahrt und rauscht aus dem Blickfeld.

Merkur-Redakteur Josef Ametsbichler beobachtet fast täglich gefährliche Szenen auf den Straßen und Autobahnen im Landkreis.

Wer regelmäßig, gerade im Berufsverkehr, auf den Autobahnen und Bundesstraßen unseres asphaltgemaserten Landkreises München unterwegs ist, weiß, dass diese Szene, die der Autor dieser Zeilen kürzlich baff so beobachtet hat, kein Einzelfall ist. Im Gegenteil: Das Drängeln, Schneiden und Rasen ist Dauerzustand.

Der Kampf um vermeintlich wertvolle Sekunden

Auf mehrspurigen Strecken verschaffen die geschickt genutzte Lücke, der Blitzstart an der Ampel, ein flinkes Rechtsüberholen vermeintlich wertvolle Sekunden Vorsprung. Wer bremst, wenn es enger wird, statt seinen Kopf durchzusetzen, hat schon verloren. Vorfahrt hat, wer sie sich nimmt. Platz da, sonst ist dein Mazda ein Derbatzda! Irgendwie lustig. Und irgendwie tödlich.

Hierzulande ist Vorsicht erste Bürgerpflicht: Feuerfluchttreppen wuchern wie Efeu an Gebäudefassaden, für jedes größere Dorffest verlangen die Behörden ein Sicherheitskonzept. Fällt Ihnen jemand namentlich ein, der bei einem Feuer oder bei einer Feier gestorben ist? Nein? Wie sieht es mit einem Unfalltoten aus? Sehen Sie.

„Vor dem Alltags-Irrsinn auf den Straßen hat der Staat weitgehend kapituliert.“

Doch vor dem Alltags-Irrsinn auf den Straßen hat der Staat weitgehend kapituliert. Nur jede 600. Alkoholfahrt wird geahndet, schätzen Experten. Wie viel höher ist da erst die Dunkelziffer bei den ungezählten alltäglichen Nötigungen und Verkehrsgefährdungen? Dabei stuft der Gesetzgeber beides als Straftat ein – Alkohol am Steuer und Verstöße gegen das Tempolimit gelten dagegen bis zu gewissen Grenzen nur als Ordnungswidrigkeit.

So lange kein Unfall passiert, hat der BMW-Fahrer vom Textanfang außer ein paar sporadischen Blitzern nichts zu befürchten. Die Autobahn als rechtsfreier Raum. Ob er (oder sie?) weiß, dass in der Kurve bei Ottobrunn, in der er gerade sein Auto an die Grenzen getrieben hat, erst wenige Wochen zuvor ein junger Mann bei einem Unfall gestorben ist? Dass quasi jeden Tag Menschen im Landkreis bei Unfällen verletzt oder gar getötet werden und dabei oft genug selber nichts dafür können?

Achtsamkeit: Die Gefahr nicht vergessen

Ein Faktor, der den Straßenverkehr sicherer macht, ist Achtsamkeit – das Bewusstsein, sich in einem Gefahrenbereich zu bewegen. Subjektiv betrachtet, hat sich beispielsweise bei der Rettungsgasse etwas verändert: Seit das Thema in den vergangenen Jahren massive Medienpräsenz erfahren hat, scheinen mehr und mehr Autofahrer im Stau ganz selbstständig die lebensrettende Lücke zu bilden, schon bevor die Blaulichter heranzucken.

Die Unfallkarte des Münchner Merkur

Seit wenigen Wochen hält der Münchner Merkur in den Landkreisen München und Ebersberg nachrichtlich auffällige Unfälle auf einer Karte fest, die im Internet kontinuierlich ergänzt wird. Und schon in dieser kurzen Zeit haben sich die roten Warnsymbole wie Pockennarben über die Region ausgebreitet. Gepaart mit viel zu vielen schwarzen Kreuzen. Der Überblick, wie viel auf unseren Straßen tatsächlich passiert, macht nachdenklich. Schnupfe ich den Laster noch schnell vor der Ausfahrt? Schaffe ich die Ampel bei dunkelgelb? 100 Sachen in einer 80er-Baustelle gehen locker, oder? Klicken Sie rein. Und denken Sie noch mal drüber nach.

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