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Mit dem Ergebnis der Diskussion und ihrer Performance dürften sie alle zufrieden sein: (v.l.) Bürgermeister Thomas Loderer, seine Herausforderinnen Sabine Athen, Tania Campbell sowie VHS-Leiter Christof Schulz.

Podiumsdiskussion

Rededuell der Kandidaten in Ottobrunn: Starken Zuzug will keiner

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Sachlich, respektvoll, auf Augenhöhe. Eine solche Diskussion wünschte sich VHS-Leiter Christof Schulz als Veranstalter für die Podiumsdiskussion vor der Kommunalwahl in Ottobrunn.

Ottobrunn– Mit dabei: Bürgermeister Thomas Loderer (CDU) und den beiden Kandidatinnen Sabine Athen (SPD) und Tania Campbell (Grüne). Er sollte nicht enttäuscht werden, stattdessen erlebte er wie die übrigen rund 350 Zuhörer im rappelvollen Wolf-Ferrari-Haus drei eloquente Lokalpolitiker in Fahrt, deren Unterschiede in einigen Sachfragen nicht allzu groß waren.

Campbells Vater war Satelliten-Ingenieur bei MBB, weshalb die Kommunalpolitikerin einen starken Bezug zum wiederbelebten Forschungsstandort hat. Sie bezeichnet Ottobrunn als die Gemeinde, als Füllung, zwischen den beiden Universitäten, UniBw und TUM. Hier lebten viele der Studenten und Ingenieure. Daher kam auch die Frage der beiden Moderatoren, Martin Mühlfenzl und Stefan Galler von der SZ, wie sich Ottobrunn mit seinen 23 000 Einwohnern in den nächsten Jahren entwickeln kann.

Denksportaufgabe Nachverdichtung

Sabine Athen sah schon Potenzial für eine Nachverdichtung. „Aber wir müssen aufpassen, dass wir das nicht auf Kosten der Grünflächen machen.“ Athen will sie als Erholungsorte und Treffpunkte gestalten, aber nicht zum Bau verwenden. Es gebe jedoch große Grundstücke, die eine Nachverdichtung sinnvoll erscheinen lassen. „Wir sind ja kein Freilichtmuseum, da darf sich schon etwas ändern.“

Für Tania Campbell ist es wichtig, dass die Infrastruktur Schritt hält mit der Einwohnerzahl. Sie plädierte für Augenmaß beim Wachstum der fünf Quadratkilometer kleinen Gemeinde. Eine weitere Versiegelung will sie nicht. „Ohne Grün geht die Lebensqualität verloren.“ Für das Klima sei so viel Bebauung auch ganz schlecht.

In seinen 13 Jahren der bisherigen Amtszeit hat Bürgermeister Loderer die Innenentwicklung als etwas sehr Spannendes erlebt. Dabei müsse auch die Infrastruktur im Auge behalten werden. Sie sei kostspielig, wie man das etwa am Beispiel des Wolf-Ferrari-Hauses sehen könne. Eine Abkoppelung von der Region sei zwar nicht möglich und an manchen Stelle könne man durchaus in die Höhe bauen, aber ansonsten sei Ottobrunn als grüne Oase zu erhalten. Auch die Themen Breitband, Ortsmitte, Verkehrsanbindung und Ansiedlung von Gewerbe wurden in der kurz bemessenen Zeit thematisiert.

Podiumsdiskussion in Ottobrunn: Die Fragen der Bürger an die Kandidaten

Ganz wichtig war VHS-Leiter Schulz auch, dass die Bürger selbst Fragen stellen durften: Christine Rosenkranz wohnt in der Demos-Siedlung in einem Reihenhaus und überlegt sich mit ihrem Mann in eine kleinere Wohnung zu ziehen, wenn es in Ottobrunn ein solches Angebot gäbe. Da fand die Dame „absolute Zustimmung“ bei Thomas Loderer. „Wir ermutigen Investoren dazu, neben preisgünstigeren auch hochwertige kleine Wohnungen zu bauen.“ Das werde in Zukunft sicher ein Planungsziel der Gemeinde bleiben.

Tania Campbell hatte eine ganz andere Idee: Sie schlägt vor, dass die Bewohner in der Demos-Siedlung WGs gründen, um die Häuser besser zu füllen. Die Gemeinde könne hier eine Initiative übernehmen, um die Leute zusammen zubringen. Sabine Athen schlug eine Tauschbörse über das Netzwerk der Gemeinde vor. So könnten ältere Menschen ihre große Wohnung tauschen gegen kleinere von Familien, die sich vergrößern möchten.

Flächenverbrauch und Verkehr

Tassilo Breitenbach meldete sich als Zweiter zu Wort: Er hatte den Eindruck, dass verschwenderisch mit dem Platz in Ottobrunn umgegangen werde. Beispiel Isarcenter, Aldi und Lidl, die sehr niedrig bauen. Wie Loderer erklärte, ermutige die Gemeinde Bauwerber, mancherorts höher zu bauen, etwa beim Isarcenter. Er hätte sich hier weniger Flächenverbrauch gewünscht, aber der Eigentümer sei auf Angebote der Gemeinde nicht eingegangen, in die Höhe zu bauen.

Ein Beitrag von Herbert Schmaus sorgte für Erheiterung: Er wandte sich an den Bürgermeister im Hinblick auf den zweigleisigen Ausbau der S-Bahn-Linie  7. Loderers Partei, die CSU, sei in der Verantwortung: Sie stelle immerhin den Verkehrsminister und es gehe doch nichts vorwärts. Loderer antwortete: Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden hätten gemeinsam mit dem Landratsamt Vorstöße unternommen hätten, seien aber nicht durchgedrungen.

Kommunalwahl 2020 im Landkreis München

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis München haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis München.

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