Vor einem blühenden Rosenbusch im heimischen Garten in Ottobrunn: Yannick Rouault möchte den Garten gerne zukünftig möglichst naturnah pflegen.
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Vor einem blühenden Rosenbusch im heimischen Garten in Ottobrunn: Yannick Rouault möchte den Garten gerne zukünftig möglichst naturnah pflegen.

Bundestagswahl 2021

Yannick Rouault (ÖDP) lebt nach dem Prinzip: „Weniger ist mehr“

  • Marc Schreib
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Der Einsatz für Umwelt ist Yannick Rouault in die Wiege gelegt worden. Mutter Birgit Rouault war bei der ÖDP und kandidierte 2008 für den Landtag. Jetzt folgt Sohn Yannick Rouault (27) als Bundestagskandidat für den Stimmkreis München-Land nach.

Ottobrunn - Beruflich ist Yannick Rouault vielseitig. Als Kameramann, Tonmann und Fotograf. Der Ottobrunner hat Imagefilme produziert mit Konzeption, Dreh, Kamera, Schnitt. In der Regel arbeitet er fürs Fernsehen. Gerade eben hat er eine Drehreise für Terra X absolviert. Diesmal ging es zum Rembrandt-Haus nach Amsterdam. Kein Drehtag ist wie der andere. Hinzu kommt seine Arbeit als Fotograf. Nach der jüngsten Ausstellung im Ottobrunner Rathaus zum Kohleabbau in Nordrhein-Westfalen hat er die ersten Bilder verkauft. Dokumentiert wird in der Reihe der Abriss eines Ortes.

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Als Kind schon Bioprodukte und mit dem Zug in die Ferien

Schon in der Erziehung ist Yannick Rouault ökologisch geprägt worden. Eingekauft wurde beim Biomarkt zu einer Zeit, als es noch wenig populär war. Ein Auto gab es keines, bis die Söhne 18 Jahre alt wurden. Sie machten den Führerschein für den Fall, dass es beruflich nötig wäre. Und in der Tat kann Yannick Rouault das Equipment für seine filmischen Arbeiten nicht anders als in einem Fahrzeug transportieren. Aber in der Kindheit wuchs er ohne Auto auf und fuhr mit seinen Eltern im Zug in die Ferien.

Yannicks Mutter kam durch die Ortsverbandsvorsitzende Ursula Esau zur ÖDP: „Die Ursula lief ums Viertel, und unterwegs versuchte sie, die Leute für die umweltbewusste Politik zu begeistern.“ Im Falle der Rouaults klappte es prompt, erst bei der Mutter, jetzt beim Sohn.

Vor vier Jahren während eines Praxissemesters bei einer Firma in Ottobrunn, die Objektive herstelle, kam Yannick Rouault in den Sinn, sich politisch zu engagieren mit dem Gedanken: „Man kann nicht immer nur schimpfen. Man muss aktiv werden und selbst nach Lösungen suchen.“

Darum ist Yannick Rouault bei der ÖDP

Beeinflusst durch seine Erziehung gab es für ihn die Wahl zwischen der ÖDP und den Grünen. Zwei Schwerpunkte gaben den Ausschlag: „Die ÖDP ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige wachstumskritische Partei mit der Losung: Weniger ist mehr.“ Von Beschränkungen wolle niemand gerne etwas hören. Aber man müsse doch die Bedürfnisse zurückfahren und sich überlegen: „Wie soll das propagierte endlose Wachstum möglich sein mit endlichen Ressourcen?“

Für den Ottobrunner gibt es folgenden Lösungen: Zum Beispiel müssten Unternehmen bilanzieren, was sie für das Gemeinwohl getan haben. Zweitens die Kreislaufwirtschaft: Also nicht nur das Recht, sondern die Pflicht zur Reparatur. Gerade in der Baubranche solle es nicht nur ein Downcycling (die Wiederaufbereitung von Materialien) geben, sondern ein echtes Recycling. Ganz schlimm werde es, wenn Gebäude zu Wegwerfprodukten werden. Da würden Anreize für Neubauten geschaffen, statt das Bestehende zu renovieren.

Das Thema Nachverdichtung ist für den 27-Jährigen drängend. Beispiel Vogelviertel Ottobrunn: Hier ist der ÖDP-Kandidat der Meinung, dass geprüft werden müsse, welche Flächen bebaut sind. Diese könne man ausbauen. Aber dass man für eine neue Tiefgarage viele Bäume fällt, das will er nicht einsehen. Gegen die Verdichtung der Boomregionen regt er die Stärkung des ländlichen Raumes an, und auch die Förderung von Bürger-Energieparks ist sein Feld.

Oppositionspolitik funktioniert auch, ohne im Bundestag zu sitzen

Was Yannick Rouault an der ÖDP gefällt, ist die Unternehmens-Spendenfreiheit oder auch die erfolgreichen Volksbegehren zum Nichtraucherschutz und zur Artenvielfalt: „Wir können Oppositionspolitik betreiben, ohne im Land- oder Bundestag vertreten zu sein.“ Würde er gewählt, dann wäre seine Priorität, bessere und sichere Rahmenbedingungen zu schaffen etwa für Radschnellwege. Der ÖDP-Kandidat könnte sich vorstellen, diese aufzuwerten und in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen: die Fahrradautobahn. „Das käme auch dem Landkreis München zugute.“ Auch im öffentlichen Personennahverkehr gibt es jede Menge Handlungsbedarf: den Ausbau der S7 oder vielleicht einen S-Bahnring umzusetzen. Auch Ruf-Bussysteme möchte er gerne stärker fördern, zum Beispiel durch eine finanzielle Unterstützung des Bundes.

Das Bus-System in Ottobrunn, Unterhaching und Neubiberg hält er für sehr gut, aber ihm fällt der Kontrast zu anderen Gemeinden auf. Als er eine ÖDP-Sympathisantin in Harthausen besuchte, klagte sie: „Ja, der Bus ist super, aber fährt nur einmal in der Stunde.“ Es gilt, die Strukturen zu verbessern. „Dafür würde ich gerne antreten.“

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