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Carlos Barbosa-Lima (l.) und Larry del Casale

Carlos Barbosa-Lima beim Festival der Gitarren in Ottobrunn

Gitarren-Legende in Leihgarderobe

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Ottobrunn – Großartige Klänge und zwischenmenschliche Töne beim "Festival der Gitarren": Der Star spielte in Leih-Garderobe, weil der Koffer abhanden kam. Und über die Künstlerischen Leiter gab es Geschichten aus dem Nähkästchen.

Den Abend eröffnete Johannes Tonio Kreusch auf der Klassik-Gitarre, präsentierte eigene Musik zwischen Improvisation und Komposition. Gemeinsam mit seinem Bruder Cornelius Claudius Kreusch, ein renommierter Jazz-Pianist, hat er vor zwei Jahren das Gitarren-Festival zum Leben erweckt (wir berichteten). 

„Ja, die Kreusch-Kinder sind hochbegabt“, flüsterte eine ältere Dame in Reihe drei. Auf Nachfrage stellte sie sich ihrer Sitznachbarin vor: Sie heiße Helga Stroux und habe früher am Ottobrunner Gymnasium Deutsch und Musik unterrichtet. „Die Brüder waren meine Schüler“, sagte sie voller Stolz. Die beiden hatten sie zum Konzert eingeladen. An die erste Begegnung erinnert sich die Lehrerin a.D. noch genau.

An den Tag, als sie Cornelius zum ersten Mal sah. „Das war in der fünften Klasse. Er kam rein und hat sich gleich an den Flügel gesetzt“, sagte sie und lacht. Die ganze Klasse sei sprachlos gewesen. „Von dem Tag an habe ich gewusst, dass Cornelius einmal ein ganz Großer wird.“ Auf sein Drängen hin habe es am Gymnasium den ersten Leistungskurs Musik gegeben. 

Und den Johannes, den hätten alle nur „Jo“ genannt. „An der Gitarre ist er einfach Weltklasse“, sagte sie gerührt. Purer Musikgenuss ohne Schnickschnack und Klimbim, eine intensive Begegnung mit dem Instrument in seiner Vielfalt. Ein Erlebnis. 

Das Bühnenbild von Sepp Hagn, dem Technischen Leiter im Haus, ein Hingucker: eine schlichte Skulptur aus weißen Gitarren, einer Bahnhofsuhr und Instrumentenkoffern im rechten Eck. Bürgermeister Thomas Loderer erklärte den Sinn: „Jede der Gitarren soll später von den Weltklasse-Musikern signiert und ausgestellt werden.“ 

Weil das Amadeus-Guitar-Duo krankheitsbedingt absagen musste, hatte Carlos Barbosa-Lima seinen Duo-Partner Larry del Casale aus New York eingeladen. Die beiden auf der Bühne in Ottobrunn zu erleben, war hoch konzentrierter Gitarrengenuss. „Classical Gas“ und „Saturday Night at the world“ von Mason Williams oder Jobims Filmmusik-Klassiker „A Felicidade”. Sensationell. 

Del Casale parlierte gern mit dem Publikum. Dieses erfuhr unter anderem, dass sein Koffer am Flughafen verloren gegangen war und er nun in geliehener Kleidung auf der Bühne stehe. „Drei Blondinen und eine Brünette“ sorgten nach der Pause für Furore. 

Die Sängerin Christina Lux, im Gepäck drei Gitarren, eine davon in Maron. „Die Brünette ist gestern 20 Jahre geworden“, sagte sie stolz. Auch sie sei bereits 51, obwohl sie sich nicht so fühle. „Aber das Schöne am Älterwerden ist ja, das man sich damit Zeit lassen kann.“ Ihre Lieder sang sie mal deutsch, mal englisch, immer mit Herz. Soul und Folk gilt ihre Liebe. 

Den Abend beschloss der Belgier Jacques Stotzem, der Fingerstyle-Gitarrist. „Habt ihr Lust, ein wenig Gitarrenmusik zu hören?“, fragte er, legte los und sorgte für ein atemberaubendes Finale. Swingende Basslinien, satte Akkorde, deftige Blues-Artikulationen. Seine Moderation hielt er auf Deutsch, die Augen sind beim Spiel geschlossen. „Es ist gut für Euch, wenn ich nicht singe“, sagte er vergnügt. Seine Lieder erzählen die Geschichten. Den Auftritt krönte er virtuos mit einem Jimmy-Hendrix-Medley.

Kathrin Kohnke

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