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Auf dieser Fläche werden Container aufgestellt. 

Container für 28 Flüchtlinge an der Hochackerstraße in Ottobrunn geplant

Asylunterkunft: Anwohner schlagen Alarm

  • Janine Tokarski
    vonJanine Tokarski
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Ottobrunn - Heftiger Gegenwind schlug Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer entgegen: Er musste heftige Kritik für die Pläne, an der Hochackerstraße Flüchtlinge unterzubringen, einstecken. Und persönliche Kritik.

Bei der Bürgerversammlung blieb es ruhig. Erstaunlich ruhig. Keine einzige Wortmeldung gab es zu den geplanten Wohncontainern für Flüchtlinge an der Hochackerstraße 8, über die Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) informierte. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Und der brach sich nun im Gemeinderat Bahn, in der das Gremium diese Pläne absegnete. 

Rund 40 Anwohner waren gekommen – und machten ihrem Ärger Luft. Schnell zeigte sich, dass es nicht nur Ängste und Sorgen bezüglich der neuen Nachbarn gibt. Auch der Rathauschef musste für seine Linie herbe Kritik einstecken. 

„Was hier geboten wird, ist nicht akzeptabel“, wetterte Anwohner Helmut Betzmeier. Er fragte, ob diese Entscheidung „unabwendbar“ sei. „Kann man Einfluss nehmen? Oder muss man das alles über sich ergehen lassen?“ Vor allem konnte der Anwohner „nicht verstehen“, dass die Container für 26 bis 28 Flüchtlinge – und nicht wie ursprünglich gedacht für 40 Asylsuchende – „mitten im Zentrum“ aufgestellt werden. 

Der Aufbau beginnt am 9. November, die ersten Bewohner sollen im Dezember einziehen. Viele Bürger sorgten sich um Ruhe und Frieden in dem dicht besiedelten Gebiet, in dem viele Familie leben. 

Rückendeckung bekamen sie von CSU-Gemeinderat Ludwig Bößner. Loderers Fraktionskollege stimmte als einziger gegen die Pläne. Ihm ist das Grundstück „zu zentral für Container“. Ihm wäre es lieber, die Flüchtlinge am Ortsrand in einem Gewerbegebiet unterzubringen. Zudem sei es schade, „wenn das Grundstück für den Bau von Sozialwohnungen für Ottobrunner belegt“ wäre. Wenig Verständnis zeigte 

Dritte Bürgermeisterin Ariane Wißmeier-Unverricht (SPD) für derlei Argumente: „Diese Menschen haben nichts anderes vor, als hier bei uns zu wohnen. Darum sind sie in einem Wohngebiet sehr gut aufgehoben.“ Sie begrüßte das „pro-aktive Verhalten unseres Bürgermeisters sehr“. Zudem seien 26 bis 28 „keine so horrenden Zahlen, das man Angst haben müsste“. Und auch FDP-Vertreter Gerald Kunzmann warnte: „Man darf sozial Schwache nicht gegen Asylbewerber ausspielen.“ 

Auf seine Anregung wurde im Beschluss festgelegt, dem Landkreis die Nutzung der Fläche erstmal bis 31. Dezember 2016 zur Verfügung zu stellen. Zudem hatte Bürgermeister Loderer schon betont, dass die Gemeinde auch vorab vom Recht Gebrauch machen werde, das Areal anderweitig zu nutzen, sollte es konkrete Pläne, beispielsweise für sozialen Wohnungsbau, geben. 

Dennoch: „War es ein Schnellschuss oder wirklich überlegt, das Areal anzubieten?“, fragte Anwohner Andreas Holtschke. Die Anlieger seien durch die dort angesiedelte Shisha-Bar und die Nutzung des Geländes an der Hochackerstraße 8 als Lagerplatz für Bauarbeiten „genug geplagt. Unsere Argumente wurden vom Tisch gewischt“. 

Loderers Kommentar, zu von Anwohner vorgeschlagenen Alternativen wolle er keine Stellung nehmen, „find’ ich nicht so prickelnd“. Dafür erntete er Applaus. Wie auch ein weiterer Redner, was Loderer sichtlich nervte: „Beifallsbekundungen sind im Gemeinderat nicht erlaubt.“ Der Rathauschef wies daraufhin, dass es längst nicht mehr um „ein Entweder oder“ bei der Standortsuche gehe, sondern „um ein Sowohl als auch“. 

Zumal Ottobrunn bis Jahresende 573 Flüchtlinge unterbringen muss, aber Unterkünfte für insgesamt 136 Menschen in der Josef-Seliger Siedlung wegfallen, wenn die Altmieter in die sanierten Räume ziehen. Allerdings gibt es müssen aktuell woanders unterkommen, für 106 gibt es einen Aufschub bis Ende Januar. Doch das Platzproblem in der sehr eng besiedelten Gemeinde bleibt. 

Dennoch empörte sich auch Alexander Miehr darüber, „was wir Anwohner uns bieten lassen müssen, weil Sie untätig waren. Schlimmer kann es auch nicht mehr werden“. Er erinnerte den Bürgermeister daran: „Sie sind ein gewählter Volksvertreter, haben sich aber auf mehrere Anfragen entschuldigen lassen und waren zu keiner Aussage bereit. Wie passt das zu Bürgernähe?“ Loderer konterte. Er habe sehr wohl schriftlich geantwortet und lediglich ausrichten lassen, „dass ich keinen Sinn für ein Gespräch sehe, so lange ich keine weiteren Informationen habe als in der Bürgerversammlung verkündet“. 

Janine Tokarski

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