Über Corona-Maßnahmen diskutierten (v.l.) FW-Landktagsmitglied Susann Enders, Thomas McKie, Elternsprecher Gymnasium Neubiberg, und Erika Aulenbach, Fraktionsvorsitzende Bürgervereinigung Ottobrunn. SAB
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Über Corona-Maßnahmen diskutierten (v.l.) FW-Landktagsmitglied Susann Enders, Thomas McKie, Elternsprecher Gymnasium Neubiberg, und Erika Aulenbach, Fraktionsvorsitzende Bürgervereinigung Ottobrunn.

Gespräch mit MdL Enders (FW)

Corona-Maßnahmen an Schulen: Die Zeit des Ausprobierens ist vorbei

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
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Bei einer Diskussion in Ottobrunn hat der Sprecher eines Elternbeirats die Corona-Maßnahmen an Schulen scharf kritisiert. FW-Landtagsabgeordneten Susann Enders sagt: „Nichts war unkoordiniert.“

Ottobrunn – Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist oft eine Herausforderung. Covid-19 macht diese Aufgabe nicht leichter. Wie es wirklich aussieht, davon können nur Eltern berichten, die diese Herausforderungen täglich stemmen. Jetzt haben die Freien Wähler Ottobrunn einen vierfachen Vater mit der FW-Landtagsabgeordneten Susann Enders über das Thema diskutieren lassen.

„Es kamen zu wenig Informationen unten an“, sagte Gemeinderätin und Fraktionsvorsitzende Erika Aulenbach im Fraktionsgespräch. Mit „unten“ meint sie die Bürger, die oft die zeitliche Abfolge oder auch die getroffenen Schutzmaßnahmen nicht verstanden hätten. Deshalb brachte Aulenbach zwei „Akteure“ zusammen: die gesundheitspolitische Sprecherin der Freien Wähler im Landtag, Susann Enders, und den Vater von vier Kindern, Thomas McKie als Elternsprecher des Neubiberger Gymnasiums.

„Nichts war unkoordiniert“

Enders war 25 Jahre lang OP-Schwester. In die Politik kam sie aus Ärger und Protest gegen familienfeindliche Arbeitsbedingungen. Corona habe sie und den Gesundheits- und Sozialbereich „voll erwischt“. Tagesaktuell hätte man in Absprache zwischen Gesundheits- und Wirtschaftsministerium agiert. „Nichts war unkoordiniert“, bekräftigte Enders. Aktuell sei die Intention weiterhin, die Gesundheit zu erhalten und Einschränkungen so gering wie möglich zu halten.

Das Virus funktioniere auch wie ein Brennglas und habe in vielen Bereichen gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe. Enders sprach hier die Akzeptanz und Wertschätzung der „systemrelevanten Berufe“ im Erziehungs- und Pflegebereich an, was sich auch im Geldbeutel niederschlagen müsse. Aber auch der Aufbau von Lagern und Produktionsstätten in Europa, um von asiatischen Lieferketten unabhängig zu werden.

„Der Sinn erschließt sich mir nicht.“

Nach über sieben Monaten Leben mit Corona ist es für Thomas McKie jedoch an der Zeit, „nicht mehr zu probieren“, sondern auf Erfahrungen zurückzugreifen. „Kinder werden in der Schule getrennt, verbringen zeitversetzt ihre Pausen, im Schulbus jedoch stehen sie dicht gedrängt und zum Teil ohne Maske, da die Luft in den Bussen so schlecht ist. Der Sinn erschließt sich mir nicht.“ Auch forderte er einen Lern- und Umdenkprozess ein, da Corona viele bereits seit Jahren brachliegende Missstände lediglich zu Tage gebracht habe.

Bei der Digitalisierung, monierte McKie, „sind wir im Vergleich zu anderen Ländern extrem rückständig, kaum eine Schule in Bayern ist digital gut aufgestellt.“ Die aus dem Digitalpakt zur Verfügung stehenden Gelder würden nicht abgerufen, die Bürokratisierung blockiere hier Vieles. „Das Geld kommt nicht dort an, wo man es braucht“, so McKie. Sein Vorschlag lautet, den Schulen ein Budget zu geben. über das sie eigenverantwortlich verfügen dürfen. Das vereinfache nicht nur die Prozesse, sondern sei auch zielgerichtet, „da die Schulleitungen doch am besten wissen, wo und wofür das Geld am sinnvollsten gebraucht wird.“

Auch die „auf Kante genähte“ Personalstruktur mache ein schnelles Reagieren so gut wie unmöglich. „In Personal und Ausstattung muss viel mehr investiert werden“, lautete McKies Fazit. Dass Lehrer gebraucht werden, sei nichts Überraschendes. Auch abgesehen von Corona „brauchen wir eine funktionierende Schule mit funktionierender Infrastruktur.“

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