Sieht den Lockdown als Chance: „Kadu“-Inhaber Julian Langheinrich (27).
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Sieht den Lockdown als Chance: „Kadu“-Inhaber Julian Langheinrich (27).

Neueröffnung ohne Gäste

Gastronom eröffnet mitten im Lockdown Lokal - und sieht darin wichtigen Vorteil

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Restaurants bangen gerade um ihre Existenz, manche müssen sogar schließen. In Ottobrunn hat ein junger Mann mitten im Lockdown ein Restaurant eröffnet. Eine Entscheidung, die er nicht bereut.

Ottobrunn – Die blaue Farbe der neuen Samthocker glänzt noch im Licht der Sonne. Auf den gedeckten Tischen liegt kein einziges Staubkorn, der Parkettboden ist frisch geölt. Die Einrichtung des „Kadu“ in Ottobrunn scheint im Dornröschenschlaf zu liegen. Alles wartet seit der Eröffnung Anfang Dezember darauf, endlich von den Gästen benutzt zu werden. Wegen des Lockdowns war das nicht möglich – und wird es vorerst wahrscheinlich auch nicht sein.

Ottobrunn: Gastronom eröffnet mitten im Lockdown ein Lokal - „Habe oft zwischen totaler Vorfreude und Panikattacken geschwankt“

„Ich habe oft zwischen totaler Vorfreude und Panikattacken geschwankt“, sagt Julian Langheinrich, der Inhaber des hippen Restaurants an der Rosenheimer Landstraße. Bereut habe er es jedoch nie, während der Pandemie ein Lokal eröffnet zu haben. Er sieht die derzeitige Situation eher als Chance: „Der Vorteil ist, dass ich mich langsam an alles herantasten kann und nicht gleich ins kalte Wasser geschmissen werden.“

Das „Kadu“ in Ottobrunn

Erfahrung im Gastronomiebereich konnte Langheinrich jedoch schon sammeln. Mit einem Geschäftspartner gehört ihm der Ottostrand, ein Biergarten in der Gemeindemitte. Außerdem hat er viele Jahre bei „Hans im Glück“, einem Unternehmen mit mehreren Burger-Läden, als Marketingmanager gearbeitet. Ein eigenes Restaurant war aber schon immer der Traum des 27-Jährigen.

Neues Restaurant in Ottobrunn: Gastronom blickt trotz Corona optimistisch in die Zukunft

Im Sommer kam das verlockende Angebot. „Ich habe gesehen, dass die Räume hier leerstehen“, sagt Langheinrich. „Erst habe ich nur beim Eigentümer nachgefragt, aber das alles hat mir so gut gefallen, dass aus der spontanen Idee eine ernste Überlegung wurde.“ Damals ahnte er noch nicht, dass ein zweiter Lockdown seinem Vorhaben einen Dämpfer verpassen würde.

Doch Langheinrich ist Optimist durch und durch. Seine Freunde und die Familien sahen den Plänen in der Anfangszeit allerdings skeptisch entgegen. „Die erste Reaktion war immer: Spinnst du eigentlich, jetzt ein Restaurant zu eröffnen?“ Aber Langheinrich hatte sich alles lange und gut überlegt. Kosten für Mitarbeiter ausgerechnet, Ausfälle aufgrund von Corona kalkuliert. „Ich habe mich intensiv damit auseinandergesetzt und auf alle kritischen Fragen eine Antwort gehabt“, sagt der Inhaber. „Da konnten alle nur noch sagen: eine super Idee.“

Monatelang plante und renovierte er das Ottobrunner Restaurant. Ein grüner Teppich aus echten Pflanzen ziert die Wand, Glühlampen im Industrial-Stil hängen von der Decke. Großstadtflair im Vorort. Am 5. Dezember war es endlich soweit: die Eröffnung des Restaurants. Leider musste sie ohne Gäste stattfinden. Dafür bietet das „Kadu“ seitdem To-Go-Gerichte an. „Das läuft auch ganz gut“, erzählt Langheinrich.

Corona in Ottobrunn: Restaurant-Eröffnung ohne Gäste - stattdessen gibt es To-Go-Gerichte

Bis vor zwei Wochen konnten die Kunden Frühstücke abholen, nun bietet das „Kadu“ auch Mittag- und Abendessen an. „Wir sind eine Cross-over-Küche“, sagt der Inhaber. Das heißt, dass sich das Restaurant nicht auf eine Richtung spezialisiert hat, sondern quer Beet verschiedene Gerichte anbietet. „Hier bekommt man alles, was lecker ist.“ Besonders beliebt sind das Avocado-Brot oder der Black-Bun-Burger mit Parmesan-Trüffel-Pommes.

Einen Lieferservice bietet Langheinrich nicht an. Das hat einen Vorteil: Die Gäste können sich schon einmal einen Eindruck von dem neuen Restaurant machen. „Alle freuen sich darauf, hier einen schönen Abend verbringen zu können.“ Das wird aber noch mindestens bis Ende März dauern, schätzt Julian Langheinrich. „Dann schmeißen wir aber eine richtige Eröffnungsfeier.“

Eigentlich wollte ein Grünwalder seiner Frau nur eine Freude machen - und mit ihr an ihrem Geburtstag zum Langlaufen fahren. Doch der Ausflug nach Benediktbeuern endete für eine Ehepaar mit 1000 Euro Schaden am Auto und viel Ärger. Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

(Von Laura Forster)

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