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Fakultät für Luft- und Raumfahrt in Ottobrunn und Taufkirchen: Die Ruhe vor dem Studenten-Ansturm

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Von: Doris Richter

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Nur die Fahnen vor dem Fakultätsgebäude weisen bisher darauf hin, dass sich hier Großes entwickelt.
Nur die Fahnen vor dem Fakultätsgebäude weisen bisher darauf hin, dass sich hier Großes entwickelt. © BRO

Vor drei Jahren hat die TUM mit dem Aufbau ihrer neuen Fakultät für Luft und Raumfahrt begonnen. Im Moment sind noch mehr Bauarbeiter als Studenten unterwegs.

Taufkirchen/Ottobrunn – Kurz ist Michael Klimke verwirrt. „In welchem Stockwerk sind wir jetzt?“, fragt er und schaut kurz nach links. Die Gänge des TUM-Gebäudes in der Lise-Meitner-Straße sehen noch alle gleich aus. Keine Farben, keine Bilder. Über den Infoscreens kleben noch die Schutzfolien. „Ab Oktober brummt es hier aber“, sagt Klimke, Leiter der Standortentwicklung und ehemals Geschäftsführer der Fakultät. Seit Oktober 2021 firmiert sie als Department Aerospace and Geodesy unter dem Dach der TUM School of Engineering and Design. Von Oktober 2022 an finden im neuen Hörsaal, der gerade ausgebaut wird, erste Vorlesungen statt.

Platz ist noch begrenzt

Zum Sommersemester startet schon ein erstes, kleineres Studienangebot. 750 Studierende gibt es an der TUM in den drei Studienrichtungen Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie schon. Und 25 Professoren. Doch erst sieben Professoren arbeiten bisher am neuen Standort. Und eine Handvoll Studenten, die mit ihnen an Forschungsprojekten arbeiten. „Viele Professoren haben ihre Labore noch in Garching oder München und auch der Studienbetrieb findet dort statt“, erklärt Klimke.

Der Platz im Technik- und Innovationspark ist noch begrenzt. Rund 15 000 Quadratmeter Fläche umfasst dieser Teil des neuen „Space Valley“, wie es Ministerpräsident Markus Söder großspurig nannte. Doch die Ziele sind ehrgeizig: In den kommenden Jahren sollen hier nach und nach 55 Professoren und bis zu 4000 Studierende ein- und ausgehen. Geplant sind modernste Hörsäle, Arbeitsräume, Hallen und Werkstätten auf einer Fläche von rund 66 000 Quadratmetern.

Ziel der Forschung und Lehre ist nicht, teure und noch weit in der Zukunft liegende Marsmissionen zu planen. Vielmehr geht es darum, die Erde und unsere Umwelt als Ganzes zu verstehen und Lösungen für die großen Fragen der Menschheit anzubieten. Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. „Etwa Fliegen mit weniger Kraftstoff und auch leiser“, nennt Michael Klimke ein Beispiel.

Strecke für Hyperloop

Auch Gabriele Semino, Projektleiter beim Hyperloop-Team der TUM, arbeitet seit vergangenem Jahr auf dem Campus. „Es ist spannend mitzubekommen, wie sich das hier entwickelt“, sagt er. Hier bekämen er und sein Team auch die Möglichkeit, sich mehr auszubreiten. „In Garching ist alles schon sehr voll.“ Derzeit steht die Kapsel des Hyperloop noch unter einer Plane im Hörsaal. Doch die TUM hat Räume beim Nachbarn Panasonic angemietet, wo bald eine 24 Meter lange Teststrecke entstehen soll. Am meisten freut sich Semino, wenn endlich die Studenten kommen. Und nicht nur die Flaggen vor dem Haus auf die Universität hinweisen.

Markus Ryll, Professor für Autonome Flugsysteme, ist im Sommer auf den neuen Standort gezogen. „Wenn der Betrieb hier richtig läuft, können wir viele Synergieeffekte nutzen“, erklärt er. So wird es eine zentrale mechanische und eine elektronische Werkstatt geben. Gemeinsam könne man hochwertigere Geräte anschaffen und Know-how austauschen.

Hinter einem breiten Garagentor arbeitet Ryll mit Studenten in einem Fluglabor an verschiedenen Drohnen. Unter anderem geht es darum, wie fliegende Roboter den Menschen das Leben erleichterten können. Indem sie Medikamente von A nach B transportieren, Landschaften von oben kartografieren. Oder indem Drohnen mit Roboterarmen bei der Apfelernte helfen oder heikle Wartungsarbeiten durchführen. Zusammen mit Partnern aus der Industrie arbeiten Ryll und sein Team zudem an großen Systemen wie Flugtaxis.

Der Standort dort am Ludwig Bölkow Campus ist für die TUM auch deshalb ideal: Große Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie wie Airbus und die IABG sind direkt in der Nachbarschaft. Aber auch immer mehr kleinere und Start-ups siedeln sich hier an. „Es herrscht richtige Goldgräberstimmung“, beschreibt es Leiter Michael Klimke.

Ein Klima des Aufbruchs, das beflügelt – aber auch Risiken birgt für die TUM. Denn um weiter auf Wachstumskurs zu bleiben, braucht die TUM noch deutlich mehr Flächen. Der Freistaat selbst hat hier keine. „Wir stehen aber im guten Kontakt zu allen hier am Campus“, sagt Klimke. Werden Gebäude frei oder neu gebaut, versucht die TUM zum Zug zu kommen.

Per Bus zum Campus

Wie die TUM sich am Standort bestmöglich weiterentwickeln kann, darum geht es auch in einer Machbarkeitsstudie, die derzeit der Landkreis München koordiniert (siehe Kasten). Vor drei Jahren wurde sie beschlossen. Jetzt soll sie endlich ausgeschrieben werden.

Es geht bei der Studie nicht nur um die Identifikation von Erweiterungsflächen, sondern auch um die Erschließung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und um ökologische Belange. Derzeit ist der Campus nur mit dem Bus zu erreichen. „So schlecht ist das aber gar nicht“, sagt Klimke. Der Schnellbus X200 fahre alle fünf Minuten vom Ostbahnhof und brauche nur 18 Minuten. Schwieriger sei eher die Verbindung nach Garching.

Drohnenexperte: Professor Markus Ryll forscht mit Studenten an autonomen Flugsystemen.
Drohnenexperte: Professor Markus Ryll forscht mit Studenten an autonomen Flugsystemen. © Brouczek

Klare Vision

Offen ist auch noch das Thema der Essensversorgung. Eine eigene Kantine gibt es nicht. Um den Studenten ab Herbst günstig Essen anbieten zu können, ist Klimke noch auf der Suche nach einem Caterer. Eine Cafeteria wäre schön, aber „notfalls stellen wir auch ein Zelt auf.“

Auch wenn alles langsam anläuft, es viele Baustellen gibt: „Der Standort hier hat enormes Potenzial und wir haben viel Gestaltungsspielraum.“ Man habe eine Vision und müsse jetzt die Leute mitnehmen. Es soll auch ein offenes Haus werden. „Die Menschen sollen sehen, was hier gemacht wird und sich für Technik und ihren Nutzen begeistern“, sagt Klimke und öffnet die Tür zu einem Raum, wo gerade dicke Lüftungsrohre an der Decke verbaut werden.

„Das wird das Foyer, der Haupteingang, die Visitenkarte“, erklärt er. „Da hinten wird Wissenschaft vermittelt, technische Lösungen werden diskutiert, am Computer simuliert, und da draußen gelangt man über den Balkon hinunter in die Werkstätten, wo die Systeme dann gebaut werden können.“ Klimke und seine TUM-Kollegen haben ihre Vision klar vor Augen.

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