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Verstehen sich bestens: Hauptdarsteller Cosmo (13) und Regisseur Franz Stepan.

Premiere  des Dokumentarfilms "Cosmo und die andere Seite der Straße"

Dokumentarfilm: Zwischen Paradies und "Inferninio"

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Ottobrunn – Kinderdorf oder "die kleine Hölle"? Der Ottobrunner Franz Stepan hat einen Dokumentarfilm über ein Kinderdorf in Brasilien gedreht, das ein Pfarrer aus Altötting gegründet hat. Der Film geht unter die Haut.

Idyllisch liegt das Kinderdorf am Rande von Guarabira, einer Stadt mit rund 60 000 Einwohnern im Nordosten Brasiliens. Umgeben von Palmen finden 250 Kinder in der weitläufigen Anlage „das Paradies“, sagt Filmemacher Franz Stepan aus Ottobrunn. Regelmäßige, gesunde Mahlzeiten, eine Schule und für rund 35 Buben auch Schlafstätte und Zuhause. 

Doch nur wenige Meter entfernt wartet „Inferninio“, die „kleine Hölle“. Zwischen dem Kinderdorf und „Inferninio“ verläuft ein Weg. „Dort müssen sich die Kinder entscheiden“, erzählt Stepan. Die Chance aufs Leben und auf eine bessere Zukunft in der Obhut von Pfarrer Gerhard Brandstetter aus Altötting, oder der Weg in den oft tödlichen Sumpf aus Drogen, Gewalt und Armut?

„Die andere Seite der Straße“, die von Kindern voller Hoffnung, zeigt Regisseur und Filmemacher Franz Stepan in seinem gleichnamigen Dokumentarfilm. Im Mittelpunkt steht Cosmo, 13. Er albert mit dem Filmteam aus München am Strand herum, spielt mit Kameramann Alexander Hackinger Fußball, lächelt und verzaubert die Crew. Ein ausgelassener, lebensfroher Bub. Mit seiner Art hat Cosmo Stepan, Geschäftsführer der TVT creative media, beeindruckt. 

Kaum vorstellbar, dass dieser Bub vor wenigen Monaten seine Mutter durch einen Mord verloren hat. Die verstümmelte Leiche wird beerdigt, als das Team aus Deutschland für zwei Wochen zum Filmdreh in Brasilien ist. Die Kamera hält nicht direkt drauf bei der Zeremonie, sie dokumentiert das Ereignis aus der Ferne. 

„Wir wollten keinen üblichen Betroffenheitsfilm machen“, betont Stepan. Eher eine „Momentaufnahme“ zeigen, „beobachten“, Hoffnung geben und Gutes tun. Denn Stepan hofft, mit diesem Film, der am Donnerstag 14. April, vor geladenen Gästen im Gasteig Premiere feiert, Spenden fürs Kinderdorf und Paten für seine Bewohner zu finden. 

Und so zeigen die 80 Minuten Dokumentation auch pure Lebensfreude inmitten bitterster Armut. Die Region Guarabira liegt im Bundesstaat Paraiba, „dem Armenhaus Brasiliens“, erzählt der Regisseur aus Ottobrunn. Drei Drogenbanden regieren die Straßen, meistens geht’s um Crack. Das Revier zweier Banden verläuft mitten durchs Kinderdorf, früher gab es oft Schießereien. Mittlerweile schützt eine Mauer die 250 Kinder sowie ihre 50 Lehrer und Betreuer, die Militärpolizei fährt durchs Gelände Streife. In dem Bundesstaat „ist die Mordrate mit eine der höchsten weltweit“, erzählt Stepan. „Hier ist das Leben nicht mehr wert als bei uns eine Fliege, die man an die Wand klatscht“, sagt Kinderdorf-Gründer Pfarrer Gerhard Brandstetter. 

Cosmos Mutter ist eines von zig Mordopfern jedes Jahr. Die Kriminalitätsrate ist immens hoch. Wer beispielsweise Schulden bei den Drogenbossen hat und nicht zahlen kann, wird umgebracht – und sei es wegen 50 Cent. Viele weiße Kreuze stehen auf einem Hügel hinter dem Kinderdorf. Erinnerungen an all jene Kinder, die es nicht geschafft haben – und auf den Straßen Guarabiras starben. 

Aber „80 Prozent schaffen es“, schätzt Stepan. Beispielsweise Marcelino. „Ein Positivbeispiel“ nennt Stepan den Protagonisten des Films. Nach dem Leben im Kinderdorf hat er eine Ausbildung gemacht und arbeitet in einer Recyclingfirma. Der Regisseur erzählt nicht nur die Geschichte von Cosmo, sondern auch die von Pfarrer Gerhard Brandstetter, der 1990 das Projekt Kinderdorf startete – in einem Stall. 

Mittlerweile hat der Altöttinger, den alle nur „Padre Geraldo“ nennen, den mindestens ein Drittel der Bewohner Guarabiras kennt und der „verehrt wird wie ein Heiliger“, die Leitung an Sebastian Haury abgegeben. Ein Top-Manager aus Deutschland, der eine Brasilianerin heiratete und erst einmal ausstieg. Sie beide verkörpern im Film Hoffnung, die sie durch ihr Engagement in eine der ärmsten Regionen der Welt gebracht haben. 

Hoffnung möchte auch Franz Stepan mit der Dokumentation säen, die ein Sponsor finanziert hat. Sie soll in Schulen gezeigt werden. Zudem laufen Verhandlungen mit einem Fernseh-Sender für eine Ausstrahlung. Denn es sollen möglichst viele Menschen sehen, wie das Leben auf der anderen Seite der Straße in Guarabira aussieht.

Janine Tokarski

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