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Barrierefrei geht‘s ab sofort in Putzbrunn in den Bus. Ralf Trotter freut‘s.

Ehepaar Trotter setzt sich für Barrierefreiheit ein

Ausgezeichnete Kämpfer

Seit zig Jahren kämpft das Ehepaar Trotter aus Ottobrunn gegen Hürden und für Barrierefreiheit - mit Erfolg. 

 Ottobrunn – Ralf Trotter mag den Begriff „behindert“ nicht. Er ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Mobilitätseingeschränkt nennt er das. Wenn überhaupt, dann wird er behindert: nämlich durch Schwellen, Treppen oder Kopfsteinpflaster. „Dinge, die ein vollkommen uneingeschränkter Mensch gar nicht wahrnimmt“, behindern mobilitätseingeschränkte Menschen wie ihn im Alltag.

Der ehemalige Bahnbeamte aus Ottobrunn setzt sich dafür ein, dass die Gesellschaft solche Hindernisse deutlicher wahrnimmt und im besten Fall beseitigt. Dafür zeichnete Landrat Christoph Göbel Ralf (67) und Adelheid (65) Trotter mit der Ehrennadel des Landkreises aus. Insgesamt bekamen 13 Frauen, sechs Männer und 17 Gruppen die Ehrennadel.

Fast ein ganzes Leben im Rollstuhl

Mit elf Jahren erkrankte Ralf Trotter an Polio. „Ich habe mein ganzes Leben im Rollstuhl gesessen und durfte vieles erleben: Studium, Familie, Kinder“, sagt Trotter. Allerdings gab es auch viele Barrieren zu überwinden. Während seines BWL Studiums gab es noch keine Behinderten-Parkplätze. Einmal stellte er also sein Auto auf den einzigen Parkplatz, der für ihn zugänglich war. Dass er dabei die Parkzeit überschritt, quittierte ihm die Polizei mit zehn Mark Strafe. Das war 1976. „Seitdem hat sich schon viel getan“, sagt Trotter. Einiges mit seiner Hilfe.

In Ottobrunn Zeichen gesetzt

Im Rahmen der Lokalen Agenda 21 suchte die Gemeinde Ottobrunn im Jahr 2004 Mitwirkende für den Arbeitskreis „Barrierefreies Ottobrunn“. Ralf und Adelheid Trotter engagieren sich dort seit mittlerweile 13 Jahren. Inzwischen ist das Gemeindezentrum mit selbstöffnenden Türen ausgestattet, ein für Rollstuhlfahrer geeigneter Weg führt über den Rathausplatz, und viele Baumaßnahmen werden mit besonderer Rücksicht auf in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen durchgeführt.

Das Ehepaar Ralf und Adelheid Trotter.

Auch Adelheid Trotter, deren rechtes Bein infolge einer Krankheit gelähmt ist, kennt Probleme mit Barrieren. Die 65-Jährige erinnert sich noch gut an die Schwierigkeiten, die sie mit dem Kinderwagen hatte. Für sie ein Beleg dafür, dass mit Barrierefreiheit alle gewinnen können: „Sie ist unentbehrlich für zehn Prozent der Bevölkerung, notwendig für 40 Prozent und komfortabel für 100 Prozent.“ Auch Ralf Trotter ist sich sicher: „Für Mütter mit Kinderwagen sind barrierefreie Zugänge ebenso praktisch wie für Sportverletzte oder eben Rollstuhlfahrer“.

Seit 2014 ist er Projektleiter für die Initiative „Putzbrunn Barrierefrei“. Die Auszeichnung mit der Ehrennadel versteht Trotter als Werbung für die Sache selbst: „Mir geht es dabei um die Anerkennung des Themas, dass es in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt.“ In Putzbrunn sind viele Neubauten inzwischen von vornherein barrierefrei gebaut worden. Ralf Trotter stimmt das zuversichtlich: „Da merkt man, dass sich schon einiges in der Wahrnehmung getan hat.“

Korbinian Bauer

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