Der Tatort in der Schillerstraße in Ottobrunn

Sohn erschlägt seinen Vater

Familien-Drama in Ottobrunn: Das sind die tragischen Hintergründe

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Schreckliches Ende eines Familienstreits: Am frühen Morgen steckte Thomas A. in seiner Wohnung eine Couch in Brand. Abends suchte der 42-Jährige sein Elternhaus heim, wo er auf seinen Vater losging.

OttobrunnEs muss ein furchtbares Bild gewesen sein, das sich Heidi A., der Ehefrau des 76-Jährigen bot, als sie am Mittwochabend gegen 20 Uhr nach Hause kam. Sie fand ihren Mann im Keller des Hauses an der Schillerstraße – er lag am Boden und hatte schwere Kopfverletzungen. Sofort wählte sie den Notruf. Zeitgleich bemerkte sie, dass ihr Sohn im Hause war. „Er hatte dort jederzeit Zugang, war zu Besuch, schlief aber nicht regelmäßig dort“, sagt Josef Wimmer, Chef der Münchner Mordkommission.

Noch bevor die Rettungskräfte eintrafen, attackierte Thomas A. auch seine Mutter. Bei dieser Auseinandersetzung brach der Sohn seiner Mutter den Arm. Für Vater Helgo kam jede Hilfe zu spät. „Nach aktuellem Stand der Ermittlungen erschlug der 42-Jährige seinen Vater mit massiver stumpfer Gewalt gegen den Kopf“, sagt Wimmer. Wie und womit der Vater getötet wurde, soll eine Obduktion klären. Die Polizei nahm den Sohn noch am Tatort fest. Der 42-Jährige hat bisher noch nichts zur Tat gesagt. Er wollte einen Rechtsanwalt.

Der 29. November markiert das Ende eines dunklen Kapitels in der Familiengeschichte. Helgo A. hat ein scheinbar perfektes Leben geführt. Geboren in Berlin, aufgewachsen in Bremen, Volkswirtschaftsstudium in München – danach hat A. in London die deutsche Filiale der Industrie- und Handelskammer aufgebaut. 1973 kehrte er zurück nach Bayern, gründete in Ottobrunn mit Frau Heidi eine Familie. Von 1979 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2005 war er stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK in München. Gemeinsam hat das Ehepaar zwei Söhne, einen erfolgreichen Rechtsanwalt und Sorgenkind Thomas, über den die Familie nur selten sprach.

„Den Sohn habe ich nie gesehen. Er war ein bisschen komisch“

Ein befreundetes Ehepaar stand am Donnerstagmorgen fassungslos vor dem Einfamilienhaus in Ottobrunn. Die Dame sagt mit zitternder Stimme: „Der Helgo war so ein netter Mann. Wir kannten uns privat seit vielen Jahren aus der Sportgruppe. Er war sehr aktiv.“ Doch die psychischen Probleme von Sohn Thomas belasteten die Familie schwer. Bis vor etwa zwei Jahren lebte der 42-Jährige im Dachgeschoss seiner Eltern – zurückgezogen, depressiv, arbeitslos. Laut Staatsanwalt Florian Weinzierl wurde gegen Thomas A. vor Jahren wegen Körperverletzung ermittelt. „Man wusste, dass es Probleme gibt“, sagt ein Freund der Familie. Dass es eines Tages zu solch einer brutalen Tat kommen würde, war allerdings nicht abzusehen. Doch am Mittwochabend gegen 20 Uhr geschah das Unfassbare. „Wir hörten plötzlich Getrampel und ein Geräusch, als ob jemand vom Stuhl gefallen wäre“, erzählt ein Anwohner. An eine Gewalttat habe aber auch er nicht gedacht. „Den Sohn habe ich nie gesehen“, sagt der junge Mann. „Er war ein bisschen komisch.“

Die Mutter des Täters fand ihren Mann im Keller des Hauses an der Schillerstraße – er lag am Boden und hatte schwere Kopfverletzungen. Sofort wählte sie den Notruf.

Wohl auch um die eigenen Eltern zu entlasten, kaufte deren zweiter Sohn vor rund zwei Jahren eine Wohnung an der nur etwa zweieinhalb Kilometer entfernten Rosenheimer Landstraße und ließ seinen Bruder dort einziehen. Doch seine psychischen Probleme machten Thomas A. zu einem unberechenbaren Brandstifter. Innerhalb eines halben Jahres setzte er, eventuell unachtsam durch eine Zigarette, zwei Mal seine Couch in Brand – zuletzt am Mittwochmorgen gegen 4.45 Uhr. Die Feuerwehr musste die Wohnungstüre im Dachgeschoss aufbrechen und die Flammen löschen. Wo sich Thomas A. tagsüber aufhielt, ist unklar. Die Polizei suchte nach ihm, fand ihn aber zu spät.

Am Donnerstag wurde der 42-Jährige psychiatrisch begutachtet. Thomas A. ist vorerst in einer Psychiatrie untergebracht.

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