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Aus ihrer Sicht berichten Flüchtlinge wie Samba und Helfer wie Diakonin Ursula Zenker.

Flüchtlinge erzählen beim SPD-Infoabend in Ottobrunn

"Warmes Gefühl", willkommen zu sein

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Ottobrunn – Miteinander reden, nicht übereinander: Das klappte gut zwischen Bürgern und Flüchtlingen. Der Abend sorgte für ein gutes Gefühl. Ein bitter nötiges.

Rony ist dankbar. Vor allem all jenen Menschen, die ihm in Deutschland, in Ottobrunn, „die Türen geöffnet haben. Jetzt habe ich einen Schlüssel und kann die Türen selbst öffnen“. 

Die Worte des 28-Jährigen aus Syrien erreichten rund 150 Zuhörer, unter denen es viele Türöffner gibt. Ehrenamtliche, die beim Helferkreis Asyl wirken, Bürger, die Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben und „Otto-Normalverbraucher, die einfach gerne helfen“ würden, wie eine Zuhörerin sagte. 

Der SPD-Info-Abend im Wolf-Ferarri-Haus zeichnete ein ganz anderes Bild als das, was sich in den vergangenen Wochen in Ottobrunn bot und festgesetzt hat, sobald es um das Thema Asyl geht. Die Veranstaltung bot ein Gegengewicht zu all dem Zorn, all den Sorgen und Ängste, die immer wieder vehement unter den Anwohnern des Kathi-Weidner-Wegs laut wurden, wo eine Siedlung für 320 Flüchtlinge entstehen soll. Sie lachten und klatschten aus Hohn, wenn Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) immer wieder versuchte, die Vorzüge einer zentralen Unterbringung auf diesem Areal herauszustellen. 

Am Dienstagabend klatschten und lachten die Zuhörer für die Flüchtlinge und mit ihnen. Vier von ihnen, anerkannte wie Asylsuchende, hatten sich bereit erklärt, über ihr Leben, ihr Schicksal und ihre Flucht zu berichten. Es wurde „mit den Flüchtlingen geredet, und nicht über sie“, wie die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD), die den Abend moderierte, betonte. 

Das Publikum fragte, wie man helfen kann, was die Asylbewerber bei ihrer Ankunft in Deutschland am befremdlichsten fanden und ob sie Anfeindungen erleben. Es herrschte eine positive Aufgeschlossenheit, Interesse an den Asylsuchenden, die zu neuen Nachbarn geworden sind. Denn „Integration ist keine Einbahnstraße“, verdeutlichte Claudia Bernadoni, ehrenamtliche Sprecherin des Asylhelferkreises Ottobrunn-Hohenbrunn, der im vergangenen Jahr mehr als 250 Flüchtlinge betreute.

Das scheint in Ottobrunn und Umgebung zu funktionieren. Es gibt viele Veranstaltungen, Angebote, und die Asylbewerber fühlen sich angenommen. „Warme Gefühle“ wie in der Heimat empfindet Rony. Von einer „sehr netten Ersatzfamilie“, die sie auffängt, sprach Hoda. Keiner der vier hat bislang Anfeindungen erlebt. „In anderen Ländern bleiben die Sitze drumherum leer, wenn ein Schwarzer in der S-Bahn sitzt“, erzählte Samba von seiner Flucht durch mehrere Nationen. „Hier setzen sich alle zu einem. Das ist toll.“ 

Ausschließlich positive Erfahrungen haben die Schützlinge von Diakonin Ursula Zenker jedoch nicht gemacht. Sie ist in der Jugendhilfe tätig und arbeitet im „Haus am Wald“ in Hohenbrunn, wo 86 unbegleitete minderjährige männliche Flüchtlinge leben. Wenn mehrere von ihnen als Gruppe auf der Straße unterwegs sind, „gab’s schon Beschwerden“, erzählte sie. „Dabei sind das normale Jugendliche, die ein schweres Paket zu tragen haben und allein sind.“ Auf die Frage, was mit diesen Jugendlichen passiert, wenn sie 18 Jahre alt sind, sagte Zenker: „Die meisten werden bleiben.“ Sie werden auf ein selbstständiges Leben in Deutschland vorbereitet, doch „der Übergang ist schwer, sie sind auf Kontakte aus der Bevölkerung angewiesen“. Auf Menschen, die Türen öffnen.


J anine Tokarski

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