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Ein Herz und eine Seele: Wolfram und Gudrun Böhlke.

Ottobrunner feiert 90. Geburtstag

Wolfram Böhlke: Ein Leben voller Liebe

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Ottobrunn – Das Klavierspiel und die Liebe halten Wolfram Böhlke jung und fit. Am Donnerstag wird er 90 Jahre alt.  Rückblick auf ein spannendes Leben.

Schon auf dem Flur erklingt Klaviermusik. Wolfram Böhlke spielt „Trumpet Voluntary“. Den Hochzeitsmarsch des Barock-Komponisten Jeremiah Clarke, der bei der Trauung von Prinz Joachim von Dänemark und Alexandra Manley 1995 gespielt wurde. 

Ein Stück, das bei Wolfram Böhlke Erinnerungen wachruft. Erinnerungen an Kriegstage im Hafen von Kopenhagen. Dort war der junge Fähnrich 1943 bis 1945 bei der Marine stationiert. „Trumpet Voluntary“ gibt diesen Erlebnissen einen Klang. Keine leichte Zeit. 

Doch heute kann der gebürtige Chemnitzer sagen: „Es gab viele tolle Zeiten, ich bin glücklich.“ Ein erfülltes, aufregendes Leben, das er heute feiert: Wolfram Böhlke wird am heutigen Donnerstag 90 Jahre alt. Ein Tag zum Feiern, wie er es mit seiner Frau Gudrun (85) schon immer gern getan hat. In ihrem gemeinsamen Haus in Riemerling „gab es viele Feste, Fasching haben wir auch immer gefeiert“, erzählt der Jubilar und lacht. 51 Jahre hat das Ehepaar dort gewohnt, bevor es 2012 ins KWA Hanns-Seidel-Haus in Ottobrunn zog. Der Bekanntenkreis ist groß, viele kommen zum Fest in Furth. Auch Sohn Peter (57) und ein spezieller Gast: Wolfram Böhlkes Zwillingsschwester Brigitte aus Dorfen. Gemeinsam stoßen sie auf ihren 90. Geburtstag an. 

Als Kinder hatten sie beide Klavierunterricht, dann „hab’ ich bis zur Pensionierung gar nicht mehr gespielt“, erzählt Böhlke, der sich schnell in englischer Kriegsgefangenschaft von einer Karriere als Schiffsbauer verabschiedete, schließlich Bauingenieurwesen in München studierte und jahrzehntelang in einem Statikbüro arbeitete. Doch es juckte ihn in den Fingern. Als er das alte Klavier der Schwiegermutter aus dem Jahr 1925 erbte, entdeckte Böhlke die Liebe zur Musik wieder. Wegen des Instruments brauchte das Ehepaar im Seniorenstift eine große Wohnung. 

Dort, im Wohnzimmer, hängt das Bild „Schäferstündchen“, das eine aufregende Geschichte hinter sich hat. Das Ehepaar Böhlke überraschte vor fünf Jahren einen Einbrecher, der gerade Kunst aus ihrem Haus schaffte. Gudrun Böhlke verfolgte den Dieb, doch er flüchtete und wurde nie gefasst. Das „Schäferstündchen“ ließ er stehen, „zwei Miniatur-Bilder hat er mitgenommen“, sagt sie. „Wir haben sämtliche Märkte abgeklappert, ob sie angeboten werden“, ergänzt ihr Mann. Fehlanzeige. Doch das wertvollste Bild blieb ihnen und ist stummer Zeuge der täglichen Klavierstunden. 

„Alles hat er sich selbst beigebracht“, sagt Gudrun Böhlke. Seitdem spielt er jeden Tag eine Stunde für sie. „Ich frage immer meine Frau, was sie hören möchte“, sagt er und schaut sie liebevoll an. Beide eint eine innige Liebe. „Wir galten seit jeher als das ewige Liebespaar“, sagt Gudrun Böhlke. Sie sind es geblieben. Die Liebe ist es, die sie aufrecht, aktiv, voller Lebensfreude hielt. 

Das Rezept für ein Leben, das mit 90 Jahren aus Klavierspielen, Puzzeln, Spielen auf dem iPad, Einkaufstouren und täglichen Tagebuch-Einträgen besteht? „Eine glückliche Ehe.“ Mittlerweile seit 62 Jahren. „Wir sind eins.“ Mehr braucht Wolfram Böhlke nicht zum Leben.

Janine Tokarski

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