Genügend Rettungskräfte: Ottobrunn lehnt weitere Notrufsäulen ab

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Ottobrunn -  Auch künftig wird es im Gemeindegebiet Ottobrunn nur eine Notrufsäule mit einem Automatisiertem Externen Defibrillator (AED) geben – und zwar am Eingang des Wolf-Ferrari-Hauses. Mit dem Antrag für weiterer Notrufsäulen ist die FDP-Fraktion gescheitert.

Der Hauptausschuss hat die Aufstellung mit 11:3 Stimmen endgültig abgelehnt, nachdem nach einer ersten Diskussion des Hauptausschusses zu diesem Thema im Dezember weitere Standorte an der Ferdinand-Leis-Halle und am Bahnhofsplatz geprüft worden waren (wir berichteten).

Die Begründung: Das gute und große Netzwerk von Rettungskräften vor Ort macht diese Technik unnötig. „Es gibt wahrscheinlich keine Gemeinde unserer Größenordnung, die so gut mit Rettungseinheiten aufgestellt ist wie unsere“, sagte Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) mit Blick auf First Responder, Feuerwehr und Johannitern. Und bis die in einem Notfall vor Ort sind, vergehe „kaum mehr als drei Minuten“, fügte er hinzu. Seine Schlussfolgerung: „Darum benötigen wir die Notrufsäulen nicht.“ Auch mit einem Kompromiss-Vorschlag, wenigstens eine weitere am „stark frequentierten Bahnhof“ aufzustellen, scheiterte FDP-Vertreter Axel Keller am Votum der Ratsmitglieder.

Und wieder entfachte sich eine Diskussion zum Verhalten von Unbeteiligten im Notfall. Der Tenor: Zeugen würden sich scheuen, den Defibrillator im Notfall wirklich einzusetzen. Allein deshalb seien weitere Säulen, die pro Stück rund 8000 Euro kosten, unrentabel. Bereits im Vorfeld der ersten Diskussion im Dezember hatte Ottobrunns Feuerwehr-Kommandant Eduard Klas, gefragt nach einer fachlichen Einschätzung, die Notwendigkeit für weitere Notrufsäulen nicht gesehen. Er sprach damals von „großen Ängsten im Hinblick auf die Erstversorgung“ bei Laien. Zudem kritisierte er die Gleichgültigkeit vieler Augenzeugen, die im Notfall nichtmal einen Notruf absetzen würden. Gemeinderat und Dr. Klaus Straßburg (CSU), der mit einem Kollegen eine Hausarztpraxis in Unterhaching betreibt, bestätigte nun die Einschätzung des Kommandanten: Viele Menschen würden sich scheuen, einen Defibrillator bei einem Patienten zu benutzen. Zudem zitierte er aus einer Studie, die zu dem Ergebnis kommt: „Nur der Einsatz von Fachpersonal an diesen Geräten macht Sinn.“ Diese Meinung teilte schließlich die Mehrheit des Gremiums. 

Janine Tokarski

Rubriklistenbild: © Reinhard Kurzendörfer

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