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Rund 300 Bürger kamen zum Info-Abend.

Geplante Asylunterkunft in Ottobrunn

Widerstand bleibt

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Ottobrunn – Politik und Polizei haben viel versucht: Transparenz, Information, Beruhigung. Ohne Erfolg. Die Angst vor einem "Getto" am Kathi-Weidner-Weg bleibt unter den Bürgern.

Auf keinen Fall 416 Asylbewerber in einer Unterkunft. Maximal die Hälfte. Am besten aber viele kleine Gruppen in Ottobrunn verteilt. So lautet der Tenor des Bürgerwillens, der beim Info-Abend zu den geplanten Häusern für Asylsuchende am Kathi-Weidner-Weg deutlich zum Ausdruck gebracht wurde. „Sie sprechen von Dorf, von Anlage. Man könnte es aber auch einfach Getto nennen“, sagte ein Zuhörer – und sprach damit vielen der rund 300 Anwesenden aus der Seele. „Das ist kein Getto“, widersprach Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) vehement. „Was denn sonst? Natürlich ist es das“, hallte es aus dem Publikum zurück. 

Kurz drohte die Diskussion im Saal des Wolf-Ferrari-Hauses zu entgleisen. Immer wieder kochte der Unmut hoch, wurden die unterschiedlichsten Ängste und Sorgen laut. „Auch an anderen Stellen leben 400 Menschen auf einem Grundstück, wenn ich an den Geschosswohnungsbau denke“, warf Landrat Christoph Göbel (CSU) ein. „Da würden Sie doch auch nicht ernsthaft von Getto sprechen, oder? Die Nationalität und der Pass eines Bewohners sagen doch nichts über die soziale Struktur einer Siedlung aus.“ 

Die Einwürfe verhallten nahezu ungehört. Die Sorgen vieler Anwohner konnten die Vertreter der Politik sowie der Feel Home GmbH, die 13 Holzhäuser für 416 Asylbewerber am Kathi-Weidner-Weg bauchen möchte, nicht nehmen. Zwar entscheidet der Gemeinderat erst am 27. Januar über das Projekt. Doch trotz der frühen Einbindung der Bürger blieb die Skepsis groß. Viele Ottobrunner wünschen sich eine dezentrale Unterbringung auf anderen Flächen – und sind „schwer enttäuscht, dass die Gemeinde es nicht geschafft hat, eine Bewertung aller möglichen Flächen vorzulegen“, formulierte es ein Bürger. „Das ist kein systematisches Vorgehen.“ Loderer versprach aber: „Es werden nicht mehr als diese 416 Bewohner auf dem Gelände, auch wenn der Flüchtlingsstrom zunimmt. Das verspreche ich.“ Das Publikum quittierte die Aussage mit Gemurmel und Gelächter. Vielen Bürgern sind die 400 schon deutlich zu viele. 

Dennoch: Diese umstrittene Unterkunft wird nicht das letzte Projekt zur Unterbringung Asylsuchender in Ottobrunn sein. Auch wenn die Gemeinde als Vorzeige-Kommune ihre Quote von aktuell 572 unterzubringenden Flüchtlingen in diesem Jahr dann erfüllt. Denn „der Druck ist groß“, sagte Landrat Göbel. 145 Asylsuchenden muss der Landkreis derzeit pro Woche ein Dach über dem Kopf bieten – „ob wir die Kapazitäten haben oder nicht“. Darum kündigte er an, in den nächsten Wochen wieder Turnhallen sperren und zu Quartieren umfunktionieren lassen zu müssen. Allerdings soll dies zunächst in Kommunen geschehen, die – anders als Ottobrunn – bislang keine Hallen zur Verfügung stellen mussten. 

Ziel sei es aber, „über den Landkreis verteilt viele dauerhafte Unterkünfte“ wie die geplante Holzhaus-Siedlung zu errichten. „Denn wir gehen davon aus, dass mindestens 80 Prozent der uns zugewiesenen Flüchtlinge über Jahre hier leben werden.“ Und vor ihnen brauche man keine Angst haben, betonte Bürgermeister Loderer: „Wir dürfen nicht alle unter Generalverdacht stellen, die meisten Flüchtlinge tun niemandem etwas.“

Das untermauerte Armin Ganserer, Leiter der Polizeiinspektion Ottobrunn. Er warnte vor einer „Kriminalisierung“. Es gebe zwar keine Statistik mit Straftaten von Asylbewerbern, und „wir müssen mit Straftaten rechnen, wenn Menschen zu uns kommen. Wir haben aber auch viele Deutsche, die solche begehen.“ Wenn es Ärger gebe, dann meistens unter den Flüchtlingen. Er betonte: „Die Sicherheit der Bürger ist nicht gefährdet."

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