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In einem Jahr auf dem Niveau der Oberstufe: Die ehemaligen Realschüler Lukas aus Aying und Jana aus Berg am Laim nutzen das neue Schulangebot in Ottobrunn.

Einmalig im Landkreis München

Gymnasium Ottobrunn: Neuer Quereinstieg zum Abitur

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Das Gymnasium Ottobrunn hat ein bislang  einzigartiges Angebot im Landkreis fürs Abitur: die Einführungsklasse 10F: Sie bereitet Absolventen aus der Realschule, dem M-Zweig und der Wirtschaftsschule auf die gymnasiale Oberstufe vor.

Ottobrunn – Lukas ist 17 Jahre alt, wohnt in Aying und hat die Realschule mit 1,0 abgeschlossen. Sein Berufsziel: „Ich möchte Pilot werden, dafür brauche ich Abitur. Und wenn das nicht klappt, vielleicht Jura studieren.“ Der groß gewachsene junge Mann mit den braunen Locken ist einer von 17 Schülern, die als Pioniere vor sechs Monaten diesen neuen Weg am Gymnasium Ottobrunn eingeschlagen haben.

„Das Gymnasium hat mich schon immer gereizt“, sagt Lukas. Ganz so gut wie auf der Realschule sind seine Noten nicht mehr, „aber das war mir klar, jetzt geht es darum, durchzukommen“.

Das eine Jahr in der Einführungsklasse ist anspruchsvoll: In 36 Unterrichtsstunden pro Woche werden die sieben Schülerinnen und zehn Schüler gezielt in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch gefördert und auf die Anforderungen in der Oberstufe des Gymnasiums vorbereitet. Auch eine zweite Fremdsprache müssen sie drei Jahre lang nachweisen. Das ist Voraussetzung für das Abitur. Wie Lukas lernt der Großteil der 10F seit Herbst intensiv Spanisch. Drei Schüler hatten bereits Französisch an der Realschule und müssen nur noch ein weiteres Schuljahr in Französisch bestehen.

Die 17 Schüler, die das neue Schulangebot in Ottobrunn wahrnehmen, kommen teilweise von weit her. Aus dem Münchner Glockenbachviertel, aus Oberföhring oder Haar pendeln die Quereinsteiger zum Gymnasium Ottobrunn. Voraussetzung für diesen Weg zum Abitur ist ein pädagogisches Gutachten von der bisherigen Schule: „Darin muss stehen, dass der Schüler uneingeschränkt für das Gymnasium geeignet ist“, sagt Beate Promberger, stellvertretende Schulleiterin. Die Noten in Deutsch, Mathe und Englisch sollten im Schnitt bei mindestens 3,0 liegen, „aber es gibt keine scharfe Grenze“.

Jana, 17 Jahre, blonde Haare, blaue Augen, wohnt in Berg am Laim. Nach der zehnten Klasse an der Maria-Ward-Realschule überlegte sie eine Zeit lang, die Ausbildung zur Krankenschwester zu beginnen. Dann erfuhr sie vom Infoabend zum neuen Schulangebot in Ottobrunn. „Ich bin ja noch jung“, sagt sie, „und ich konnte mir gut vorstellen, weiter zur Schule zu gehen. Der Infoabend zur Einführungsklasse hat mich voll von diesem Weg überzeugt“, sagt die 17-Jährige.

„Die Schüler haben eine enge Klassengemeinschaft, sie unterstützen sich gegenseitig stark“, sagt Promberger. Das sieht konkret so aus, dass abends in einer Whats-App-Gruppe Fragen und Antworten zum Stoff kursieren. „Es gibt keinen festgelegten Lehrplan. Wir versuchen, im Lauf der zehnten Klasse herauszufinden, wo die Schüler stehen und Lücken zu schließen, sodass sie am Ende der zehnten Klasse dieselben Klausuren schreiben können wie unsere anderen Zehntklässler.“ Denn nach dem erfolgreichen Abschluss der Einführungsklasse besuchen die Quereinsteiger die reguläre 11. und 12. Jahrgangsstufe bis zum Abitur.

Die Zahl der Einführungsklassen in Bayern wurde über die Jahre deutlich erhöht: Gab es im Schuljahr 2011/12 rund 55 Einführungsklassen, waren es im Schuljahr 2014/15 knapp 90 und im Schuljahr 2016/17 knapp über hundert. „Die Rückmeldungen aus und Erfahrungen mit den Einführungsklassen sind positiv“, sagt Carolin Völk, Sprecherin des Kultusministeriums.

Das Gymnasium Ottobrunn ist das erste im Landkreis München, das Realschülern den direkten Weg zum Abitur anbietet. „Wir sind vom Ministerialbeauftragten gebeten worden, die Einführungsklasse anzubieten, weil das Angebot am Asam-Gymnasium in Giesing überlaufen ist“, sagt Beate Promberger. Die Schulleitung sei sehr zufrieden mit ihren Quereinsteigern: „Die Schüler sind sehr sympathisch und auch schon etwas reifer. Wir bekommen die Rückmeldung, dass das Unterrichten in der 10F sehr viel Freude macht. Einige Lehrer haben uns schon zurückgemeldet, dass sie gern wieder in der Einführungsklasse eingesetzt werden würden.“

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