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„Danke für Deinen Einsatz“: Die Feuerwehr Haar trauert um Bruno Groß. Das Bild entstand in den 80ern.

„Danke für Deinen Einsatz, danke für Deine Kameradschaft!“

Der Mann am Funkgerät: Feuerwehren trauern um Bruno Groß

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
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Er war einer der ersten Funksprecher der Kreis-Feuerwehr, er nahm Notrufe entgegen und alarmierte seine Kameraden. Nun ist Bruno Groß gestorben. 

Haar – Die tiefe Bass-Stimme war das Markenzeichen von Bruno Groß. Hilfesuchende, die früher die Notrufnummer 662023 oder später die 112 anriefen, hatten ihn oft als ersten Ansprechpartner in der Leitung. In seiner unverwechselbaren Art, oft gespickt mit sarkastischen Bemerkungen, alarmierte Groß dann die Feuerwehren und schickte die Kameraden zum Unfall oder Brand. Nun ist Groß’ Stimme für immer verstummt. Er starb im Alter von 83 Jahren.

Bruno Groß war einer der ersten hauptamtlichen Funksprecher der Feuerwehreinsatzzentrale „Florian München-Land“. Zwischen seinem ersten „Einsatz“ im Jahr 1973 hinter dem Mikrofon am Mariahilfplatz, bis zu seinem letzten Arbeitstag, der Nachtschicht vom 22. auf den 23. April 1998, war sein Platz nur noch indirekt an der Feuerwehr-Front. Wenngleich er von dort zahlreiche Großeinsätze leitete. Dafür wusste er wie kein anderer, was sich in den Wehren abspielt, denn bereits als 17-Jähriger trat er in die Feuerwehr Ottobrunn ein, wo man den Elektriker mit Handkuss aufnahm und gleich bei Arbeiten am Gerätehaus und den Fahrzeugen einspannte. Drei Jahre war er dort Zeugwart, er ließ es sich auch nicht nehmen, den neuen „TLF 16“ persönlich aus der Fertigung in Ulm abzuholen und in seine neue Heimat zu überführen.

„Viele aus meiner Generation wurden von ihm ausgebildet“

Als Groß sich einige Jahre später beruflich in Richtung Bezirkskrankenhaus Haar als Pfleger veränderte, wechselte er konsequenterweise zu den dortigen Kameraden in das ehemalige Gerätehaus an der Bahnhofstraße. Sein Engagement fiel in eine technisch-analoge Zeit der Fronthauber-Fahrzeuge und Sirenenalarmierung. Aber auch in eine Zeit, in der die Bevölkerung der Kommune wuchs. Auch die Olympischen Spiele 1972 wirkten sich zwangsläufig auf das Feuerwehrwesen aus, ebenso wie die innerörtliche Entwicklung durch den Bau des Jagdfelds, das neue Anforderungen an die Feuerwehr mit sich brachte. Groß stellte sich der Aufgabe als frisch gewählter Jugendwart und stellte eine wegweisende Feuerwehrausbildung auf die Beine. Diese band die immer neuen theoretischen und praktischen Herausforderungen mit ein und haben auch heute noch als Grundstock für eine strukturierte Ausbildung der Anwärter im ganzen Landkreis München nicht an Gültigkeit verloren.

„Viele aus meiner Generation wurden von ihm ausgebildet“, erinnert sich Karl-Heinz Bitzer, heute Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Haar. „Die meisten heutigen Führungskräfte haben beim Bruno ihr Handwerk gelernt.“ Sowohl in Haar als auch Ottobrunn haben die Feuerwehrkameraden in der Nacht zum 10. Juni dieses Jahres in dem 83-jährigen einen „ganz Großen verloren“. „Uns bleibt nur Danke zu sagen. Danke für die Zeit, danke für Deinen Einsatz, danke für Deine Kameradschaft!“, sagt Bitzer.

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