Manfred Bock hatte einen Albtraum.
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Manfred Bock hatte einen Albtraum.

KEINE LOBBY

Hörgeschädigte bitten um mehr Aufmerksamkeit

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Der Behindertenbeirat des Landkreises, Manfred Bock aus Ottobrunn, befürchtet in der Coronazeit, dass die Gruppe der Hörgeschädigten noch weniger wahrgenommen wird als sonst.

Ottobrunn – Der Behindertenbeirat des Landkreises München, Manfred Bock aus Ottobrunn, will sich Folgendes gar nicht vorstellen: Bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Er ist hörbehindert und bekäme hier unter Umständen keine Möglichkeit zu einem adäquaten Gespräch und in der Folge keine adäquate Behandlung. Das betrifft die Coronazeit insbesondere, aber im Grunde gilt die Problematik auch in einer Zeit der Normalität. Dieser Materie habe sich noch niemand angenommen. Hierin und noch in weiteren Punkten erkennt Manfred Bock, dass die Hörgeschädigten immer noch keine hilfreiche Lobby in der Politik hinter sich haben. Für ihn erscheint das auch ein Stück weit diskriminierend, wie er gegenüber dem Münchner Merkur erklärt. In der Coronazeit tagt der Behindertenbeirat nicht. Das entspreche auch einem Verlust von Einflussmöglichkeiten in einer schwierigen Zeit, in der Behinderte gerade viel Gehör finden sollten.

Der Ottobrunner hatte jetzt folgenden Alptraum: Ob Chochlea-Implantat oder Hörgerät, die Kalamität könnte in etwa gleich verlaufen. Im Krankheitsfall, wenn der Notarzt kommen muss, funktioniere die Kommunikation vielleicht noch gut. Der Mediziner erfährt, dass der Patient unter einer Hörbehinderung leidet, dass die Platine des Implantates alle zwei Tage gewechselt werden müsse. Angenommen, das Implantat fällt beim Transport im Krankenwagen vom Kopf. Das führe dazu, dass am Ende das Krankenhauspersonal über die Problematik nicht Bescheid weiß. „Niemand hat dann eine Ahnung, dass der Bock dorad ist.“ Aber auch wenn Hörgerät oder Implantat zunächst reibungslos funktionieren, müsse alle zwei Tage die Batterie ausgewechselt werden. Darum dürfte sich im Zweifelsfall kaum jemand zuständig fühlen, ist sich Manfred Bock sicher.

Bei den Masken gibt es ebenfalls ein Problem, mit dem sich derzeit kaum jemand beschäftigen dürfte. Der Ottobrunner fragt sich: „Warum erhalten Menschen mit Hörbehinderung nicht vorrangig Masken, die mit Gummiband ausgestattet oder mit einem Haken versehen sind, damit sie nicht zum Hörgerät oder Prozessor noch die Maskenbefestigung zusätzlich ums Ohr legen zu müssen?“ Ganz wichtig: Masken, die man hinter dem Kopf binden muss, seien untauglich, denn man brauche dazu zwei Hände. Hier fehle älteren Menschen oft die nötige Beweglichkeit.

Zum Schluss plädiert der Behindertenbeirat dafür, die Hörgeschädigten beim Impfen vorrangig zu berücksichtigen – egal welchen Alters: „Wenn Impfstoff da ist, sollten sie in eine frühere Impfgruppe eingereiht werden.“  msc

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